Die Geschichte des Fußballs – Vom Rauffest zum Sport-Kommerz


Manche hassen ihn, viele lieben ihn – und einige können sich ein Leben ohne ihn gar nicht vorstellen. Der Fußball elektrisiert nicht nur in Deutschland die Massen, sondern ist auch in den meisten anderen Teilen der Welt zu einem gesellschaftlich-soziologischem Phänomen geworden. Kaum zu glauben, dass diese Sportart aus kriegsähnlichen Wettkämpfen entstand, die äußerst brutal waren und sogar Todesopfer forderten.

Es ist kein Zufall, dass ein durchschnittlicher Deutscher mit Bastian Schweinsteiger, Marco Reus oder Lukas Podolski mehr anfangen kann als mit Peter Altmaier, Clemens Brentano oder Franz Liszt. Sicher, Politiker oder verstorbene Schriftsteller bzw. Musiker stehen selten so unterhaltsam im Mittelpunkt wie die allseits bekannten Fußballer. Ein solcher Vergleich sagt jedoch viel über ein Volk und seine Vorlieben aus. Nein, es ist natürlich keine Schande sich mit Fußball zu beschäftigen. Es geht dabei nämlich nicht nur um ein Hobby, sondern um ein soziokulturelles Phänomen, das im Laufe von Jahrhunderten fast die gesamte Welt in seinen Bann gezogen hat.

Quelle: http://static.cosmiq.de/data/de/923/e9/923e9f8e8acd69fc57486625ab7d2250_1_orig.jpg

Die Bewegungskultur, also das Ausüben körperlicher Anstrengungen ohne überlebenswichtige Notwendigkeit, ist wahrscheinlich so alt wie der moderne Mensch selbst. Schon die Freier Penelopes, die in Odysseus Abwesenheit um die schöne Witwe warben, vertrieben sich mit Scheibenschießen, Speerwerfen und anderen Spielen die Zeit. Laut Plutarch wurden in Sparta auch die Frauen in die körperliche Ausbildung (Laufen, Ringen, Diskus- und Speerwerfen) mit einbezogen, damit die Zeugung der Kinder in kräftigen Körpern erfolgte. Während in Sparta die körperliche Ertüchtigung als Mittel zur Wehrtüchtigkeit angesehen wurde, ging es den Athenern darum, dass ein körperlich schöner, athletischer Mann moralisch gut und geistig rege sei.

Wo und wann genau die ersten Ursprünge des Fußballs zu finden sind, kann nicht eindeutig beantwortet werden. Der britische Sportsoziologe Eric Dunning geht davon aus, dass sich dem Fußball ähnliche Spielformen mehrfach unabhängig voneinander entwickelten, da sich Anzeichen bei Chinesen, Japanern, Griechen, Römern, Italienern, Engländern, Franzosen und Kelten finden lassen – teilweise weit vor der Geburt Christi. Die Funktion des Spiels scheint jedoch immer ähnlich gewesen zu sein: Es war ein gewaltsames und unterhaltsames Mittel, Konflikte zwischen konkurrierenden Gruppen auszutragen.

Mehr ist über die Formen des sogenannten Volksfußballs, wie er im Mittelalter vor allem in England an diversen Orten und in unterschiedlichen Variationen praktiziert wurde, bekannt. Im Gegensatz zur heutigen Form gab es damals aber kaum Regeln, keine Schiedsrichter und nicht einmal ein abgegrenztes Spielfeld. Shrovetide Football, eine seit dem 12. Jahrhundert praktizierte traditionelle Form des Fußballs, die zur Karnevalszeit alljährlich im englischen Ashbourne gespielt wird, stellt ein typisches Beispiel dar: „Es treten zwei Stadteile gegeneinander an, wobei es keine Begrenzung der Teilnehmerzahl gibt. Das Ziel ist es heutzutage, den in der Stadt freigegeben Ball, der meist getragen wird, zum eigenen Mahlstein am Fluss zu bringen, wohingegen früher der gegnerische Mahlstein das Ziel war. Die Entfernung zwischen beiden Endpunkten beträgt ungefähr drei Meilen“, erklärt Dr. Ansgar Molzberger vom Institut für Sportgeschichte der Deutschen Sporthochschule Köln.

Quelle: http://richpye.files.wordpress.com/2011/10/ashbourne_football1.jpg

Der Wettkampf, der jeweils von Mittags bis Abends über zwei Tage ausgetragen wird, ist überaus unübersichtlich. Egal ob durch Flüsse oder Büsche, über Straßen oder durch Gassen – der Haufen an Teilnehmern, der sich um den Ball balgt und dabei äußerst gewalttätig vorgeht, ist durch keinerlei Eingrenzungen beschränkt. Dunning beschreibt sogar Versionen des Volksfußballs, bei denen Reiter eingesetzt wurden, um den Ball schneller voranzutreiben. In Ashbourne findet man übrigens auch den Ursprung des heute so oft angewandten Begriffs des Derbys, wie Molzberger erklärt: „Der Ort liegt im Bezirk Derbyshire – und da eben die zwei Ortsteile gegeneinander antreten, liegt dort der Ursprung des Begriffs Derby.“

