Darf ein Deutscher Israel kritisieren?


Es ist leicht, das Wort gegen andere zu erheben, aber schwer, dabei objektiv zu bleiben. Wir sind weit von einer gleichberechtigten und fairen Wertung entfernt – und verschließen nach wie vor unsere Augen davor.

Es ist ein psychologisches oder gar rein biologisches Phänomen, dass sich viele Menschen dazu verleiten lassen, alle Grundlagen der Gleichbehandlung über Bord zu werfen, sobald eine Person einer anderen Gruppe zugeordnet wird als man selbst. Schmerzlich wurde uns dieser gruppendynamische Prozess während des Holocaust vor Augen geführt, als sich viele Deutsche deshalb zu solch verabscheuungswürdigen Verbrechen an den Juden hinreißen ließen, weil diese zu „Untermenschen“ degradiert wurden, die nicht die gleichen Rechte genossen wie die „arische Rasse“. Heute wissen wir vor allem dank der Arbeiten von Luigi Cavalli-Sforza – insofern man für die objektiven Daten der Wissenschaft zugänglich ist –, dass die genetischen Unterschiede zwischen den Volksgruppen so gering sind, dass man nicht von verschiedenen Rassen sprechen kann. Leider ist es noch immer nicht bei allen angekommen, dass wir biologisch gesehen ebenbürtig sind.

Alle Menschen sind gleich – nur manche eben etwas mehr als andere

Es scheint in der Natur vieler Volksgruppen zu liegen, dass sie allem, was neu und anders ist, zunächst skeptisch oder ablehnend gegenüberstehen. Egal, wie lang man in bestimmten Dörfern der Bundesrepublik seit seinem Umzug gelebt hat – man wird nie so richtig dazu gehören, sondern immer ein Zugezogener bleiben. Benimmt man sich einmal daneben, wird man schärfer abgeurteilt als ein Einheimischer. Was im Kleinen zutrifft, lässt sich auch auf das Große übertragen: Randaliert ein junger Deutscher im Vollrausch, redet man von einem Ausrutscher. Tut ein Ausländer Vergleichbares, werden Rufe nach Abschiebung laut. Selbst wenn Asylbewerber unter Bedingungen hausen, die die meisten Deutschen als menschenunwürdig bewerten würden oder wenn verarmte Sinti und Roma uns auf der Straße bestehlen, regen wir uns darüber auf, dass uns so Kosten entstehen. Verschieben jedoch schwerreiche Deutsche Hunderte von Millionen Euro am Fiskus vorbei ins Ausland und schaden so der gesamten Bevölkerung, hält sich der Protest vergleichsweise in Grenzen. Dass wir mit unserer Wirtschaftspolitik darüber hinaus daran beteiligt sind, dass die Flüchtlinge in ihren Ländern im Vergleich zu uns kein gerechtes Leben führen können, bleibt besser gleich ganz unerwähnt. Doch noch schwerwiegender als diese ungleiche Behandlung auf Grund der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe sind die unbegründeten Vorurteile, die sich virusartig in einer Bevölkerung vermehren und halten – und deren Verallgemeinerungen. Nicht alle Türken in Deutschland verschließen sich der Integration, nicht alle Moslems lehnen unseren Lebensstil ab, nicht alle Zuwanderer aus Osteuropa sind kriminell. Wir stigmatisieren ganze Volksgruppen und wundern uns anschließend, warum das Zusammenleben nicht funktioniert. Wir leben im 21. Jahrhundert – aber manche Denkweisen und Ansichten haben sich seit dem Mittelalter anscheinend nicht weiterentwickelt.

Michel Friedmann, der böse Jude

Als der jüdische TV-Moderator und CDU-Politiker Michel Friedman im Jahre 2003 durch eine Affäre um Drogen und Zwangsprostitution für negative Schlagzeilen sorgte, war halb Deutschland aufgebracht. Ein Jude als Bösewicht? Noch dazu einer, der in seinen Sendungen nur zu gern andere an den moralischen Pranger stellte und damals der stellvertretende Vorsitzende des jüdischen Zentralrates war? Einige Deutsche schienen nur darauf gewartet zu haben und schossen sich dankbar auf Friedman als Inbegriff des bösen Juden ein, während auf der anderen Seite schon während der Ermittlungen von antisemitischer Hetzpropaganda geredet wurde. Sicher, Friedmann sorgte mit seinem oft als arrogant und selbstherrlich empfunden Auftreten ohnehin für Unmut – und trotzdem war die Bewertung dieses Falles auf Grund seiner Zugehörigkeit zum Judentum eine besondere. Ich erinnere mich daran, nach der Verurteilung Friedmans viele Stellungnahmen gehört zu haben, aber nur ein Kommentar war so unvoreingenommen und trug so viel Wahrheit und Weitsicht in sich, dass ich ihn mir gemerkt habe, auch wenn ich den Namen des Urhebers der Worte – selbst ein Jude – leider vergaß. Sinngemäß sagte er, dass in diesem Fall die übertriebene Betonung des jüdischen Hintergrunds unangemessen wäre. Auch Juden sind kriminell, sie stehlen, töten, vergewaltigen und lügen – so wie man es bei allen anderen Religions- und Volksgruppen eben auch finden könne. Erst wenn uns das klar werden würde und wir endlich die mehr oder minder auf willkürlich definierten Gruppen basierenden Fesseln der Stigmatisierung ablegen würden, könnten wir unabhängig von unserer Identität gleichberechtigt in Frieden miteinander leben. Nicht das Strafverfahren gegen Friedman sollte uns zu denken geben – er wurde rechtskräftig verurteilt. Zu denken geben sollte uns die Tatsache, dass wir ähnliche Vergehen bei „guten, deutschen Christen“ womöglich anders bewerten würden.

Darf ein Deutscher Israel kritisieren?

Natürlich kann man auch als Deutscher Israel für seine Siedlungspolitik und die menschrechtswidrige Behandlung der Palästinenser kritisieren. Worauf man dabei aber achten sollte, ja achten muss, ist die Formulierung. Nicht die Juden im Allgemeinen sind für bestimmte Spannungen oder Verbrechen verantwortlich, sondern die israelische Regierung. Ein feiner, aber enorm wichtiger Unterschied. Andersherum verweist man hierzulande doch auch nur zu gern darauf, dass während des Zweiten Weltkriegs nicht alle Deutschen Nationalsozialisten waren. Es ist manchmal schwer, aufrichtig und objektiv zu bleiben. Es wird uns aber nichts anderes übrig bleiben, als genau das anzustreben, wenn wir es mit einer fairen und gleichberechtigten Beurteilung von Menschen tatsächlich ernst meinen. Wenn wir daran scheitern, dann werden die Nürnberger Rassengesetze vielleicht nicht die letzten gewesen sein, die Menschen rein auf Grund ihrer Zugehörigkeit zu einer Gruppe diskriminierten. Wer noch immer der Meinung ist, dass die Juden zumindest zum Teil für die Ungleichberechtigung ihnen gegenüber selbst verantwortlich sind, der argumentiert wohl auch, dass eine vergewaltigte Frau eine Mitschuld trägt, weil sie sich zu aufreizend angezogen hatte. Der Antisemitismus in Deutschland und weltweit ist nach wie vor nicht tot, sondern schwelt im Volkskörper weiter. Wir sollten uns dessen bewusst sein und seine tief liegenden Wurzeln mit dem Salz der Aufklärung und der Bildung ausdörren. Wir Deutschen behaupten gern, dass wir den Zweiten Weltkrieg abschließend aufgearbeitet und unsere Lehren daraus gezogen haben. Lasst es uns beweisen!

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Die Geschichte des Judenhasses


Noch immer steht Deutschland für die Verbrechen des Holocaust am internationalen Pranger. Oft wird dabei übersehen, dass die Tragödie der Juden kein spontanes Massaker war, sondern der traurige Höhepunkt einer Jahrhunderte alten Feindschaft ihnen gegenüber.

Viel wurde nach dem Zweiten Weltkrieg über die Schuld der deutschen Bevölkerung debattiert. Welche Rolle der Einzelne einnahm, geriet dabei meist in den Hintergrund angesichts einer ganzen Maschinerie der Zerstörung und des Todes. Die Aussagen der Bürger, sie hätten von den systematischen Morden an Juden und anderen unerwünschten Menschengruppen nichts gewusst, wurden oft akzeptiert. Mittlerweile regt sich bei der Erwähnung des Wortes „Schuld“ ein gewisses Unbehagen bei den Deutschen, hat die heutige Generation doch nichts mehr mit den Verbrechen der Nationalsozialisten zu tun. Doch die Problematik des Judenhasses wird erst dann deutlich, wenn man sich mit seiner Geschichte befasst. „Auschwitz war nur möglich, da der Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft tief verwurzelt war“, schreibt Detlev Claussen sinngemäß in seinem Buch Vom Judenhass zum Antisemitismus und spielt damit darauf an, dass der Holocaust kein einmaliger „Ausrutscher“, sondern der tragische Höhepunkt einer langen Entwicklung war.

Die Ursprünge des Judenhasses

Prinzipiell kann zwischen mindestens drei verschiedenen Arten des Judenhasses unterschieden werden, nämlich dem religiös, dem sozial und dem rassenideologisch begründeten, wobei letzterer hauptsächlich eine Erscheinung der Neuzeit ist. Bereits mehrere Jahrhunderte vor dem Beginn unserer Zeitrechnung kam es in Ägypten und in weiteren Bereichen das Nahen Ostens zu Spannungen zwischen Juden und anderen Volksgruppen. Der griechische Geschichtsschreiber Hekataios von Milet behauptete, dass die im Pharaonenreich lebenden Juden des Landes verwiesen und durch Moses nach Judäa geführt wurden. Durch ihren monotheistischen Ein-Gott-Glauben war diese Volksgruppe den Ägyptern mit ihren vielen Göttern in Menschengestalt suspekt. Außerdem wurde ihre Behauptung, an den einzig wahren Gott zu glauben, als arrogant und respektlos aufgefasst. Sie grenzten sich selbst durch ihre Traditionen wie der Beschneidung männlicher Nachkommen, dem Verzicht auf Schweinefleisch und dem Sabbat ab und bekamen den Ruf, dass sie alles, das anders war, hassten. Apion von Alexandria behauptete, dass die Juden Griechen entführten und mästeten, um sie später als Menschenopfer zu schlachten und ihr Blut zu verzehren – eine Behauptung, die vor allem im Mittelalter wiederholt wurde und schon allein deswegen abwegig ist, weil es den Juden laut Thora verboten ist, Blut zu trinken, weshalb sie ihre Tiere durch das Schächten vor dem Zubereiten ausbluten lassen.