Es scheint offensichtlich zu sein, dass solche Wettkämpfe zur Rivalität zwischen zwei Gruppen beitrugen, wobei man laut Molzberger Ursache und Wirkung nicht verwechseln darf: „Man sollte die Rolle des Sports meiner Meinung nach nicht überschätzen. Die Rivalitäten haben oft historische Wurzeln, z.B. auf welcher Seite die Dörfer bei einer Schlacht jeweils standen. Der Wettkampf ist dann eher die Bühne für den Konflikt, aber nicht die Ursache.“ Wie brutal diese Duelle tatsächlich waren, kann man einer zeitgenössischen Schilderung entnehmen: „[Sie kehren heim] wie nach einer regelrechten Feldschlacht, mit blutigen Köpfen, gebrochenen Knochen und verrenkten Gliedmaßen und Prellungen, die geeignet sind, ihr Leben zu verkürzen. Dennoch ist alles nur ein Spiel und weder ein Anwalt noch ein Vertreter der Krone wurde jeweils deswegen angerufen.“ (nach Carew, 1602)

Das Gewaltpotential und die berauschende Wirkung der Wettkämpfe führte schließlich dazu, dass sowohl in England als auch in Frankreich bereits im 14. Jahrhundert Gesetze erlassen wurden, die die Ausübung des Volksfußballs unter Strafe stellten, da es zum einen dadurch immer wieder zu Unruhen und Tumulten gekommen war und weil man zum anderen befürchtete, dass die Ausbildung der Soldaten beeinträchtigt würde.

Im italienischen Florenz findet sich ebenfalls eine noch heute praktizierte, traditionelle Form des Fußballs: der Calcio storico. „Im Turnierverlauf, dessen Finale am 24. Juni bestritten wird, treten die vier Stadtteile gegeneinander an. Gespielt wird mit jeweils 27 Spielern auf einem etwa 170×80 Meter großem Feld. Der Untergrund ist Sand, Regeln gibt es sehr wenige“, erklärt Molzberger. Im Jahre 1930 wurde das Spiel, das durchaus an Gladiatoren-Wettkämpfe erinnert und auf die Medici zur Zeit der Renaissance zurückgeht, reorganisiert. Das Ziel ist es, den Ball während des Spiels (bei dem es übrigens keine Unterbrechungen oder Auswechslungen gibt) so oft wie möglich im Netz in der gegnerischen Endzone zu platzieren. Hauptsächlich spielen sich auf dem Feld aber Zweikämpfe fern vom Ball ab, die zahlreiche Verletzte fordern – ein Anblick, der an den US-amerikanischen Science-Fiction-Film Rollerball von 1975 erinnert. Dennoch, am Calcio teilzunehmen ist eine große Ehre – für die die Sportler eventuelle Verletzungen gerne in Kauf nehmen.

Der für die meisten von uns heutzutage selbstverständliche Breitensport, dem wir in unserer Freizeit nachgehen, ist übrigens erst vor eher kurzer Zeit entstanden – aus ganz trivialen Gründen, wie Molzberger erklärt: „Damals hatten die meisten Menschen nicht die Zeit oder Energie, um sich sportlich zu betätigen, weil sie ganz einfach ununterbrochen arbeiten mussten. Erst durch die Sozialgesetzgebungen, die im 19. Jahrhundert die Arbeitsbedingungen verbesserten, wurde so etwas wie Freizeit geschaffen.“ Es verwundert daher auch nicht, dass die Entwicklung des Sports, wie wir ihn heute kennen, auf die reicheren Bevölkerungsschichten zurückgeht.

Der Ursprung des modernen Fußballs ist wahrscheinlich an den englischen, kostenpflichtigen Privatschulen zu finden. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es dort zu einer Reihe von Festlegungen, die für die Entwicklung des Sports richtungsweisend waren: Die Regeln wurden niedergeschrieben, das Spielfeld wurde begrenzt, die Spielzeit wurde genauer limitiert, die Teilnehmerzahl wurde reduziert und bei beiden Mannschaften gleichgesetzt und der Einsatz körperlicher Kraft wurde strenger reglementiert. Es ist wahrscheinlich, dass sich Fußball und Rugby zeitgleich entwickelten. Zum endgültigen Bruch zwischen den Sportarten kam es, da man sich nicht darauf einigen konnte, in welchem Ausmaß der Einsatz der Hände erlaubt werden sollte.

1863 wurde schließlich die Football Association (FA) gegründet, acht Jahre später die Rugby Football Union (RFU). Zur gleichen Zeit bildeten sich bereits die ersten unabhängigen Fußballvereine. Die Torgrößen wurden festgelegt und Schiedsrichter, das Abseits und Strafstöße eingeführt. Der Sport expandierte rasant – erst in England und anschließend u.a. durch die Kolonien Großbritanniens in der ganzen Welt. Die Anzahl von nationalen Fußballverbänden stieg weltweit zwischen 1904 und 1994 von sieben auf 190.

Quelle: http://ihmesport.de/wp-content/uploads/2012/07/HMH037818-H96.jpg

Der erste deutsche Fußballklub wurde schließlich 1878 in Hannover gegründet. In Deutschland setzte sich dieser Ballsport zunächst aber nur schwer durch. Grund dafür war die Sonderstellung des Turnens. Diese deutsche Eigenart der Leibesübungen und der Körperkultur geht auf die französische Fremdherrschaft unter Napoleon Bonaparte von 1806 bis 1813 zurück, die den Wunsch nach nationaler Unabhängigkeit und Einheit stärkte. „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn sah in der Turnbewegung den Schlüssel zur deutsch-nationalen Erziehung, die ein Gleichmaß an Leib und Seele erfordere. Schnell wurde seine Auffassung Teil des deutschen Ausbildungssystems. Da der Fußball keine solchen erzieherischen Absichten hegte, wurde er bis zum ersten Weltkrieg kritisch betrachtet.

Dass jedoch auch der Fußball zur Disziplinierung der Bürger und späteren Soldaten herangezogen wurde, zeigt sich noch heute in seinem teils militärischem Vokabular: Bombe, Angriff, Verteidigung, Zweikampf, Schlachtenbummler, Schuss, etc. Seinen endgültigen Durchbruch schaffte der Fußball in Deutschland spätestens 1954, als der Sieg bei der Weltmeisterschaft in der Schweiz dem arg gebeutelten Volk neue Hoffnung gab. 1963 wurde schließlich die Bundesliga gegründet – und trat seitdem einen ungeahnten Siegeszug an. Die Umsätze der Vereine stiegen genauso wie die Zuschauerzahlen, die Spieler wurden zum Profi-Sportler und letztendlich zum Multimillionär.

Quelle: http://www.dfb.de/fileadmin/Image_Archive/News/kicker_Nr.031_30.07.1962_Titel_35229_p880722.jpg

Die Kommerzialisierung des Fußballs schritt so weit voran, dass sich mittlerweile sogar Wiederstand erhebt gegen das, was aus dem Sport geworden ist. „Es ist aber paradox, wenn sich die Anhänger über eine Kommerzialisierung beschweren, die sie mit ihrem Konsum erst ermöglichen“, gibt Molzberger zu bedenken. Auf nationaler Ebene sieht der Dozent für Sportgeschichte aber keine Konkurrenz aufkommen: „Kurzfristig wird sich an der Vormachtstellung des Fußballs nicht viel ändern. Dieser Sport fasziniert einfach die Massen durch seine einmalige Dramaturgie“ – und durch seine Schlichtheit, möchte man hinzufügen, da man Fußball so gut wie immer und überall mit simplen Mitteln spielen kann.

Das die bedeutende Funktion des Fußballs, den man frei nach Karl Marx auch als Opium für das Volk bezeichnen könnte, aber auch seine Schattenseiten hat, scheint unvermeidlich. Doping, Korruption, Wettbetrug und politische Einflussnahme sind nur einige Probleme, die in diesem Zusammenhang auftauchen. „Viele Politiker sind immer bemüht darauf zu verweisen, dass es keine Verbindung zwischen Sport und Politik gibt. Das ist natürlich Unsinn, da sportliche Großereignisse auch immer große Bühnen sind“, so Molzberger. So gilt es als volksnah, sich bei einem Fußballspiel sehen zu lassen und nicht selten inszenieren sich Politiker oder Staatschefs bei Sportveranstaltungen selbst. Laut Thomas Kistners Buch „FIFA-Mafia“ müsste es außerdem jedem aufrichtigen Fan die Tränen in die Augen treiben, wenn er wüsste, wie viel Kriminalität in seinem Lieblingssport steckt.

Quelle: http://cdn2.spiegel.de/images/image-229851-panoV9free-wkiq.jpg

In welche Richtung der Fußball sich zukünftig entwickeln wird, kann man freilich nur erahnen, auch wenn momentan nichts darauf hindeutet, dass er grundsätzlich an Bedeutung verlieren wird. Klar ist jedoch, dass es sich tatsächlich um mehr handelt als nur ein Spiel. Es geht um Soziologie, Gesellschaft, Politik und Wirtschaft – alles gebündelt um ein grünes Rechteck herum. Den ein oder anderen mag es beruhigen, dass Fußball auch bei seiner Entstehung bereits mehr als nur ein simpler Wettkampf war. Man kann ihn hassen, man kann ihn lieben; man kann ihn verfluchen, man kann ihn verehren. Man kann von der Jagd nach dem runden Leder, das einst eine gefüllte Schweinsblase war, halten, was man möchte. Eines kann man mit Sicherheit aber nicht: Man kann dem Fußball nicht seine soziokulturelle Bedeutung, die er ohne Zweifel in vielen Ländern hat, absprechen.

Advertisements

On the value of selfishness


The definition of good and evil

is always a tricky one. After all, even if religion is used as a dogmatic guideline, many immoral acts could be performed on the basis of obeying the holy rules. What is right in one society might be wrong in another, what is good under certain circumstances might be unacceptable under others. Even when it comes to selfishness – a trait usually regarded as negative – the evaluation is not that simple.

Evolutionists believe that selfishness cannot be the core virtue of human beings. If it were, we probably would have never made it this far. In order to survive as a group under dire circumstances, the individual has to share and cooperate. Altruism is the key which is why there might be a seed of goodness within all of us planted by evolution over hundreds of thousands of years. Nevertheless, in a group of cooperators there is always room for someone who feeds on the system like a parasite. Too many of these “parasites” and the group will fail which is why selfishness will never play the most dominant role – but might prevail after all.

However, selfishness can be a good and important trait as nature shows us. If a school of fish is attacked by a predator, every single fish will try to swim to the center of the school for selfish reasons in order to escape the more dangerous rim of the group. In this case, looking for their own advantage benefits the group since the high density of fish will make it harder for the predator to single out and chase an individual, reducing the risk of being caught for all individuals. Instead, the large body of fish can be confusing. The same might be true for herbivores which live in large groups. If zebras stand close to each other in order to avoid being at the periphery their patterns might become indistinguishable from one another to the eyes of the predators, making it harder for them to launch a successful attack.