Quelle: http://schularena.com

Einen ersten Höhepunkt der Spannungen stellte die Zerstörung des jüdischen Tempels im nubischen Elephantine durch Ägypter 410 v.Chr. dar, zu welcher Chnum-Priester aufgerufen hatten, wobei die persischen Fremdherrscher nicht eingriffen. Auch die Römer intervenierten nicht, als es 38 n.Chr. zu mörderischen Aufständen in Alexandria kam, bei denen Juden von aufgebrachten Ägyptern umgebracht wurden. Kaiser Caligula wollte die Unruhen nutzen, um seine eigene Position zu stärken. Ihm waren die Juden, die sich nicht seinem Kaiserkult beugen wollten und stattdessen ihren Traditionen treu blieben, ein Dorn im Auge. Zuvor war es jedoch oft so gewesen, dass die Juden unter den Fremdherrschern in Nahen Osten keiner Unterdrückung ausgesetzt waren, was ihnen wiederum die Missgunst der ansässigen Ägypter und Griechen einbrachte, die gerade in Alexandria mit ihnen um Einfluss und Status konkurrierten. Die Eigenheiten der Juden wurden nach wie vor nicht akzeptiert, weshalb der römische Geschichtsschreiber Tacitus in den westlichen Kulturen nach 70 n.Chr. den Gedanken der jüdischen Misanthropie etablierte. Insgesamt stellte die Situation in Ägypten eine einzigartige Mischung aus religiösen, politischen und ethnischen Aspekten dar, die im hellenistischen Kontext globale Bedeutung gewann.

Der religiöse Judenhass

Die Situation der Juden verbesserte sich nach der Kreuzung Jesus Christus nicht – ganz im Gegenteil. Da sie von der neuen christlichen Religion als Mörder bezeichnet wurden, die obendrein Jesus nicht einmal als ihren Messias anerkannten, etablierte sich eine neue Form des religiösen christlichen Judenhasses, welcher später im Kampf um Einfluss an Bedeutung gewann, da das Judentum und das Christentum fortan in Konkurrenz miteinander standen. Der Einfluss der Juden schwand, die Römer störten sich nach wie vor an ihren Traditionen, die eine Akzeptanz anderer Götter verbot. Das jüdische Zentrum Palästina wurde schließlich in das römische Verwaltungssystem eingegliedert und unterdrückt, worauf es zu mehreren Aufständen und ab 66 n.Chr. zum jüdischen Krieg kam. 70 n.Chr. wurde Jerusalem durch Kaiser Titus zerstört, woran noch heute der Titusbogen in Rom erinnert. Als Kaiser Hadrian auf den Trümmern des jüdischen Tempels 130 n.Chr. einen Jupitertempel errichten wollte, begehrten die Juden während des Bar-Kochba-Aufstands letztmalig auf. Fünf Jahre später war ihre Niederlage besiegelt, die Juden wurden aus Palästina vertrieben oder als Sklaven verkauft – die Diaspora (griech.: Zerstreutheit) hatte begonnen.

Die Folgen der Diaspora

In den folgenden Jahrhunderten verloren die Juden an Einfluss und waren im Mittelalter zu schwach, um den ungerechtfertigten Vorurteilen und Stigmatisierungen ihnen gegenüber entgegenzuwirken. Gegen 1150 n.Chr. hatte sich die Art des Judenhasses schließlich gewandelt. Waren vorher noch befremdliche Eigenschaften und Verhaltensweisen der Ursprung der Feindseligkeiten ihnen gegenüber gewesen, standen nun fiktive Fantasien und Mythen im Vordergrund. Spätestens jetzt nahm der Jude die Rolle des Sündenbocks für alles Schlechte ein. Diesbezüglich schreibt Wolfgang Benz in seinem Buch Der Hass gegen die Juden, dass der Kern der Feindschaft darin liegt, dass diese Minderheit über Feindbilder definiert wird, um sie negativ instrumentalisieren und stigmatisieren zu können. So sollen die Juden angeblich mit Feinden oder dem Teufel verbündet gewesen sein. Erste Pogrome gab es daraufhin in Deutschland und Frankreich im 11. Jahrhundert. Auch der Vorwurf des Hostienfrevels, der erstmals 1290 in Paris dokumentiert wurde und den Juden eine Schändung des Leibes Jesu durch das Beschädigen von Hostien vorwarf, führte zu Pogromen. Während des IV. Laterankonzils wurde 1215 beschlossen, dass alle Juden durch einen gelben Fleck auf ihrer Kleidung gekennzeichnet sein müssten – eine Vorschrift, die die Nationalsozialisten Jahrhunderte später wieder aufgriffen. Ab 1492 kam es zudem durch die judenfeindliche Einstellung der Herrscher auf der iberischen Halbinsel zu erzwungenen Konvertierungen in Form von Massenzwangstaufen, woraus die Marranen hervorgingen. Selbst der Reformator Martin Luther ließ sich im 16. Jahrhundert zu mehreren Schmähschriften gegen Juden hinreißen.

Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/3d/SEX_PUERI_RATISPONAE.jpg

Der Jude als ewiger Sündenbock

Auch für den Reichtum, den einige Juden im Mittelalter durch Handel und Bankgeschäfte erwarben, muss man in erster Linie die Christen verantwortlich machen, obwohl diese an deren Wohlstand Anstoß nahmen. Während des III. Laterankonzils 1179 wurden ihnen Zinsgeschäfte verboten, was den Juden unfreiwillig eine Monopolstellung verschaffte. Überhaupt waren sie auf diese Geschäftszweige angewiesen, wurde ihnen doch während des IV. Laterankonzils der Zugang zu Zünften und damit zum Handwerk verwehrt, wodurch sie weiter ausgegrenzt wurden. Früh wurden die Juden jedoch als Wucherer und Betrüger verschrien, die zum Ziel von Übergriffen von Schuldnern oder anderen Neidern wurden. So begann die Hochphase des sozial begründeten Judenhasses. Weitere Mythen wurden verbreitet wie etwa die, dass Juden während der Pestepidemien die Brunnen der Christen vergiftet hatten. Wahrscheinlicher ist es jedoch, dass weniger Juden der Seuche erlagen, weil sie reinlicher waren und weniger Kontakt zu Ratten, Flöhen und anderen Überträgern hatten. Auch angebliche Fälle von Kindern, die armen Eltern abgekauft und anschließend gefoltert wurden, um ihr Blut zu trinken, waren immer wieder im Gespräch und fanden ihren Weg in das deutsche Kulturgut. So kann man in dem Sammelband Deutsche Sagen der Brüder Grimm die Geschichten Der Judenstein und Das von den Juden getötete Mägdlein finden, die angebliche Fälle des Kindsmordes aus den Jahren 1462 bzw. 1267 beschreiben. Auch noch deutlich später war der Jude als Feindbild ein häufiges Motiv in der deutschen Literatur, wie etwa Abner, der Jude, der nichts gesehen hat aus Wilhelm Hauffs Märchen, in dem der Hauptcharakter ein listiger und verschlagener Lügner ist, der es immer auf seinen eigenen Vorteil abgesehen hat.

Quelle: http://images.zeit.de/wissen/geschichte/2011-09/s22-juden-antisemitismus/s22-juden-antisemitismus-540×304.jpg

Judenhass in der Neuzeit

Das Vorurteil der reichen Juden blieb jedoch auch dann noch bestehen, als viele von ihnen durch die Aufhebung des Verbots für Zinsgeschäfte für Christen verarmten. Auch heute noch hält sich hartnäckig die Behauptung, dass das Weltfinanzsystem von Juden kontrolliert würde. Selbst im 19. Jahrhundert kam es immer noch zu Pogromen gegen Juden, wie zu den in Würzburg beginnenden Hep-Hep-Unruhen in Deutschland 1819, als der europäische Markt nach dem Ende der Kontinentalsperre von billigen englischen Textilien überflutet wurde. Wieder waren es Neid und Missgunst, die die Übergriffe hervorriefen, da die jüdischen Händler mit den veränderten Gegebenheiten besser zurechtkamen als die deutschen Kaufleute. Dabei verstand es die gebildete Schicht, den Hass des Pöbels auf die Juden zu lenken. In der langen Reihe der Vorurteile gegen Juden gesellten sich schließlich auch noch Weltverschwörungstheorien. Als ihnen im Laufe der Russischen Revolution die Gleichberechtigung zugesichert wurde, kam es zu einer Welle von Pogromen, da die Konterrevolution von einem jüdischen Komplott sprach. Der zaristische Geheimdienst Ochrana stellte Anfang des 20. Jahrhunderts schließlich die „Protokolle der Weisen von Zion“ als Agitationsmaterial her und brachte sie in Umlauf. Angeblich soll es sich dabei um die Weltherrschaftspläne der Juden handeln. Vor allem unter den Moslems stellen diese Fälschungen noch heute eine wichtige Grundlage ihrer Feindschaft dar.

Antisemitismus und Rassenwahn

Letztendlich fand sich auch auf der politischen Bühne ein Grund, gegen die Juden zu hetzen. Im Laufe ihrer Emanzipationsbemühungen engagierten sie sich vor allem in nicht-konservativen Parteien, also u.a. bei Kommunisten und Sozialisten. So sprachen beispielsweise die Faschisten später vom jüdischen Bolschewismus, den es zu bekämpfen galt. Es wurde das Vorurteil des radikalen, Umsturz suchenden Juden etabliert, der alles Bestehende gefährde. Das Dilemma der Juden – und die Unsinnigkeit der Vorwürfe gegen sie – nahm weiter zu. Gab es Krieg, galten sie als Kriegstreiber, da sie als Industrielle damit Geschäfte machen konnten. Wurde der Krieg beendet, machte man es ihnen zum Vorwurf – wie bei der Dolchstoßlegende nach dem Ersten Weltkrieg, obwohl viele Juden für ihr deutsches Heimatland kämpften und starben. Schon zuvor hatte sich eine neue, letzte Phase des Judenhasses etabliert, die uns heute als Antisemitismus bekannt ist und als letztes Element eine rassenideologische Komponente hinzufügt.

Das Wort „Antisemitismus“ wurde erstmals 1879 während eines Berliner Historikerstreits aktenkundig, ausgesprochen wurde es von Wilhelm Marr. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich im Zuge des Sozialdarwinismus die Ansicht durch, dass das „jüdische Problem“ vom Standpunkt der Rassenreinigung aus betrachtet werden sollte, wobei die Juden minderwertiges Leben im Vergleich mit Ariern darstellen würden. Heinrich von Treitschke formulierte 1879 den viel zitierten Satz: „Die Juden sind unser Unglück!“ Er gehörte einer Strömung von Propagandisten an, die willkürliche, pseudowissenschaftliche Behauptungen über unbegründbare, absolute Differenzen zwischen Menschen in Körper- und Wesensmerkmalen in Umlauf brachten. Es galt, mit den Juden eine Gruppe, die im Laufe ihrer Emanzipation ein Teil der deutschen Gesellschaft geworden war, wieder zu entfernen, wobei man sich nicht auf veränderbare religiöse, sondern auf unabänderliche Rassenmotive stützen wollte. Der spätere Führer des Deutschen Reiches, Adolf Hitler, bezeichnete seine Haltung schließlich als Übergang vom Antisemitismus des Gefühls zum Antisemitismus der Vernunft. Mit anderen Worten: Man würde dem deutschen Volk einen Gefallen tun, wenn man es von den schädlichen Juden „säubere“.

So gelang es den Faschisten, den Kampf gegen die Juden als Notwehr auszulegen, da diese angeblich eine Bedrohung darstellten. Die Nationalsozialisten schufen also nichts grundsätzlich Neues, sondern bauten auf einer Jahrhunderte alten Feindschaft gegenüber Juden auf; ihre Worte und Absichten fielen bei ihrem Volk auf fruchtbaren Boden. Selbst die Argumentation, dass die Juden eine Teilschuld für ihre Leiden selbst trügen, ist auch heute noch nicht ausgestorben. Um die Ursachen des Holocaust zu verstehen, reicht es daher nicht aus, sich nur mit dem 20. Jahrhundert zu beschäftigen, da die Wurzeln, die nach wie vor noch nicht abgestorben sind, viel tiefer liegen.

The truth about female equality


In the late 19th and early 20th century,

many women across the world especially in the United Kingdom and the USA took action as suffragettes in order to end male oppression. For the longest time, women had been expected to be obedient and serve their male counterparts without any rational reason just so that dogmas and traditions could be maintained. As with any revolution, those brave enough to stand up against the status quo had to face serious consequences including imprisonment. However, due to the courageous struggles of the suffragettes women today enjoy the kind of freedom that we now take for granted. We are made to believe that inequality between men and women is but a memory of the past. However, despite equality on the legal level, women today are still not as equal on a day to day basis. Sure, no one would deny that women are still struggling in countries such as India or the Congo, but are our societies – particularly the United States and Germany – really prime examples of female equality?

Source: http://static.guim.co.uk/sys-images/Guardian/Pix/pictures/2006/09/29/suffragettes_372.jpg

Jobs, income, and leadership

In the United States as well as in Germany, women in many cases still get paid less for the same work despite equal qualifications. Moreover, it is obvious that both genders are not represented equally when it comes to top politicians or managers. About 50 percent of all inhabitants are women – so why are they represented predominantly by men? There is no good reason to believe that women would be worse politicians – in fact, many evaluate the time in office of Germany’s chancellor Angela Merkel as very successful. In the United States, Hillary Clinton is a very respected and influential politician, to name only two. The same is probably true for management positions. With that being said, it goes beyond reason why women should get paid less for doing the same work. It is noteworthy that the lack of qualified employees is a very dominant topic in Germany due to demographic changes. Paradoxically, many (men) would prefer if women again fulfilled their status as housewives who stayed home and raised children. Millions of qualified employees are out of reach of the job market due to this train of thought. By nature, men are not able to give birth. However, why are we still telling our women that they should do so just because they can, jeopardizing their careers and aspirations? A decreasing population is not the end of the world even though we are taught that everything but growth is a disaster. However, tackling this fallacy is beyond the reach of this article.

Source: http://www.nytimes.com/imagepages/2012/09/29/opinion/coontz-gr2.html

Poverty

Women do not only have to face disadvantages on the job market but are also more likely to be poor, especially as a single parent. The obvious reason is that, as mentioned above, even if they work as hard as men, they will receive less pay. Another obvious reason is that in most cases children who are raised by a single parent grow up with their mothers who then rely on financial support from the father. Even though the law is clear regarding this obligation, there is a fine but crucial difference between the assumption of payment and actually paying. If the father is not able to finance his child, there is little the mother can do. If the father is unwilling to pay, many women are deterred by a court procedure and hence do not get what would be rightfully theirs. Another crucial problem is that single mothers who cannot afford or find  day care opportunity for their child cannot go to work full time and are thus at a higher risk of poverty.

 

Source: http://www.americanprogress.org/wp-content/uploads/issues/2008/10/img/women_poverty3.jpg

Health care and pregnancy

Especially in the United States being poor equals limited access to state of the art health care. Thus, women are not only more likely to be poor, but also less likely to receive the best health care possible. Also, what is usually forgotten is that a pregnancy can be very dangerous for women. We expect our women to give birth due to our unstoppable desire to reproduce and willfully deny that risks are involved:

“Last month a report by Save the Children suggested that America is one of the worst places to be a mother among rich countries, pointing to what it said were one of the highest maternal mortality rates and worst breastfeeding environments among developed countries.

According to World Health Organization statistics used in Save The Children’s 2012 Mother’s Index, the lifetime risk of a woman in the United States to die from a pregnancy-related or birth-related cause stands at 1 in 2,100. Only three other countries categorized as “more developed nations” by Save the Children, rank lower: Albania, Moldova and Russia.

“On most of the health indicators, whether it’s maternal mortality, child mortality or life expectancy, the U.S. does much worse than you would expect,” said Patrick Watt, global campaign and advocacy director for Save the Children. “The U.S. spends a lot on health as a percentage of G.D.P. but is very inefficient in translating that into health gains.”

Source: http://rendezvous.blogs.nytimes.com/2012/06/13/the-best-countries-to-be-a-woman-and-the-worst/

Sure, objectively those numbers are still not alarming, but if a drug caused equal damage it would be removed from the market. What is more, especially in the United States religious fundamentalists keep their “Pro Life” campaign going, deeming abortions as murder and sin. It should alarm us that certain people want to tell all women what they can and what they cannot do with their own body. Whether they like it or not, until the baby is born, it is the mother’s body – and her health. Nobody should have the right to forbid her to decide what is best for her.

Another source related to the United States says:

“The rate of severe complications during and after delivery have also doubled in the last decade, according to a 2012 federal study. Near-misses, where a woman nearly dies, increased by 27 percent.

That means each year in the U.S., about 700 women die of pregnancy-related complications and 52,000 experience emergencies such as acute renal failure, shock, respiratory distress, aneurysms and heart surgery. An additional 34,000 barely avoid death.”

Source: http://www.stltoday.com/news/local/metro/why-are-so-many-u-s-women-dying-during-childbirth/article_dd916b4b-38f0-5bae-ba42-ddee636e4cf4.html

According to the World Health Organization, the problem of maternal mortality is a massive one on a global scale:

Every minute, at least one woman dies from complications related to pregnancy or childbirth – that means 529 000 women a year. In addition, for every woman who dies in childbirth, around 20 more suffer injury, infection or disease – approximately 10 million women each year.

Source: http://www.who.int/features/qa/12/en/

Education

In many countries around the world, girls are either not allowed or not able to go to school, trapping them in a circle of poverty and dependence. In the United States as well as in Germany, no signs of unequal access to education are noticeable regarding high school or college. However, as with jobs, women make it rarely to the top. There are plenty of female teachers, but only very few run a school. Many women get their Masters or PhD, but most high-ranking professors are male. The Nobel Prize is usually awarded to men despite the good work that is performed by female scientists. Still, some families even tell their daughters that they should look for a man that is a good provider – instead of becoming a good provider herself. The price of sticking to these medieval dogmas is that many women – no matter how educated they are – live a life full of submissiveness. They could achieve much more but instead are pushed into being (or choose to be) second to their husbands. Only women in that situation can know what it feels like to be an intellectually superior slave. If the man is working and the woman stays home, nobody even cares. If it is the other way round, people get suspicious. Even today we are told that it is below a man’s dignity to be ranked lower than his wife income wise. This attitude should be considered as what it is: an insult to any educated, independent woman.

Politics

In addition to the aforementioned fact that most politicians are male, we must not forget that equal rights are a rather new achievement for our societies before we criticize other countries and customs. Less than a hundred years ago women in Germany as well as in the United States were not even allowed to vote. When Europe lay in ruins after World War I many men had fallen and didn’t return to their families. More importantly, the whole society had changed. Since most men had to serve and die for imperialistic megalomania, their women stayed at home, were forced to take over the economy and agriculture – and finally after years of war realized that they could do pretty much anything their husbands could. When the war was over and the remaining soldiers returned to their homes, they demanded obedience from their family as they had done in the past. But their wives had grown more confident for the right reasons. They had just experienced that they could be as valuable for the society as anyone else and therefore deserved the same rights and independence. Subsequently, in the years following World War I they achieved just that: in Germany as well as in the USA women were granted the right to vote, an achievement which fundamentally went against rusty dogmas and which cannot be understated. Women still had to deal with injustice and inequality for a few more decades – but a first crucial step was made. Unfortunately, the story was not the same for all women around the world. Again, we do not have to look very far to find exceptions. In Switzerland, a wealthy and well developed country, women gained the right to vote in 1971 proving that wealth doesn’t equal progressive politics (which is further visualized by rich states in the gulf region that lack equal rights completely).

Honor killings

As well as suicide bombings, honor killings are not justified by Islam for most believers. However, it seems to be obvious that a certain relationship exists. The murderers in this case might not rely on their religion for their acts, but the idea of female submissiveness and the maintenance of ancient traditions and codes of behavior might lead to the necessary mindset. For example, in Islam women are supposed to cover themselves. The justification is that men are weak and women have to avoid tempting them by all means, thus covering their beauty and all parts of the body that might be arousing. From an objective point of view, this dogma strengthens the male’s power over the female. The woman has to obey – if she doesn’t do so and a man would “make a mistake” by getting aroused, it wouldn’t even be his fault but hers. This mindset can be found in our societies as well. Some people tend to say that women who dress too revealingly make a mistake. As sick as it is, but if a woman is raped even our societies tell her that she could have avoided it. Even if she was passed out drunk, the mistake – and the crime – was committed by a man and was not her fault! In a free society like ours, it doesn’t matter what clothes she wore or if she was even naked. Raping someone is a despicable crime and trying to take even a bit of guilt away from the rapist is an obvious sign that we are still very far away from the status of true gender equality.

In Germany cases of honor killings are usually related to families with migratory backgrounds (for example Turks, Germany`s biggest minority). What usually happens is that brothers, fathers, or other male relatives strongly disagree with the lifestyle of a woman in the family. If she, as her relatives would call it, brings shame on the family – even though she is just doing what all other girls her age do for example having sex before marriage or even less –, the men might decide that the only way of restoring honor to the family would be to kill her. The job is usually done by close male relatives such as brothers. It is a shame that such things happen to begin with, but it seems to be even more of a shame that they happen in Germany or the United States. One would hope that a woman growing up in our countries would not have to fear making independent choices.

 

Rape

One of the most common situations where men try to force their dominance onto women in our societies, and the one that upsets me the most, is rape. Let’s get it straight boys. Rape is sex without mutual consent. It doesn’t mean that she has to cry for help, it doesn’t mean that she has to struggle; if she is passed out – no matter if you have something to do with it or not – it is rape! Now, by that definition, the United States is filled with rapist (and the same might be true for Germany). Why? Because statistics say that one out of four, or 25 percent, of all female college students have been raped. 1 out of 4! If you have 1,000 women at a college, that makes 250 victims on average! But there is more:

“60% of male college students “indicated some likelihood of raping or using force in certain circumstances.”

Men in fraternities appear to engage in more non-physical coercion and use of drugs and alcohol as a sexual strategy than do independents.

Every 21 hours there is another rape on an American college campus.

90% of all campus rapes occur under the influence of alcohol.

Men are more likely than women to assume that a woman who drinks alcohol on a date is a willing sex partner. 40% of men who think this way also believe it is acceptable to force sex on an intoxicated woman.

Alcohol use at the time of the attack was found to be one of the four strongest predictors of a college woman being raped.

43% of college men admit using coercive behavior to have sex, including ignoring a woman’s protest; using physical aggression; and forcing intercourse; 15% acknowledged they had committed acquaintance rape; 11% acknowledged using physical restraint to force a woman to have sex.

College rape victims receive external physical injuries in over 47% of all rapes.