The question now is:

Are there examples of human behavior that seem very selfish but which are in fact the opposite? I am not talking about indirect fitness or the preservation of related genes. I mean actions that will affect the individual directly. So far, I could think of two examples:

“I hope my parents will die before me!” Doesn’t that just sound terrible? Why would you want your parents to die? Now, let’s step back for a moment. It is true that this statement is selfish since it indicates that one would rather see their parents die than die before them. However, seeing your parents die is normal whereas burying your child is not. In fact, going through the death of your child might be the worst thing that could happen to a human being. So, hoping that they will die before their children is a statement of sympathy since you do not want them to go through this kind of never ending pain. Instead, you’ll carry the burden of burying someone you love – and transform a selfish statement into true selflessness.

Imagine you and your partner are kidnapped. You are presented with a choice: One of you has to die, the other one will be released. What is the more selfless choice? I argue that it is to choose life yourself. Sounds horribly selfish, doesn’t it? Now, my definition of a partner is a person that you have come to love so dearly that their well-being matters more to you than your own. If this person is taken away from you by force you will suffer from this loss for the rest of your life. There are many people out there who have lost the person they love – and never accepted another partner ever again in bitter memory of their loss. So, if I choose to be killed to save my partner – the option that usually would be considered selfless – I wouldn’t have to suffer anymore since I was dead. My partner, however, would have to live in misery for the rest of her life with that painful loss. Therefore, I don’t see how this option is more selfless. Instead, if I survive she would not have to go through this ordeal and would rather be released. Again, the pain would be mine and the choice therefore selfless.

Now, selfish acts that are on second thought selfless do not have to involve death of course, but those were the two first examples that came to my mind. What do you think? Do you know of any such examples? Do you agree with my reasoning?

Selflessness Takes Courage

Source: http://www.firstcovers.com/userquotes/122828/selflessness+takes.html

Darf ein Deutscher Israel kritisieren?


Es ist leicht, das Wort gegen andere zu erheben, aber schwer, dabei objektiv zu bleiben. Wir sind weit von einer gleichberechtigten und fairen Wertung entfernt – und verschließen nach wie vor unsere Augen davor.

Es ist ein psychologisches oder gar rein biologisches Phänomen, dass sich viele Menschen dazu verleiten lassen, alle Grundlagen der Gleichbehandlung über Bord zu werfen, sobald eine Person einer anderen Gruppe zugeordnet wird als man selbst. Schmerzlich wurde uns dieser gruppendynamische Prozess während des Holocaust vor Augen geführt, als sich viele Deutsche deshalb zu solch verabscheuungswürdigen Verbrechen an den Juden hinreißen ließen, weil diese zu „Untermenschen“ degradiert wurden, die nicht die gleichen Rechte genossen wie die „arische Rasse“. Heute wissen wir vor allem dank der Arbeiten von Luigi Cavalli-Sforza – insofern man für die objektiven Daten der Wissenschaft zugänglich ist –, dass die genetischen Unterschiede zwischen den Volksgruppen so gering sind, dass man nicht von verschiedenen Rassen sprechen kann. Leider ist es noch immer nicht bei allen angekommen, dass wir biologisch gesehen ebenbürtig sind.

Alle Menschen sind gleich – nur manche eben etwas mehr als andere

Es scheint in der Natur vieler Volksgruppen zu liegen, dass sie allem, was neu und anders ist, zunächst skeptisch oder ablehnend gegenüberstehen. Egal, wie lang man in bestimmten Dörfern der Bundesrepublik seit seinem Umzug gelebt hat – man wird nie so richtig dazu gehören, sondern immer ein Zugezogener bleiben. Benimmt man sich einmal daneben, wird man schärfer abgeurteilt als ein Einheimischer. Was im Kleinen zutrifft, lässt sich auch auf das Große übertragen: Randaliert ein junger Deutscher im Vollrausch, redet man von einem Ausrutscher. Tut ein Ausländer Vergleichbares, werden Rufe nach Abschiebung laut. Selbst wenn Asylbewerber unter Bedingungen hausen, die die meisten Deutschen als menschenunwürdig bewerten würden oder wenn verarmte Sinti und Roma uns auf der Straße bestehlen, regen wir uns darüber auf, dass uns so Kosten entstehen. Verschieben jedoch schwerreiche Deutsche Hunderte von Millionen Euro am Fiskus vorbei ins Ausland und schaden so der gesamten Bevölkerung, hält sich der Protest vergleichsweise in Grenzen. Dass wir mit unserer Wirtschaftspolitik darüber hinaus daran beteiligt sind, dass die Flüchtlinge in ihren Ländern im Vergleich zu uns kein gerechtes Leben führen können, bleibt besser gleich ganz unerwähnt. Doch noch schwerwiegender als diese ungleiche Behandlung auf Grund der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe sind die unbegründeten Vorurteile, die sich virusartig in einer Bevölkerung vermehren und halten – und deren Verallgemeinerungen. Nicht alle Türken in Deutschland verschließen sich der Integration, nicht alle Moslems lehnen unseren Lebensstil ab, nicht alle Zuwanderer aus Osteuropa sind kriminell. Wir stigmatisieren ganze Volksgruppen und wundern uns anschließend, warum das Zusammenleben nicht funktioniert. Wir leben im 21. Jahrhundert – aber manche Denkweisen und Ansichten haben sich seit dem Mittelalter anscheinend nicht weiterentwickelt.

Michel Friedmann, der böse Jude

Als der jüdische TV-Moderator und CDU-Politiker Michel Friedman im Jahre 2003 durch eine Affäre um Drogen und Zwangsprostitution für negative Schlagzeilen sorgte, war halb Deutschland aufgebracht. Ein Jude als Bösewicht? Noch dazu einer, der in seinen Sendungen nur zu gern andere an den moralischen Pranger stellte und damals der stellvertretende Vorsitzende des jüdischen Zentralrates war? Einige Deutsche schienen nur darauf gewartet zu haben und schossen sich dankbar auf Friedman als Inbegriff des bösen Juden ein, während auf der anderen Seite schon während der Ermittlungen von antisemitischer Hetzpropaganda geredet wurde. Sicher, Friedmann sorgte mit seinem oft als arrogant und selbstherrlich empfunden Auftreten ohnehin für Unmut – und trotzdem war die Bewertung dieses Falles auf Grund seiner Zugehörigkeit zum Judentum eine besondere. Ich erinnere mich daran, nach der Verurteilung Friedmans viele Stellungnahmen gehört zu haben, aber nur ein Kommentar war so unvoreingenommen und trug so viel Wahrheit und Weitsicht in sich, dass ich ihn mir gemerkt habe, auch wenn ich den Namen des Urhebers der Worte – selbst ein Jude – leider vergaß. Sinngemäß sagte er, dass in diesem Fall die übertriebene Betonung des jüdischen Hintergrunds unangemessen wäre. Auch Juden sind kriminell, sie stehlen, töten, vergewaltigen und lügen – so wie man es bei allen anderen Religions- und Volksgruppen eben auch finden könne. Erst wenn uns das klar werden würde und wir endlich die mehr oder minder auf willkürlich definierten Gruppen basierenden Fesseln der Stigmatisierung ablegen würden, könnten wir unabhängig von unserer Identität gleichberechtigt in Frieden miteinander leben. Nicht das Strafverfahren gegen Friedman sollte uns zu denken geben – er wurde rechtskräftig verurteilt. Zu denken geben sollte uns die Tatsache, dass wir ähnliche Vergehen bei „guten, deutschen Christen“ womöglich anders bewerten würden.

Darf ein Deutscher Israel kritisieren?

Natürlich kann man auch als Deutscher Israel für seine Siedlungspolitik und die menschrechtswidrige Behandlung der Palästinenser kritisieren. Worauf man dabei aber achten sollte, ja achten muss, ist die Formulierung. Nicht die Juden im Allgemeinen sind für bestimmte Spannungen oder Verbrechen verantwortlich, sondern die israelische Regierung. Ein feiner, aber enorm wichtiger Unterschied. Andersherum verweist man hierzulande doch auch nur zu gern darauf, dass während des Zweiten Weltkriegs nicht alle Deutschen Nationalsozialisten waren. Es ist manchmal schwer, aufrichtig und objektiv zu bleiben. Es wird uns aber nichts anderes übrig bleiben, als genau das anzustreben, wenn wir es mit einer fairen und gleichberechtigten Beurteilung von Menschen tatsächlich ernst meinen. Wenn wir daran scheitern, dann werden die Nürnberger Rassengesetze vielleicht nicht die letzten gewesen sein, die Menschen rein auf Grund ihrer Zugehörigkeit zu einer Gruppe diskriminierten. Wer noch immer der Meinung ist, dass die Juden zumindest zum Teil für die Ungleichberechtigung ihnen gegenüber selbst verantwortlich sind, der argumentiert wohl auch, dass eine vergewaltigte Frau eine Mitschuld trägt, weil sie sich zu aufreizend angezogen hatte. Der Antisemitismus in Deutschland und weltweit ist nach wie vor nicht tot, sondern schwelt im Volkskörper weiter. Wir sollten uns dessen bewusst sein und seine tief liegenden Wurzeln mit dem Salz der Aufklärung und der Bildung ausdörren. Wir Deutschen behaupten gern, dass wir den Zweiten Weltkrieg abschließend aufgearbeitet und unsere Lehren daraus gezogen haben. Lasst es uns beweisen!

Die Geschichte des Judenhasses


Noch immer steht Deutschland für die Verbrechen des Holocaust am internationalen Pranger. Oft wird dabei übersehen, dass die Tragödie der Juden kein spontanes Massaker war, sondern der traurige Höhepunkt einer Jahrhunderte alten Feindschaft ihnen gegenüber.

Viel wurde nach dem Zweiten Weltkrieg über die Schuld der deutschen Bevölkerung debattiert. Welche Rolle der Einzelne einnahm, geriet dabei meist in den Hintergrund angesichts einer ganzen Maschinerie der Zerstörung und des Todes. Die Aussagen der Bürger, sie hätten von den systematischen Morden an Juden und anderen unerwünschten Menschengruppen nichts gewusst, wurden oft akzeptiert. Mittlerweile regt sich bei der Erwähnung des Wortes „Schuld“ ein gewisses Unbehagen bei den Deutschen, hat die heutige Generation doch nichts mehr mit den Verbrechen der Nationalsozialisten zu tun. Doch die Problematik des Judenhasses wird erst dann deutlich, wenn man sich mit seiner Geschichte befasst. „Auschwitz war nur möglich, da der Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft tief verwurzelt war“, schreibt Detlev Claussen sinngemäß in seinem Buch Vom Judenhass zum Antisemitismus und spielt damit darauf an, dass der Holocaust kein einmaliger „Ausrutscher“, sondern der tragische Höhepunkt einer langen Entwicklung war.