Of the college women who are raped, only 25% describe it as rape.

Of the college women who are raped, only 10% report the rape.

College women are most vulnerable to rape during the first few weeks of the freshman and sophomore years.

One in twelve college-age men admit having fulfilled the prevailing definition of rape or attempted rape, yet virtually none of these men identify themselves as rapists.

34% of completed rapes and 45% of attempted rapes take place on campus. Almost 60% of the completed campus rapes that take place on campus occur in the victim’s residence, 31% occur in another residence, and 10% occur in a fraternity.

3/4 of off-campus rapes and 7/8 of on-campus rapes involved perpetrators who were known to the victims.

78% of the men identified (as rapists) were an acquaintance, friend or boyfriend of the victims.

Most rapes occur on the weekend.”

Source: http://www.crisisconnectioninc.org/sexualassault/college_campuses_and_rape.htm

Source: http://renegadechicks.com/wp-content/uploads/2013/05/its-not-rape.jpeg

What is wrong with us? Why aren’t we outraged by this? College life is only a snapshot of our society; it might be just as bad in other areas of our community. However, how many times a crime is committed tells you one thing about a society. How this crime is dealt with tells you even more. If 25 percent of all female college students are raped, are we facing thousands of rape trials? No, not even close! Sure, the problem is that it might be hard to prove the offense without witnesses. In addition, some women fake a rape (an offense just as despicable as actual rape since it undermines the credibility of true victims). However, what is most crucial regarding the topic and what should shame us all as part of this perverted society is the fact that most women do not even report being raped. Why? Because they are scared of how they would be treated in their community afterwards, if people called them a liar or a slut, if they claimed that it was their fault somehow, that they brought shame on their family, and so on. A good part of the girls and women of our nations are being raped – and we have nothing better to do than to belittle the problem. It couldn’t be more obvious that women are everything but equal. In a society dominated by men, crimes that are committed predominantly by men won’t be punished as harshly as necessary. Since most cases of rape are never investigated, the risk of getting caught is rather low. Under such circumstances, many men will continue to do what they are doing. I don’t know where they lost their dignity and empathy, but they obviously did. What we need is a culture of respect for the opposite gender, an honest and open relationship to our sexuality, and strong women, who will call a crime when it hits them instead of worrying about what others might think.

But maybe this culture of rape is just a recent outburst of our eroding values? I wish that were so, but I am pretty sure it is not – and I don’t believe that it will change anytime soon. Rape is as old as mankind and has been an accepted behavior in our societies for the longest time. Take a marriage for example. In the past men believed – and many still do today – that their wives duty was to be available for sex whenever he felt the desire. It didn’t matter if she was ready or not, but she couldn’t say no because if she did he might have forced or beat her. It cannot be measured how many cases of rape occurred under these circumstances (but the large number of offspring per family in the past – dangerous as it was for the women – hint to gigantic numbers). Sadly, in accordance to the law there was nothing that women could have done. In Germany, marital rape wasn’t a crime before 1997.

The situation in the USA was similar. In other words, a husband could rape his wife as many times as he wanted to – and didn’t even commit a crime:

“In United States researchers estimate that 10% to 14% of married women experience rape in marriage. When researchers examined the prevalence of different types of rape, they found that marital rape accounts for approximately 25% of all rapes. Despite the prevalence of marital rape, this problem has received relatively little attention from social scientists, practitioners, the criminal justice system, and larger society as a whole. In fact, it was not until the 1970s that the society began to acknowledge that rape in marriage could even occur. Till recently, the general rule was that a husband could not be convicted of the offence of raping his wife as he is entitled to have sexual intercourse with his wife, which is implied under the contract of marriage.”

Source: http://www.lawteacher.net/family-law/essays/marital-rape.php

Source: http://acelebrationofwomen.org/wp-content/uploads/2011/01/Stop-Rape.png

Freedom of marriage and divorce

It still seems to be true today that many women marry for status or wealth rather than for love. Hence, high divorce rates in our countries should come as no surprise. On the other hand, the increase of divorce rates can also be seen as a positive development. In the past, wives usually weren’t able to go that far even if their marriage was a living hell. Society would have ostracized them, they had no place to go, they would have left a whole bunch of children, and in many cases they wouldn’t have had money or a job due to their dependence on their husbands. Today, women are more independent and they have to fear fewer ramifications when getting divorced. However, in some cases their choice of a spouse is still not free but influenced by their parents or other relatives. On a larger scale, women are still stuck with old dogmas thanks to religion that teaches them to be an obedient wife and caring mother. It is so convenient and always has been: the husband doesn’t even have to try hard to fulfill their wife’s wishes and desires since she has to be obedient and faithful anyway. The worst kind of male dominance when it comes to weddings is of course arranged marriages which also happen in the United States. The Mormon way of life might not be in agreement with the law, but it is tolerated in certain areas. Young girls – many younger than 18 – are married to men that are much older and who have multiple wives. There you have it all: pedophilia, marital rape, polygamy, possible incest, and total disrespect for individual women. It doesn’t happen only in India, or in China, or in the Congo – it happens right here where we live.

Sex trafficking

Last but not least, another topic that should shame us to the bones is sex trafficking, especially with minors. Again, it is just too convenient to point fingers at other countries such as India that are known to have a high rate of sex trafficking, but the problem is a more universal one not far away from our doorsteps. Not only are many girls illegally “imported” to our countries for such purposes, but local women are affected alike. In Germany, prostitution is legal. However, that does not indicate that prostitutes choose freely to do what they are doing. There are many ways of coercion – or sheer desperation. Is there really no other way for men to deal with their sexual urges? And why are there so few male prostitutes? Again, it is women whose position is inferior to those of men.

Source: http://news.eastvillagers.org/wp-content/uploads/2010/10/straffick.jpg

Summary

Many men don’t think twice about how they are treating women. They will do whatever is necessary to build up trust even though their ultimate goal is nothing but exploitation. To name only one example, they want to get laid. If the chosen women get hurt emotionally or even physically, it doesn’t concern the men too much. On the other hand, however, if those men end up having a daughter themselves they would be outraged by such behavior regarding their little girl. This is an example of the omnipresent hypocrisy regarding women. We claim that they are treated equally and fairly, but when it comes down to it men will still try to oppress them. In this case, daddy’s little girl deserves protection and respect – when all other women do not.

Great strides have been made in our countries regarding gender equality but a lot of work still needs to be done. Education is key. We should be teaching our girls from a young age on that they never have to be second to men, that they can be independent, that they can become presidents, technicians, astronauts, scientists, CEOs etc. We have to end the still prominent notion that women are supposed to have children. They are worth no less if they decide – just like men – to choose a career over a stereotypical family or to free themselves from the burden of raising children. If you think about it, judging someone based on their reproductive success is as demeaning as it can get. Everyone is unique and deserves respect independent of the size of their families. Education is also important for boys in a way that we have to teach them to see girls as their equal and not baby making machines who are expected to give up their future to raise a family. Men can also become stay at home dads and that is just as rewarding and acceptable as a stay at home mom. Furthermore, mankind is struggling due to the ever increasing dilemma of overpopulation. The world doesn’t need more children, it needs less. Unless of course you rely on nationalistic or racist arguments claiming that Germans or Americans are better or more valuable people who are threatened by other groups. Humans have a serious problem with group mentality. We are but one species, one race. Neither gender nor ethnicity, religion or nationality, should matter when we look at ourselves as equals.

On our way towards fair societies we can start right here in our countries. Women deserve equal pay, equal respect and protection, equal trust, equal education, equal career chances, and so on. Most importantly, we have to eradicate the medieval dogma that women are inferior to men in any way. Only when justice is served shall we dare to mention again that women are truly equal.

Russland und die von uns geduldete Erosion der Menschenrechte


Es fällt uns nicht schwer,

mit dem Finger auf Regime im Ausland zu zeigen und zu beanstanden, dass es dort zu unakzeptablen Menschenrechtsverletzungen kommt. Welcher Deutsche unterstützt schon Syriens Machthaber Baschar al-Assad, der mit unerbittlicher Härte und Gewalt gegen das eigene Volk vorgeht? Viele werfen einen kritischen Blick auf die Volksrepublik China mit dem unguten Gefühl, dass Menschenrechte dort willkürlich von der zentralistischen Führung definiert und ausgelegt werden. Gerade bei vielen Konflikten in Afrika schüttelt unsereins häufig nur den Kopf über das offensichtliche Fehlverhalten von den Menschen, die an der Macht sind.

Die Macht des Verbrauchers

Wie ernst ist es uns aber mit unseren Gedanken zum Schutz humaner Rechte und Freiheiten? Gehen wir konsequent gegen diese Regime vor? Es ist zu befürchten, dass die Antwort „Nein“ ist. Sicher, ab und zu sprechen unsere Politiker die Menschenrechtsproblematik in entsprechenden Ländern an, aber solange wir die jeweiligen Machthaber durch unsere wirtschaftlichen Beziehungen finanzieren und stärken, wirken solche Hinweise bestenfalls geheuchelt. Warum sollte die Masse des Volkes auch etwas dagegen haben? Wir, die deutschen Verbraucher, profitieren von den Menschenrechtsverletzungen in anderen Ländern in Form von billiger Kleidung, elektronischen Geräten oder Rohstoffen. Wer es noch nicht gemerkt hat: in der freien Marktwirtschaft, in der wir leben, bestimmt die Nachfrage das Angebot. Der Verbraucher könnte ein Zeichen setzen und z.B. Kleidung, die so billig ist, dass sie in asiatischen Ländern höchstwahrscheinlich durch eine unwürdige Ausbeutung von Natur und Arbeitskraft entstanden ist, boykottieren. Mit jedem Einkaufen wählen wir und geben unsere Stimme ab. Sicher, fair trade, also gerechter Handel, bedeutet einen höheren Preis für uns als Verbraucher; aber sollte uns ein gerechter Umgang mit den Armen dieser Welt, die unseren Wohlstand auf ihren abgemagerten Schultern tragen, nicht zumindest ein klein wenig mehr wert sein? Wir lenken den Handel mit unseren Konsumentscheidungen – alles andere wäre eine feige Ausrede und Verleumdung der eigenen Verantwortung für globale Gerechtigkeit.

Stattdessen sorgen wir mit unserem Verbrauch dafür, dass viel Geld in Länder fließt, in denen es nicht den Menschen zu Gute kommt, die die Ware produziert haben, sondern stattdessen noch dazu beiträgt, die Schere zwischen arm und reich, zwischen gerecht und ungerecht rapide auseinanderzutreiben. Ganz davon abgesehen, dass wir uns darüber aufregen, dass Arbeitsplätze ins Ausland verlegt werden, diese Entwicklung durch den Kauf der ausländischen Produkte aber schließlich unterstützen. Leider würde ein konsequenter Boykott von Waren, die unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt werden, kurzfristig vor allem die treffen, die eh schon am schlechtesten dran sind. Doch viel wichtiger ist die Perspektive, der internationale Druck, der den Machthabern zeigen könnte: „So geht es nicht weiter – und alleine, also isoliert, werdet ihr nicht weit kommen!“

Quelle: http://www.exil-club.de/groups/menschenrechte/_hpgen_content1.htm

Ein Musterbeispiel für die staatlich gelenkte Erosion von Menschenrechten 

Gar nicht so weit entfernt von Deutschland liegt ein Land, im dem innerhalb von nur wenigen Monaten eine atemberaubende Erosion von Menschenrechten durch Regierungsbeschlüsse stattgefunden hat. Hinzu kommt, dass die Wiederwahl des Regierungschefs im März 2012 ohnehin nicht reibungslos ablief. Seitdem wurden in einigen Großstädten Gesetze erlassen, nach denen Homosexuelle, die ihre Orientierung in der Öffentlichkeit nicht verstecken, eingesperrt werden dürfen; es wurden Gesetze erlassen, nach denen Internetseiten ohne Begründung gesperrt und so zensiert werden können; Oppositionelle sollen eingeschüchtert werden, in dem ihre Häuser willkürlich durchsucht und in dem sie bei Demonstrationen festgenommen und mit immensen Geldstrafen belegt werden dürfen; und schließlich wurde veranlasst, dass ausländische Nicht-Regierungsorganisationen den Status eines ausländischen Agenten bekommen und dementsprechend in ihrem Handeln eingeschränkt werden. Kurzum, eine besorgniserregende Entwicklung hin zu einem Polizeistaat, die wir so nicht akzeptieren und gegen die unsere Politiker deutlich Stellung beziehen sollten. Ginge es um einen kleinen, unbedeutenden Staat, dann wäre wohl auch schon einiges in dieser Richtung passiert.

Die Macht der Wirtschaft

Doch es geht eben nicht nur um irgendeinen Staat, sondern um die riesige Russische Föderation, einen der wichtigsten Handelspartner Deutschlands. Vor allem bei fossilen Brennstoffen wie Gas oder Erdöl steht die Bundesrepublik in großer Abhängigkeit von dem Land, dass unter der eisernen Herrschaft von Waldimir Putin eine bedenkliche Wandlung durchläuft. Würde er die Gashähne schließen, blieben bei uns viele Wohnungen kalt. Keine gute Voraussetzung für einen kritischen Diskurs und ein weiterer guter Grund dafür, die hiesige Energiewende voranzutreiben, hin zur Unabhängigkeit von Brennstoffimporten. Würde der Michel dem Iwan bezüglich der Menschenrechtssituation nämlich zu stark auf die Finger klopfen, könnte letzterer dem Mahner einfach die Hände einfrieren lassen.

Putin begrüßt Merkel im Malachitfoyer.

Quelle: http://www.bundeskanzlerin.de/Content/DE/Reiseberichte/2012-11-16-dt-rus-konsultationen.html

Fragwürdige Wahlen und kriminelle Homosexualität 

Was genau ist also in Russland passiert? Begonnen hat in diesem Jahr alles damit, dass Putin nach seiner Zeit als Ministerpräsident erneut für das Amt des Präsidenten kandidierte – und gewann. Überschattet wurde die Wahl durch Berichte der internationalen Beobachter der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa), nach denen die Wahl nicht fair abgelaufen und durch viele Unregelmäßigkeiten gekennzeichnet war. Einen Vorgeschmack auf Putins dritte Amtszeit gab es direkt im Anschluss: als Tausende Menschen gegen den ihrer Meinung nach ungerechten Ausgang der Wahl demonstrierten, kam es zu mehreren Festnahmen. Bereits kurz zuvor wurde u.a. in einer der größten Städte Russlands, St. Petersburg, ein Gesetz verabschiedet, das eine bestimmte Bevölkerungsgruppe mit den Ansichten längst überstanden geglaubter Epochen wieder diskriminiert. Es gilt nun als gesetzeswidrig, in der Öffentlichkeit zu seiner Homosexualität zu stehen. Hält man als Mann liebevoll die Hand seines Partners, kann man nun also genauso in Gewahrsam genommen werden wie jemand, der in der Öffentlichkeit ein Plakat trägt auf dem steht, dass Homosexualität keine Krankheit ist. Die zynische Begründung für das Gesetz, hinter dem u.a. die erstarkende orthodoxe Kirche steht: man wolle die Kinder schützen. Seitdem wird Homosexualität in einem Atemzug mit Pädophilie genannt. Was das Ganze noch schlimmer macht: seit einiger Zeit liegt der Duma ein Gesetzesentwurf für das ganze Land vor. Man muss also befürchten, dass die Diskriminierung von Schwulen und Lesben noch zunehmen wird. Eine Tendenz übrigens, die es schon lange gibt. Während des Eurovison Song Contests in Moskau 2009 wollten Homosexuelle bereits auf ihre Situation aufmerksam machen. Die Demonstration wurde gewaltsam aufgelöst – die Welt sah weg. The show must go on!

Sprechen über Homosexualität wird in Russland bestraft

Quelle: http://www.welt.de/politik/ausland/article106135168/Russland-will-Reden-ueber-Homosexualitaet-bestrafen.html

Oppositionelle – die Feinde im eigenen Land 

Doch nicht nur die Homosexuellen, sondern vor allem die Oppositionellen, also grob gesagt alle Andersdenkenden, sind der nach absoluter Macht strebenden russischen Regierung ein Dorn im Auge. Ein Ziel ist dabei u.a. die Einschränkung der Pressefreiheit. Nicht nur seit der Ermordung der investigativen und regierungskritischen Journalisten Anna Politkowskaja 2006 ist bekannt, dass eine Berichterstattung, die nicht den Wünschen der Machthaber entspricht, eine Gefahr für das eigene Wohl darstellen kann. Dabei scheint ins Bild zu passen, dass der nun verurteilte Polizist, der gestand, den Mord an der Journalistin organisiert zu haben, wahrscheinlich nur ein Bauernopfer ist – und dass die wahren Hintergründe nie aufgeklärt werden.

Doch selbst wenn der Mord nicht auf die russische Regierung zurückzuführen ist, hat sich diese nun weitere Grundlagen dafür geschaffen, unangenehme Seiten im Internet einfach zu sperren. Ein Anliegen, das sie gerne auch international durchgesetzt hätte, damit aber kürzlich scheiterte.

Grafik: Pressefreiheit in Gefahr

Quelle: http://www.ekd.de/kirche-und-sport/olympia/menschenrechte_china.html

Ein weiterer Schritt hin zum Polizeistaat waren schließlich die vielen Gesetzesverschärfungen bezüglich der Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit. Weil es zu viele Unmutsbekundungen des Volkes in Form von Demonstrationen gab, sollen die Andersdenkenden nun mit allen Mitteln eingeschüchtert werden. Hausdurchsuchungen, hohe Geldstrafen, Festnahmen – viel Macht und Willkür für die Staatsorgane bei wenigen Rechtfertigungen und dem gleichzeitigen Ignorieren demokratischer Prinzipien.

Dass außerdem auch noch internationale Nicht-Regierungsorganisationen nun als ausländische Agenten eingestuft werden, ist dabei kaum mehr als eine makabere Randnotiz. Einen ausführlichen Bericht von Amnesty International über die Menschenrechtssituation in Russland im Jahr 2012 findet man hier.

Die Menschenrechte leiden – und was machen wir?

Genießt die Erosion der Menschenrechte in Russland also die Verachtung, die sie verdient? Wohl kaum, denn immer wieder sind neben Wirtschafts- auch Regierungsvertreter auf dem Weg nach Moskau, um die Klinken des Kreml blank zu putzen in der Hoffnung, den ein oder anderen Auftrag an Land zu ziehen. Es ist richtig, dass dieses Verhalten dazu beiträgt, das Wachstum in Deutschland zu sichern. Niemand sollte dabei aber vergessen, dass wir über die Handelsbeziehungen die Regierung stärken und somit indirekt an der Menschenrechtssituation in Russland beteiligt sind. Man kann sich keinen Hamburger in den Mund stopfen und auf den Schlachter zeigen, der böse genug ist, arme Tiere zu töten. Der Konsument ist der Mörder – ob er möchte oder nicht. Natürlich ist das Verhältnis zu Russland nicht das einzige Beispiel unserer Heuchelei, sondern eben eines, das in nur einem Jahr an Bedeutung gewonnen hat. Wir haben die – im Lichte des weltweiten Standards – nicht selbstverständlichen Rechte, auf die Straße zu gehen und für eine bestimmte Sache zu demonstrieren, ohne Angst haben zu müssen, eingesperrt oder angegriffen zu werden. Warum wir dennoch so wenig tun, um für unsere unterdrückten Brüder und Schwestern im weltweit einzustehen, muss jeder für sich selbst beantworten.

Man stelle sich einmal vor, dass sich die Situation eines Tages drastisch ändert und wir Deutschen mehr oder weniger hilflos einem Abbau unserer Rechte und Freiheiten ausgesetzt wären. Was würden wir davon halten, wenn unsere oppositionellen Bewegungen im Keim erstickt würden, da unsere Regierung zumindest wirtschaftlich durch seine internationalen Beziehungen bestens finanziert wird? Würden wir uns nicht genauso wie jetzt z.B. das syrische Volk wünschen, dass der Rest der Welt eingreift oder zumindest klar Stellung bezieht? Es ist geradezu zynisch, dass ausgerechnet Russland eine striktere Intervention gegen Assad blockiert. Ist dem ehemaligen Zarenreich vielleicht bewusst, dass es ähnliche Menschenrechtsverletzungen begeht und irgendwann selbst stärker in den Fokus der Weltöffentlichkeit rücken könnte? Man mag von Menschenrechtsverletzungen in aller Welt halten, was man will. Eines sollte man auf jeden Fall nicht tun: in der globalisierten und eng vernetzten Welt behaupten, dass man selbst nichts damit zu tun hätte. Wir bedienen uns gerne am russischen Gas und nehmen es als selbstverständlich hin. Doch während wir es mollig warm haben, werden im Erzeugerland die Menschenrechte auf Eis gelegt. Ein Beispiel von vielen, bei dem wir nur unseren eigenen Vorteil im Sinn haben und in arroganter Manier auf die Fehler anderer hinweisen, während wir jegliche Schuld von uns weisen. Wir neigen dabei dazu zu vergessen, dass das Versagen des Menschenrechtsschutzes weltweit auch ein Versagen unserer Bereitschaft ist zu akzeptieren, dass wir für unseren Konsum und die damit verbundenen Folgen selbst verantwortlich sind.

Die männliche Beschneidung – harmloser religiöser Eingriff oder Verstoß gegen das Recht der persönlichen Unversehrtheit?