Die Ursprünge des Judenhasses

Prinzipiell kann zwischen mindestens drei verschiedenen Arten des Judenhasses unterschieden werden, nämlich dem religiös, dem sozial und dem rassenideologisch begründeten, wobei letzterer hauptsächlich eine Erscheinung der Neuzeit ist. Bereits mehrere Jahrhunderte vor dem Beginn unserer Zeitrechnung kam es in Ägypten und in weiteren Bereichen das Nahen Ostens zu Spannungen zwischen Juden und anderen Volksgruppen. Der griechische Geschichtsschreiber Hekataios von Milet behauptete, dass die im Pharaonenreich lebenden Juden des Landes verwiesen und durch Moses nach Judäa geführt wurden. Durch ihren monotheistischen Ein-Gott-Glauben war diese Volksgruppe den Ägyptern mit ihren vielen Göttern in Menschengestalt suspekt. Außerdem wurde ihre Behauptung, an den einzig wahren Gott zu glauben, als arrogant und respektlos aufgefasst. Sie grenzten sich selbst durch ihre Traditionen wie der Beschneidung männlicher Nachkommen, dem Verzicht auf Schweinefleisch und dem Sabbat ab und bekamen den Ruf, dass sie alles, das anders war, hassten. Apion von Alexandria behauptete, dass die Juden Griechen entführten und mästeten, um sie später als Menschenopfer zu schlachten und ihr Blut zu verzehren – eine Behauptung, die vor allem im Mittelalter wiederholt wurde und schon allein deswegen abwegig ist, weil es den Juden laut Thora verboten ist, Blut zu trinken, weshalb sie ihre Tiere durch das Schächten vor dem Zubereiten ausbluten lassen.

Quelle: http://schularena.com

Einen ersten Höhepunkt der Spannungen stellte die Zerstörung des jüdischen Tempels im nubischen Elephantine durch Ägypter 410 v.Chr. dar, zu welcher Chnum-Priester aufgerufen hatten, wobei die persischen Fremdherrscher nicht eingriffen. Auch die Römer intervenierten nicht, als es 38 n.Chr. zu mörderischen Aufständen in Alexandria kam, bei denen Juden von aufgebrachten Ägyptern umgebracht wurden. Kaiser Caligula wollte die Unruhen nutzen, um seine eigene Position zu stärken. Ihm waren die Juden, die sich nicht seinem Kaiserkult beugen wollten und stattdessen ihren Traditionen treu blieben, ein Dorn im Auge. Zuvor war es jedoch oft so gewesen, dass die Juden unter den Fremdherrschern in Nahen Osten keiner Unterdrückung ausgesetzt waren, was ihnen wiederum die Missgunst der ansässigen Ägypter und Griechen einbrachte, die gerade in Alexandria mit ihnen um Einfluss und Status konkurrierten. Die Eigenheiten der Juden wurden nach wie vor nicht akzeptiert, weshalb der römische Geschichtsschreiber Tacitus in den westlichen Kulturen nach 70 n.Chr. den Gedanken der jüdischen Misanthropie etablierte. Insgesamt stellte die Situation in Ägypten eine einzigartige Mischung aus religiösen, politischen und ethnischen Aspekten dar, die im hellenistischen Kontext globale Bedeutung gewann.

Der religiöse Judenhass

Die Situation der Juden verbesserte sich nach der Kreuzung Jesus Christus nicht – ganz im Gegenteil. Da sie von der neuen christlichen Religion als Mörder bezeichnet wurden, die obendrein Jesus nicht einmal als ihren Messias anerkannten, etablierte sich eine neue Form des religiösen christlichen Judenhasses, welcher später im Kampf um Einfluss an Bedeutung gewann, da das Judentum und das Christentum fortan in Konkurrenz miteinander standen. Der Einfluss der Juden schwand, die Römer störten sich nach wie vor an ihren Traditionen, die eine Akzeptanz anderer Götter verbot. Das jüdische Zentrum Palästina wurde schließlich in das römische Verwaltungssystem eingegliedert und unterdrückt, worauf es zu mehreren Aufständen und ab 66 n.Chr. zum jüdischen Krieg kam. 70 n.Chr. wurde Jerusalem durch Kaiser Titus zerstört, woran noch heute der Titusbogen in Rom erinnert. Als Kaiser Hadrian auf den Trümmern des jüdischen Tempels 130 n.Chr. einen Jupitertempel errichten wollte, begehrten die Juden während des Bar-Kochba-Aufstands letztmalig auf. Fünf Jahre später war ihre Niederlage besiegelt, die Juden wurden aus Palästina vertrieben oder als Sklaven verkauft – die Diaspora (griech.: Zerstreutheit) hatte begonnen.

Die Folgen der Diaspora

In den folgenden Jahrhunderten verloren die Juden an Einfluss und waren im Mittelalter zu schwach, um den ungerechtfertigten Vorurteilen und Stigmatisierungen ihnen gegenüber entgegenzuwirken. Gegen 1150 n.Chr. hatte sich die Art des Judenhasses schließlich gewandelt. Waren vorher noch befremdliche Eigenschaften und Verhaltensweisen der Ursprung der Feindseligkeiten ihnen gegenüber gewesen, standen nun fiktive Fantasien und Mythen im Vordergrund. Spätestens jetzt nahm der Jude die Rolle des Sündenbocks für alles Schlechte ein. Diesbezüglich schreibt Wolfgang Benz in seinem Buch Der Hass gegen die Juden, dass der Kern der Feindschaft darin liegt, dass diese Minderheit über Feindbilder definiert wird, um sie negativ instrumentalisieren und stigmatisieren zu können. So sollen die Juden angeblich mit Feinden oder dem Teufel verbündet gewesen sein. Erste Pogrome gab es daraufhin in Deutschland und Frankreich im 11. Jahrhundert. Auch der Vorwurf des Hostienfrevels, der erstmals 1290 in Paris dokumentiert wurde und den Juden eine Schändung des Leibes Jesu durch das Beschädigen von Hostien vorwarf, führte zu Pogromen. Während des IV. Laterankonzils wurde 1215 beschlossen, dass alle Juden durch einen gelben Fleck auf ihrer Kleidung gekennzeichnet sein müssten – eine Vorschrift, die die Nationalsozialisten Jahrhunderte später wieder aufgriffen. Ab 1492 kam es zudem durch die judenfeindliche Einstellung der Herrscher auf der iberischen Halbinsel zu erzwungenen Konvertierungen in Form von Massenzwangstaufen, woraus die Marranen hervorgingen. Selbst der Reformator Martin Luther ließ sich im 16. Jahrhundert zu mehreren Schmähschriften gegen Juden hinreißen.

Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/3d/SEX_PUERI_RATISPONAE.jpg

Der Jude als ewiger Sündenbock

Auch für den Reichtum, den einige Juden im Mittelalter durch Handel und Bankgeschäfte erwarben, muss man in erster Linie die Christen verantwortlich machen, obwohl diese an deren Wohlstand Anstoß nahmen. Während des III. Laterankonzils 1179 wurden ihnen Zinsgeschäfte verboten, was den Juden unfreiwillig eine Monopolstellung verschaffte. Überhaupt waren sie auf diese Geschäftszweige angewiesen, wurde ihnen doch während des IV. Laterankonzils der Zugang zu Zünften und damit zum Handwerk verwehrt, wodurch sie weiter ausgegrenzt wurden. Früh wurden die Juden jedoch als Wucherer und Betrüger verschrien, die zum Ziel von Übergriffen von Schuldnern oder anderen Neidern wurden. So begann die Hochphase des sozial begründeten Judenhasses. Weitere Mythen wurden verbreitet wie etwa die, dass Juden während der Pestepidemien die Brunnen der Christen vergiftet hatten. Wahrscheinlicher ist es jedoch, dass weniger Juden der Seuche erlagen, weil sie reinlicher waren und weniger Kontakt zu Ratten, Flöhen und anderen Überträgern hatten. Auch angebliche Fälle von Kindern, die armen Eltern abgekauft und anschließend gefoltert wurden, um ihr Blut zu trinken, waren immer wieder im Gespräch und fanden ihren Weg in das deutsche Kulturgut. So kann man in dem Sammelband Deutsche Sagen der Brüder Grimm die Geschichten Der Judenstein und Das von den Juden getötete Mägdlein finden, die angebliche Fälle des Kindsmordes aus den Jahren 1462 bzw. 1267 beschreiben. Auch noch deutlich später war der Jude als Feindbild ein häufiges Motiv in der deutschen Literatur, wie etwa Abner, der Jude, der nichts gesehen hat aus Wilhelm Hauffs Märchen, in dem der Hauptcharakter ein listiger und verschlagener Lügner ist, der es immer auf seinen eigenen Vorteil abgesehen hat.

Quelle: http://images.zeit.de/wissen/geschichte/2011-09/s22-juden-antisemitismus/s22-juden-antisemitismus-540×304.jpg

Judenhass in der Neuzeit

Das Vorurteil der reichen Juden blieb jedoch auch dann noch bestehen, als viele von ihnen durch die Aufhebung des Verbots für Zinsgeschäfte für Christen verarmten. Auch heute noch hält sich hartnäckig die Behauptung, dass das Weltfinanzsystem von Juden kontrolliert würde. Selbst im 19. Jahrhundert kam es immer noch zu Pogromen gegen Juden, wie zu den in Würzburg beginnenden Hep-Hep-Unruhen in Deutschland 1819, als der europäische Markt nach dem Ende der Kontinentalsperre von billigen englischen Textilien überflutet wurde. Wieder waren es Neid und Missgunst, die die Übergriffe hervorriefen, da die jüdischen Händler mit den veränderten Gegebenheiten besser zurechtkamen als die deutschen Kaufleute. Dabei verstand es die gebildete Schicht, den Hass des Pöbels auf die Juden zu lenken. In der langen Reihe der Vorurteile gegen Juden gesellten sich schließlich auch noch Weltverschwörungstheorien. Als ihnen im Laufe der Russischen Revolution die Gleichberechtigung zugesichert wurde, kam es zu einer Welle von Pogromen, da die Konterrevolution von einem jüdischen Komplott sprach. Der zaristische Geheimdienst Ochrana stellte Anfang des 20. Jahrhunderts schließlich die „Protokolle der Weisen von Zion“ als Agitationsmaterial her und brachte sie in Umlauf. Angeblich soll es sich dabei um die Weltherrschaftspläne der Juden handeln. Vor allem unter den Moslems stellen diese Fälschungen noch heute eine wichtige Grundlage ihrer Feindschaft dar.

Antisemitismus und Rassenwahn

Letztendlich fand sich auch auf der politischen Bühne ein Grund, gegen die Juden zu hetzen. Im Laufe ihrer Emanzipationsbemühungen engagierten sie sich vor allem in nicht-konservativen Parteien, also u.a. bei Kommunisten und Sozialisten. So sprachen beispielsweise die Faschisten später vom jüdischen Bolschewismus, den es zu bekämpfen galt. Es wurde das Vorurteil des radikalen, Umsturz suchenden Juden etabliert, der alles Bestehende gefährde. Das Dilemma der Juden – und die Unsinnigkeit der Vorwürfe gegen sie – nahm weiter zu. Gab es Krieg, galten sie als Kriegstreiber, da sie als Industrielle damit Geschäfte machen konnten. Wurde der Krieg beendet, machte man es ihnen zum Vorwurf – wie bei der Dolchstoßlegende nach dem Ersten Weltkrieg, obwohl viele Juden für ihr deutsches Heimatland kämpften und starben. Schon zuvor hatte sich eine neue, letzte Phase des Judenhasses etabliert, die uns heute als Antisemitismus bekannt ist und als letztes Element eine rassenideologische Komponente hinzufügt.