Ich bin nicht gerade das,

was man einen aufrechten Patrioten nennt. Viel zu viele Dinge stören mich im Land meiner Geburt als das ich aufrichtig behaupten könnte, stolz darauf zu sein, die deutsche Staatsbürgerschaft mein eigen zu nennen. Warum singen wir immer noch die gleiche Nationalhymne, die in unserer schwärzesten Stunde Identitätssymbol von Hitler und seinen Schergen war? Warum trifft man in diesem Land, das zu den reichsten der Welt gehört, immer wieder auf Menschen, die sich ihr Leben schlecht reden und aus dem Jammern und Meckern nicht mehr heraus kommen? Warum macht dieser, unser Staat so viele fragwürdige Geschäfte mit Partnern, die sich einen Dreck um Menschenrechte scheren? Nein, liebes Deutschland, so richtig lieben kann ich dich nicht immer – aber es gibt Hoffnung! Große Hoffnung sogar; denn ein Gerichtsurteil, das in der letzten Woche in Köln gefällt wurde und das endlich, endlich den Menschen als das selbstbestimmende und unabhängige Individuum sieht, das er sein sollte, hatte mich in einem euphorischen Moment ob der seltenen, aber umso gerechteren Rechtssprechung fast zu dem spontanen Ausruf bewegt: „Ja Deutschland, so geht’s. So kann auch ich einmal stolz auf dich sein!“

Das Grundgesetz

Was war passiert? Um die ganze Tragweite und Bedeutung dieses Urteils, auf das ich später eingehen werde, zu erfassen, muss ich ein wenig ausholen. In vielen Gebieten dieser Welt spielt die Religion – egal welche – eine entscheidende Rolle im Alltagsverhalten der betreffenden Menschen. Auch in Deutschland sichert der vierte Artikel des Grundgesetzes allen Bürgern aus gutem Grund die Freiheit ihres Glaubens und ihrer Religion zu. Natürlich greift dieses Recht aber nur dann, wenn elementare Rechte eines anderen Bürgers nicht grundlegend verletzt werden. Der erste Absatz des zweiten Artikels des Grundgesetzes besagt: „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.“ Und weiter in Absatz 2: „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.“ Auch wenn die meisten Bürger im Einzelnen vielleicht nicht genau wissen, wo im Grundgesetz diese Rechte festgeschrieben sind, so ist ihnen dennoch bewusst, dass es diese Rechte gibt. Was aber, wenn sich zwei Grundgesetze gegenüberstehen, wenn man z.B. zwischen der Religionsfreiheit und dem Recht auf Unversehrtheit abwägen muss?

Beispiele für religiöse oder kulturelle Traditionen und Verhaltensweisen, bei denen Menschen zu Schaden kommen

Es ist gar nicht einmal so lange her – gut 36 Jahre nämlich – als Anneliese Michel im bayerischen Klingenberg an den Folgen einer akuten Unterernährung starb. Besondere Bedeutung erlangte der Fall der jungen Studentin, da er wahrscheinlichen den letzten dokumentierten Fall von Exorzismus in Deutschland darstellt, der zum Tode geführt hat (auch wenn es heute noch Exorzisten gibt). Bei dieser Jahrhunderte alten religiösen Tradition versuchen Priester, Dämonen auszutreiben – mit teilweise gravierenden Methoden. Das merkwürdige Verhalten der „Besessenen“ wird heute mit psychischen Störungen und Gehirnschäden erklärt. Die medizinische Behandlung Michels wurde nach dem Auftreten ihrer Anomalien aber nicht durch normale Ärzte fortgesetzt, sondern durch die Methoden katholischer Priester abgelöst. Auch wenn die Berichte zu ihrem Fall nicht eindeutig sind, scheint sie an den Folgen der fehlenden medizinischen Betreuung verstorben zu sein. Sicherlich wird es nicht das Ziel der Priester gewesen sein, Michel in den Tod zu treiben – auf Grund fahrlässiger Tötung durch Unterlassung wurden sie dennoch rechtskräftig verurteilt. Auch wenn ihnen religiöses Recht den Rücken stärkte, verstießen sie gegen gültiges säkulares Recht. Gibt es heutzutage noch ernsthaft Diskussionen darüber, ob die Schäden, die eine Person durch Exorzismen erfährt, rechtswidrig sind oder nicht?

Bei den Mormonen, einer von den Vereinigten Staaten ausgehenden christlichen Splittergruppe, ist die Verheiratung eines Mannes mit mehreren Frauen heiliges Recht. Nicht ungewöhnlich ist es dabei, dass auch Minderjährige mit sehr viel älteren Männern vermählt und anschließend zum Geschlechtsverkehr genötigt werden, was einer Vergewaltigung und Pädophilie gleichkommt. Sollte der Schutz des Kindes im Vordergrund stehen? Oder das religiöse Recht des Mannes, Geschlechtsverkehr mit Minderjährigen zu haben?

In Deutschland gelangen sogenannte „Ehrenmorde“ ab und zu in den öffentlichen Fokus. Bei dieser oft durch männliche Muslime durchgeführten Praxis geht es darum, dass ein Familienmitglied oder eine Bekannte (meist weiblich), das/die nach subjektivem Empfinden der Ehre der Familie geschadet hat, ermordet wird, wodurch die Ehre der Familie wiederhergestellt wird. Viele Täter beziehen sich dabei auf das heilige Recht der Scharia – auch wenn die Verbindung zwischen der Scharia und Ehrenmorden umstritten ist. Für die Gesetzgebung spielt das ohnehin keine Rolle. Ein solches Verbrechen wird als Mord geahndet und dementsprechend bestraft. Müssen sich Muslime dadurch in ihrer Religions- und Handlungsfreiheit beschnitten fühlen?

Wenn in manchen Gesellschaften dieser Welt kleinen Mädchen die Klitoris und die Schamlippen in einer haarsträubenden Operation abgeschnitten werden, regt sich bei den meisten Menschen hierzulande massiver Wiederstand. Tatsächlich werden laut UNICEF jährlich drei Millionen Mädchen an ihren Genitalien beschnitten – das macht etwa 8.000 pro Tag! Dabei tritt dieses Ritual nicht nur in den afrikanischen Ländern auf, sondern auch in den Industrienationen bei entsprechenden Migranten. Die Folgen: ein oft lebenslanges Leiden für betroffene Frauen und der Verlust sexueller Empfindungen. Die Frau wird auf das reduziert, was sie laut urtümlichen Doktrinen sein soll: eine gehörige Sklavin für den Mann, dem sie Kinder gebärt und aufzieht. Die Verstümmelung weiblicher Geschlechtsorgane ist in Deutschland verboten, obwohl sie zumindest in manchen Fällen religiös motiviert ist. Wird dadurch die Religionsfreiheit unangemessen eingeschränkt?

Quelle: http://www.middle-east-info.org/gateway/genocide/index.htm

Welches Recht wiegt schwerer?

Bei den genannten Beispielen würden außer religiösen Fundamentalisten wohl die Meisten darin übereinstimmen, dass das Recht zur Ausübung auf mittelalterlichen Dogmen basierender Rituale nicht vor den Persönlichkeitsrechten der eventuell geschädigten Person steht. Geradezu pervers ist es, ein kleines, hilfloses Kind in irgendeiner Form körperlich zu beeinträchtigen – egal ob im Namen der Religion oder nicht. Ob ein Mensch sich aus religiösen Motiven heraus einem medizinischen Eingriff unterziehen möchte oder nicht sollte ihm allein überlassen sein. Alles andere würde gegen das Recht auf körperliche Unversehrtheit verstoßen.

Genauso sah es also auch das Landgericht in Köln. Ein vierjähriger Sohn muslimischer Eltern wurde in einem hiesigen Krankenhaus beschnitten. Zwei Tage nach der Operation kam es zu starken Nachblutungen, wodurch das Kind in die Notaufnahme eingeliefert werden musste. Daraufhin wurden Ermittlungen gegen den behandelnden Arzt aufgenommen. Ein Verschulden an den Komplikationen konnte ihm aber nicht nachgewiesen werden. Außerdem wurde er nicht bestraft, da bis dahin Beschneidungen auf Grund einer Gesetzeslücke nicht verboten waren. Das Kölner Landgericht urteilte nun, dass das Recht auf Unversehrtheit des Individuums vor dem Recht auf Ausübung der Religion der Eltern steht. Eine entsprechende Gesetzesänderung wäre nun der logische nächste Schritt. Bei medizinischen Gründen bleibt eine Beschneidung natürlich weiterhin straffrei.

Fast schon hatte ich den Glauben an die säkularen Grundfesten unseres Staates verloren, wenn selbst die regierende Partei „Christlich“ in ihrem Namen trägt und so die Maxime der Trennung von Staat und Kirche – gelinde gesagt – in Frage stellt. Immer wieder äußern sich sogenannte Ethiker, die moralische Unabhängigkeit propagieren, aber doch durch ihre Konfession voreingenommen sind, zu brisanten Themen. Wenig überraschend war es daher auch, dass das Kölner Urteil einen Sturm der Entrüstung unter Juden, Muslimen und Christen gleichermaßen (eigentlich schön, dass sich alle doch mal einig sein können) auslöste. Haben die Religionsvertreter gute Gründe für ihre Entrüstung?

Das Verbot der Beschneidungen bei Kindern schränkt die Religionsfreiheit ein

Falsch. Das Kölner Urteil verbietet die Beschneidung nicht. Jeder Erwachsene kann frei entscheiden, ob er sich beschneiden lassen möchte oder nicht. Es geht darum, dass einem hilflosen Kind keine Körperverletzung zugefügt werden darf, denn genau das ist es – eine unnötige Körperverletzung. Wer dem widerspricht, der sollte sich mit den gesundheitlichen Folgen einiger Fälle, die bis zum Tod führen können, befassen.

Beschneidungen kann man so nicht verhindern

Ein klassisches Totschlagargument. Man sollte eine Menschenrechtsverletzung, die man nicht komplett verhindern kann, also gar nicht erst verbieten? Warum steht dann Mord, Vergewaltigung und Diebstahl überhaupt unter Strafe? Es passiert ja trotzdem. Sollte man die Strafen dafür also aufheben? Ob man ein Unrecht komplett beseitigen kann oder nicht kann für das Ächten dieses Fehlverhaltens keine Rolle spielen.

Es handelt sich um Jahrtausende alte Rituale, die untrennbar mit bestimmten Religionen verbunden sind

Ah, was lange währt MUSS gut sein! Ist es nicht auch so, dass Frauen Jahrtausende lang unterdrückt wurden? Sollten wir ihnen das Wahlrecht und das Recht auf freie Entfaltung und Gleichberechtigung also wieder entziehen? Der Mensch verändert sich und entwickelt sich und seine Kultur weiter. Wir haben keine Angst mehr vor Hexen und schicken Menschen nicht mehr Inquisitoren auf den Leib, wenn sie anders denken als wir. Ich glaube, dass es sehr kontraproduktiv ist, zu sehr in der Vergangenheit zu leben.

Hinzu kommt die Frage, in wie fern eine Bescheidung überhaupt Gottes Wille sein kann. Wenn er tatsächlich möchte, dass den kleinen Jungen die Vorhaut entfernt wird, warum hat er sie ihnen dann überhaupt gegeben? Um durch die Leiden des Kindes dessen Glauben zu testen? Ein solcher Kult von Strafe und Opfern scheint mir höchst fragwürdig…

Die Beschneidung ist ein unwesentlicher Eingriff mit geringen Risiken

Fangen wir erst einmal mit der Frage an, wo die Grenze gezogen werden soll: eine solche „kleine“ Verstümmelung ist also ok – was kann dann außerdem noch im Namen der Religion gut geheißen werden? Weibliche Verstümmelungen? Ehrenmorde? Exorzismen? „Dass kann man überhaupt nicht miteinander vergleichen!“ ist daraufhin eine beliebte Ausrede. Aber warum nicht? Der Unterschied ist kein grundsätzlicher, sondern ein gradueller, oder nicht? Übrigens (auch wenn es mit Religion nichts zu tun hat): ich bin auch dagegen, einem Kind ein Ohrloch zu stechen – aber das Abscheiden eines gut durchbluteten und hochsensiblen Körperteils wie der männlichen Vorhaut ist ein ganz anderes Kaliber (für alle, die Beschneidungen vereinfachend mit Ohrlöchern gleichsetzen).

Grundsätzlich gilt: jeder medizinische Eingriff birgt gewisse Risiken. Auch bei männlichen Beschneidungen kann es zu Todesfällen kommen. Wie viele es genau sind, kann man schlecht sagen, da in den Statistiken nicht die Ursache der Komplikation, sondern nur die Folge erwähnt wird. Man spricht also nicht vom „Tod durch Beschneidung“, sondern von Todesfällen durch die Folgen der Beschneidungen, zu denen Verblutungen, Infektionen, chirurgische Unfälle u.a. gehören. Außerdem können nach der Operation Harnverhaltungen, Verwachsungen und Hautbrücken, meatale Komplikationen, Harntraktinfektionen, Phimosen, Keloidbildungen, Durchblutungsstörungen u.a. medizinische Probleme auftreten.

Was so gut wie nie erwähnt wird ist, dass das sexuelle Empfinden eines Mannes durch eine Beschneidung beträchtlich eingeschränkt werden kann, da Teile der sensibelsten und empfindlichsten Areale entfernt werden. Ein beschnitter Mann kann natürlich trotzdem sagen: „Ich habe Spaß beim Sex!“ Wie sollte er aber auch wissen, ob seine Empfindung intensiver wäre, wenn er doch nie Sex mit einer Vorhaut gehabt hat?

Ebenfalls wird selten erwähnt, dass Beschneidungen auch psychologische Auswirkungen haben können, die hier nicht ausführlich behandelt werden sollen, am Ende dieses Beitrags aber in der angegeben Quelle nachgelesen werden können.

Nicht vergessen sollte man schließlich den immensen Schmerz und die Belastung, die man einem hilflosen Kind bei einer solchen Operation zumutet.

Die Beschneidung hat gesundheitliche Vorteile

Oft wird bei diesem Argument erwähnt, dass beschnittene Männer seltener Geschlechtskrankheiten übertragen. Nach dieser Logik sollte Abstinenz aber noch eher propagiert werden. Schließlich liegt die Übertragung von Geschlechtskrankheiten dabei bei Null. Würde es nicht viel mehr Sinn machen, einen verantwortungsbewussten Umgang beim Geschlechtsverkehr zu vermitteln? Die Argumentation, dass beschnittene Männer weniger Geschlechtskrankheiten übertragen, könnte sonst nämlich dazu führen, dass die Sorgfalt bei der Verhütung und bei der Wahl der Geschlechtspartner nachlässt. AIDS hat man heutzutage mit den entsprechenden Medikamenten ja auch schon ganz gut im Griff – aber sollte man wirklich Lotterie spielen oder nicht vielleicht doch bei der Verhütung darauf achten, dass es nie soweit kommt? Vergleichen lässt sich diese Logik mit den Teenager-Schwangerschaften in den Vereinigten Staaten. Die christlich-konservative Methode, Abstinenz vor der Ehe als einziges wirksames Mittel gegen Schwangerschaften und Geschlechtskrankheiten zu propagieren sowie die Stigmatisierung des Geschlechtsakts haben womöglich maßgeblichen Anteil daran, dass so viele schlecht informierte Teenager schwanger werden. Vergleichbar damit kann die Behauptung, eine Beschneidung schütze vor sexuell übertragbaren Krankheiten dazu führen, dass viele schlecht informierte Menschen die Verhütung vernachlässigen und gerade dadurch das Risiko einer Krankheit erhöhen.

Desweiteren wird oft der Vorzug einer gesteigerten Hygiene eines beschnittenen Penis erwähnt, da sich dabei keine Urin- und Spermareste unter der Vorhaut ansammeln können. Ist es wirklich so schwer einem unbeschnittenen Jungen beizubringen, seine Eichel beim Duschen ordentlich zu säubern? Oder scheitert es daran, dass man nicht offen über diese Dinge reden kann oder möchte? Soll der Sohn auf Grund der sexuellen Verkrampftheit der Eltern verstümmelt werden?

Die Entscheidung des Kindes wird nicht beeinflusst, da es später seine Religion selbst noch aussuchen kann

Klar, das Kind ist in seiner Meinung dann so frei wie ein israelisches Kind, dem von Geburt an ein Hass auf Palästinenser eingetrichtert wurde. An sich stellt diese Problematik die Indoktrinierung von Kindern im Allgemeinen in Frage – aber das würde hier zu weit führen. Fakt ist: wenn ein Junge später die Beschneidung gerne rückgängig machen würde, kann er dies nicht tun, weil es sich dabei eben um einen irreversiblen Eingriff handelt. Wo also bleibt die freie Entscheidung des Kindes?

Das Verbot macht religiöses Leben in Deutschland für manche Gruppen praktisch unmöglich

Stimmt teilweise. Wer z.B. die Scharia dem Grundgesetz überordnen möchte, der wird in Deutschland nicht so richtig glücklich werden. Ist das etwa schlecht? Es gibt viele Muslime und Anhänger anderer Religionen, welche dass deutsche Grundgesetz akzeptieren und trotzdem ihre Religion ausüben. Es gilt eben der Grundsatz: was man ausschließlich für oder mit sich selbst macht, geht niemanden etwas an. Sobald aber andere betroffen sind und zu Schaden kommen könnten, brauchen wir eine objektive Grundlage, die das Zusammenleben ermöglicht. Wenn nun also Menschenrechte, die die Unabhängigkeit EINES Menschen betreffen, per Gesetz geschützt werden, dann sollten wir das als Erfolg feiern – anstatt religiösen Kritikern nachzugeben.

Wie geht es nun weiter?

Es gibt so viele verschiedenen Religionen mit ihren eigenen Ritualen und Dogmen – welche sollte uns als objektive Grundlage für das Zusammenleben dienen? Nur eine säkulare Rechtssprechung kann die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz garantieren. Umso wichtiger ist daher das Kölner Urteil, da es schadhafte Rituale an hilf- und wehrlosen Kindern unter Strafe stellt. Der Mut der Richter bleibt ob des vorprogrammierten Proteststurms umso bewundernswerter. Deutschland ist ein säkulares Land, das sich nicht von religiösen Lobbyisten einschüchtern lassen sollte.

Gewonnen ist bisher jedoch noch gar nichts. Gut möglich, dass ein möglicher Gesetzesentwurf dem Kölner Urteil widerspricht und Körperverletzungen an Schutzbedürftigen weiterhin Tür und Tor öffnet. Ein wenig Hoffnung bleibt jedoch. Vielleicht sehen unsere obersten Gesetzeshüter ja ein, dass das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung wichtiger ist als die Ausübung angestaubter Rituale. Wenn nicht, dann dürfen sich unsere Gerichte auf eine Welle von Einsprüchen gegen Verurteilungen vorbereiten, die gegen religiös motivierte Straftaten verhängt wurden.

Eine sehr informative Seite zum Thema männliche Beschneidungen (von der auch dieses Bild stammt) findet sich unter dem folgenden Link:

http://www.beschneidung-von-jungen.de/home/maennliche-beschneidung.html

Als Auszug daraus schon einmal die Begründung, warum die weibliche und die männliche Beschneidung durchaus miteinander vergleichbar sind, obwohl dies von Befürwortern der männlichen Beschneidung oft abgelehnt wird:

  • Beschneidung geschieht aus kultureller, religiöser oder traditioneller Motivation heraus
  • Beschneidung geschieht fast immer ohne medizinische Notwendigkeit (Phimose ist noch lange kein Grund zum Entfernen der Vorhaut oder Teilen davon.)
  • Beschneidung geschieht fast immer ohne Einwilligung des Betroffenen
  • Beschneidung bedeutet, selbst im Falle einer mäßigen Beschneidung eines Jungen oder einer begrenzten Beschneidung eines Mädchens nach der Sunna, einen irreversiblen Eingriff
  • Auch die möglichen Komplikationen, die kurz nach dem Eingriff eintreten können, sowie die möglichen längerfristigen Folgen der Zirkumzision, stellen eine körperliche und psychische Beeinträchtigung dar und sind ebenfalls geschlechterübergreifend vergleichbar

 

Hier noch ein Link zu einem Artikel, der sich sehr ausführlich mit den Mythen rund um die Beschneidung befasst:

http://bloganddiscussion.com/argumentevonfemastasen/1370/maennliche-beschneidung-vs-weibliche-beschneidung/

Die Moorsoldaten


Die jüngsten Ereignisse haben mich dazu veranlasst, ein Gedicht von mir hochzuladen, das ich vor ein paar Jahren geschrieben habe. Es ist ein Plädoyer für die Zensur! Dafür? Das klingt ungewöhnlich. Nun, es geht um die Kräfte, die unsere Demokratie, Freiheit und Sicherheit gefährden. Terroristische Organisationen abzustrafen ist eine Zensur und rechtsradikale Parteien zu verbieten ist nicht ohne weiteres möglich, da das deutsche Grundgesetz allen die gleiche Meinungsfreiheit gewährt. Sollte die Meinungsfreiheit also eingeschränkt werden? Ich meine ja, da kein ideologischer Hetzer, der anderen Schaden zufügen möchte, eine Bühne und damit Aufmerksamkeit bekommen sollte. Erst brennen Bücher, dann Menschen – dass sollte man in Deutschland gelernt haben. Es ist auch in sich selbst paradox, dass jemand die Freiheiten der Demokratie nutzt, um gegen eben diese Staatsform zu propagieren. Was mich persönlich bei der plötzlichen Besorgnis um rechte Gewalt stört ist die Tatsache, dass sie schon immer existiert hat und des Öfteren totgeschwiegen wurde. Vielleicht liegt es ja daran, dass Mitarbeiter des Verfassungsschutzes auch Mitglieder der NPD sind oder waren. Schließlich war daran das letzte Parteiverbotsverfahren gescheitert. Dem braunen Gedankengut wurde in Deutschland nie komplett der Boden entzogen und selbst heute, in Zeiten des Fachkräftemangels, muss man sich von Deutschen, die in ihrem Leben nichts geleistet haben, anhören, dass die Ausländer uns die Arbeit wegnehmen und Deutschland schaden würden. Das Ironische daran ist, dass niemand Deutschland so dauerhaft geschadet hat wie der faschistische Wirrkopf, der jetzt von den gewaltbereiten Schergen angehimmelt wird: Adolf Hitler. Es braucht heutzutage nicht den Mut der Mitglieder der Weißen Rose, um zu verhindern, dass verachtungswürdige Ideologien wieder an Macht gewinnen. Einzig aufstehen muss man – und seinen Mund aufmachen.

 

 

Die Moorsoldaten

Wohin auch das Auge blicket

Moor und Heide nur ringsum.

Vogelsang uns nicht erquicket.

Eichen stehen kahl und krumm.

Stille Zeugen einer schlimmen Zeit,

welche entgingen dem grausamen Morden,

wurden vor vielen Jahren vom Joch befreit,

und sind doch von uns vergessen worden.

Wer nie die Angst vorm Krieg erlebt, weiß den Frieden nicht recht zu schätzen.

Wer nie Unschuldige sterben sah, hat weniger Scham, die Messer erneut zu wetzen.

Wer nie Gedanken sich gemacht, dass er allein verantwortlich ist für sein Versagen.

Wem nie bewusst wurde, dass er Teil von den Bösen ist, die andere plagen.

Kurzum, wer nicht in der Lage ist, aus der Vergangenheit zu lernen,

der wird an Menschlichkeit scheitern; und zum Abschaum unserer Gesellschaft werden.

Hier in dieser öden Heide

Ist das Lager aufgebaut.

Wo wir fern von jeder Freude

Hinter Stacheldraht verstaut.

Nicht viele genießen die Freiheit ihrer Existenz.

Dankbarkeit und Güte wird zu selten gelebt.

Die Lehren und das Leid anderer bestimmen nicht unsere Präferenz,

weil es nicht auf den Titelseiten unserer Zeitungen steht.

Auf die Straßen, in die Herzen,

muss die Nachricht, muss der Sinn;

dass ein Weg voll Leid und Schmerzen,

zum Untergang uns führt nur hin.

Frieden ist nicht Gottes Gabe.

Freiheit ist kein heilig Kind.

Liebe schenken und nicht Plage

ist, wonach es mir am meisten sinnt.

Morgens ziehen die Kolonnen

durch das Moor zur Arbeit hin.

Graben bei dem Brand der Sonne.

Doch zur Heimat steht der Sinn.

Gebrandmarkt hatten wir eine ganze Generation,

beschuldigt, verurteilt und ermahnt.

Umso stärker schmerzen die Einsicht und der Hohn,

dass sich der gleiche Wahnsinn neue Wege bahnt.

Zu wenige sind irritiert,

wenn Volksverhetzung aufmarschiert.

Durch jede Straße, jede Stadt.

Und dabei das Grundgesetz im Rücken hat.

Wollen den Sturm und neue Lager.

Wollen wieder Machtgefühle für erbärmliche Versager.

Wollen Zucht und Ordnung in alten Reichen.

Wollen das Demokratie und Freiheit der Knechtschaft weichen.

Getarnt ist ein bereits besiegt geglaubtes Ungeheuer,

Welches Gedeih und Verderben sinnt – mit blutrotem Feuer.

Auf und nieder geh’n die Posten.

Keiner, keiner kann hindurch.

Flucht wird nur das Leben kosten.

Vierfach ist umzäunt die Burg.

Auf und nieder, immer wieder.

Mit den Stiefeln links und rechts.

Blinde Wut dringt in die Glieder.

Böses nach neuen Opfern lechzt.

Auf geht’s Bürger, hisst uns‘re Fahnen!

Courage zeigen heißt die Pflicht.

Lasst nicht Gewalt erst zur Besinnung mahnen.

Vermeidet Krieg und wahrt euer Gesicht.

Dieser Boden, uns’re Heimat, unser eigen Fleisch und Blut,

gebt nicht verloren an die Schergen, die uns drohen mit Höllenglut.

Doch für uns gibt es kein Klagen.

Ewig kann nicht Winter sein.

Einmal werden froh wir sagen:

Heimat, du bist wieder mein!

Wenn das Moorsoldaten Schicksal niemand teilen will,

wenn Demokratie uns doch zu dem machte, was wir heute sind.

Warum nur sind dann so viele Menschen so schrecklich still,

und erlauben, dass das Recht zum Schutz vor Bösem uns durch die Finger rinnt?

Die Meinungsfreiheit ist uns zu Recht ein teures Gut,

wobei so mancher stutzt mit Unbehagen und Verdruss,

wenn man erwähnt, dass in manchen Meinungen eine große Gefahr ruht,

und das man eine Demokratie und seine Freiheit manchmal auch schützen muss…

*2009*

Neo-Nazi, 1.Mai, Polizei, Prozess, Gericht, Demonstration, Berlin

Quelle: http://www.bz-berlin.de/tatorte/gericht/neonazi-verweigert-aussage-vor-gericht-article950398.html

 

 

 

 

 

Ist ein rückgratloser Politiker ein guter Demokrat?


Man muss sich schon verwundert die Augen reiben, wenn man mit ansieht, wie schnell viele Politiker auf der heutigen staatsmännischen Bühne ihre Meinungen komplett verändern. Ab und zu hört man deshalb von älteren Mitbürgern Sätze wie: „Früher waren die Politiker noch aufrichtig!“ oder „Damals wurde nicht so viel gelogen.“ Ich kann nicht wissen, ob Menschen in führenden Positionen damals aufrichtiger waren oder nicht, weil ich es ganz einfach nicht miterlebt habe und weil ich dazu neige, Erzählungen nicht uneingeschränkt zu glauben. Kommt uns dieser Vergleich nicht aber allzu bekannt vor? Waren damals nicht auch die Manieren der Jugendlichen besser? Und der Umgangston? Und die Freundlichkeit? Hat sich nicht überhaupt Vieles zum Schlechten hin verändert?

Natürlich wäre es fast unmöglich objektiv zu bewerten, ob etwas besser oder schlechter geworden ist. Schließlich müsste man dafür unzählige Facetten betrachten, welche von der Alles-was-anders-ist-mag-ich-nicht-Mentalität bis hin zu tatsächlichen Veränderungen der Lebensqualität reichen. Nein, ich glaube nicht, dass alles schlechter geworden ist oder wird. Gejammert und auf andere gemeckert haben die Menschen schon immer gerne – besonders hier in Deutschland. Das die Situation heutzutage weniger harmlos erscheint als in der Vergangenheit haben wir unserer täglichen Unterhaltungspropaganda zu verdanken, welche den Minderwertigkeitskomplexen der angeblich Benachteiligten die gewünschte Grundlage zur Anklage liefert. Das ewige Lamentieren und neidgetriebene Mosern ist zu keiner Zeit konstruktiv. Was soll man aber auch sonst machen? Wenn man keinen Sündenbock für sein eigenes Versagen definiert, dann müsste man sich ja eingestehen, dass man selbst für sein Fehlverhalten verantwortlich ist – und das wäre doch äußerst unangenehm, oder etwa nicht?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass auch in der Politik damals schon gelogen, geheuchelt und betrogen wurde. Heißt das etwa, ich hätte Verständnis für Staatsmänner, welche ihre eigenen Meinungen nur danach auszurichten scheinen, was im Volk gerade am lautesten gebrüllt wird? Nein, dafür habe ich kein Verständnis. Ich würde mir einen Politiker wünschen, welcher auf der großen Bühne das Wort Glaubwürdigkeit neu definieren würde; ein Mensch, welcher sich gut informiert, bevor er sich festlegt und dann auch zu seiner Meinung steht; jemand, der sich nicht von Lobbyisten beeinflussen lässt und stattdessen langfristig darüber nachdenkt, was für das Volk das Beste wäre; ein Politiker, der offen und ehrlich mit Problemen umgeht und nicht versucht, alles schön zu reden, nur um keine Wählerstimmen zu verlieren. Mir ist schon klar, dass der Job des Volksvertreters alles andere als einfach ist. Außerdem ändern auch wir unsere Meinungen ab und zu, wenn wir etwas Neues gelernt haben. Wir haben eben den Vorteil, dass sich kaum einer daran erinnert, was wir vor fünf Jahren gesagt haben. Nichtsdestotrotz habe ich bei unserer aktuellen Regierung mehr als sonst das Gefühl, dass sie von Lobbyisten unterwandert ist. Zu viele Entscheidungen scheinen eher dem Reichtum von wenigen als dem Wohl der Maße zu nützen. Begehrt das Volk dann einmal auf, kippen viele Standpunkte einfach um und werden ersetzt durch beschwichtigendere Meinungen, die die Wählerstimmen sichern sollen.

Obwohl es auf Bundesebene so gut wie keine direkte Demokratie, also z.B. Bürgerentscheide oder Volksabstimmungen, gibt, geben die jüngsten Ereignisse Anlass zu der Vermutung, dass man mit energischen Demonstrationen die Politik des Landes bestimmen kann und so durch ein Hintertürchen direkte Demokratie ermöglicht. Fallen die Umfragewerte einer Partei ins Bodenlose, ist plötzlich alles falsch, wofür man über Jahre hinweg einstand. Sollten wir also die Geschicke unseres Landes in die Hände der Bürger legen?

Über rückgratlose Politiker, welche ihre eigene Meinung dem der Grundstimmung anpassen, kann man denken, was man möchte. Betrachtet man die Grundvorstellungen des demokratischen Systems, so sind es aber gerade diese wechselhaften Charaktere, welche die Volksherrschaft erst ermöglichen. In einer Demokratie sollte es schließlich das Volk selbst sein, welches die Politik bestimmt. Ein standhafter Volksvertreter würde dies nicht ermöglichen, da er sich auch durch Streiks oder Demonstrationen in seinem Kurs nicht beirren ließe. Ein rückgratloser Politiker jedoch würde seine eigene Meinung dem Volk anpassen, selbst wenn er damit nur persönliche Karriereziele verfolgte. Um gewählt zu werden, sagt und macht er, was der Pöbel wünscht. Das Volk hätte also direkten Einfluss darauf, welche Entscheidungen in der Politik getroffen würden. Wäre das nicht wahre Demokratie?

Man sollte sehr vorsichtig damit sein, dem Volk zu viel Macht zu geben, da dieses in der Regel von temporären Stimmungen getrieben wird und keine langfristigen Visionen verfolgt. Die Nachwehen der Weimarer Republik, in welcher dem Volk mehr direkte Macht gegeben wurde, sollten uns eine Lehre sein. Natürlich kann man den Willen des Volkes nicht komplett ignorieren; aber wie kompetent ist denn der Durchschnittsbürger, wenn es um politische Entscheidungen geht? Ist bei gegebenen Anlässen etwa jeder ein Nuklearforscher? Oder Biologe? Oder Wirtschaftswissenschaftler? Oder Architekt? Auch die gewählten Volksvertreter sind nicht immer geschulte Experten auf ihrem Gebiet, aber dafür lassen sie sich von Fachmännern beraten. Dadurch lassen sich natürlich nicht alle Fehler vermeiden und das Volk hat dann das Recht, wenn nicht sogar die Pflicht, den Missstand anzuprangern. Man darf aber nie vergessen, dass wir aus gutem Grund das Führen unseres Landes wenigen, in der Regel gut ausgebildeten Menschen überlassen. Das Volk lässt sich allzu leicht blenden und folgt seinen Emotionen. Es ist das Recht und auch die Pflicht des Politikers, über kurzfristige Meinungsschwankungen hinwegzusehen und mit Weitsicht nach besten Kräften seinem Land zu dienen. Rückgratlosigkeit ist also kein Aushängeschild für eine direkte Demokratie. Allzu leicht vergessen die Menschen manchmal, dass man unsere Demokratie und ihre parlamentarischen Grundsätze auch schützen muss – selbst wenn das nicht ihren momentanen Interessen entspricht.

Bildquelle: http://rowi.standardleitweg.de/uploads/waehlen_gehen.jpg