Das Wort „Antisemitismus“ wurde erstmals 1879 während eines Berliner Historikerstreits aktenkundig, ausgesprochen wurde es von Wilhelm Marr. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich im Zuge des Sozialdarwinismus die Ansicht durch, dass das „jüdische Problem“ vom Standpunkt der Rassenreinigung aus betrachtet werden sollte, wobei die Juden minderwertiges Leben im Vergleich mit Ariern darstellen würden. Heinrich von Treitschke formulierte 1879 den viel zitierten Satz: „Die Juden sind unser Unglück!“ Er gehörte einer Strömung von Propagandisten an, die willkürliche, pseudowissenschaftliche Behauptungen über unbegründbare, absolute Differenzen zwischen Menschen in Körper- und Wesensmerkmalen in Umlauf brachten. Es galt, mit den Juden eine Gruppe, die im Laufe ihrer Emanzipation ein Teil der deutschen Gesellschaft geworden war, wieder zu entfernen, wobei man sich nicht auf veränderbare religiöse, sondern auf unabänderliche Rassenmotive stützen wollte. Der spätere Führer des Deutschen Reiches, Adolf Hitler, bezeichnete seine Haltung schließlich als Übergang vom Antisemitismus des Gefühls zum Antisemitismus der Vernunft. Mit anderen Worten: Man würde dem deutschen Volk einen Gefallen tun, wenn man es von den schädlichen Juden „säubere“.

So gelang es den Faschisten, den Kampf gegen die Juden als Notwehr auszulegen, da diese angeblich eine Bedrohung darstellten. Die Nationalsozialisten schufen also nichts grundsätzlich Neues, sondern bauten auf einer Jahrhunderte alten Feindschaft gegenüber Juden auf; ihre Worte und Absichten fielen bei ihrem Volk auf fruchtbaren Boden. Selbst die Argumentation, dass die Juden eine Teilschuld für ihre Leiden selbst trügen, ist auch heute noch nicht ausgestorben. Um die Ursachen des Holocaust zu verstehen, reicht es daher nicht aus, sich nur mit dem 20. Jahrhundert zu beschäftigen, da die Wurzeln, die nach wie vor noch nicht abgestorben sind, viel tiefer liegen.

Shame on you women!


There are certain virtues which I like to find in people who I interact with. One of them – underrated and often neglected – is consistency. In other words, I appreciate people who can evaluate a topic objectively and not just emotionally, people who do what they say and aren’t hypocrites. For example, if someone is emotionally upset about the way animals are treated in pharmaceutical testing, this person is usually neither consistent in their opinion nor objective in their statement. After all, the comparable suffering of animals that are used for food or for clothes is usually accepted. In addition, most people who are against animal testing are still going to use certain drugs which – without exceptions – have been tested on animals. Thus, the argument is everything but consistent. One might even say that this is a case of hypocrisy: crying about suffering animals while eating a steak. It takes some effort to overcome such superficial evaluations since many people prefer talking over acting. They might seem passionate about a certain topic, but once it actually relates to them and what they are doing their opinion changes.

Take gender equality. Women in western societies have become so tangled up in the fight against certain labels that the focus on everyday problems may have been lost. Does it really help women that every German word has a feminine and masculine version, meaning every occupation, for example, has to be written twice so that men and women are individually spoken to? For example, in English the word “student” is neutral and can be used for males and females, but if English were like German there would have to be two forms: student (male) and studentess (female). Would it really help if quotas regarding the percentage of women in certain jobs were introduced – or would it possibly hurt them, belittling their achievements (“You just got the job because of the quota!”)? After all, women in countries where gender equality is irrelevant might wonder why we even focus on such insignificancies.

Source: http://www.hipsterhomemaker.com/dads-dont-babysit.-they-parent./#sthash.bghNkGvJ.dpbs

However, I know women who like to talk about female empowerment, their independence, and how they don’t let themselves be treated as if they owe anything to their partners – until they get a call from their boyfriends or husbands and have to leave because they have to make dinner for them. I could care less about such inconsistencies, but somehow it annoys me. In countries such as Germany or the United States where you do not have to fear serious repercussions for standing up against male oppression, gender equality should be lived in a way that it serves as a shining example for the rest of the world. Many female activists around the world risk their life fighting for equal rights. Wouldn’t they feel ashamed that we have such rights but choose not to make use of them?

It all boils down to this: In many cases – but of course not in all – women are treated poorly because they let themselves be treated that way. As long as assholes find girls who fall for them they have no reason to change. As long as wives who experience domestic violence don’t leave their husbands, the men can just continue to utilize them. As long as mothers agree that their daughters should be put second to their sons the fathers don’t have to change their old-fashioned traditional beliefs. As long as women take on their husbands name when getting married they will keep the belief up that their name is somewhat less important. As long as women agree that they should stay at home for the sake of their partners career the gap between both won’t close. As long as boyfriends get served food and don’t have to worry about chores, stereotypical ideas of who does what at home won’t change.

Source: http://www.tomikobuchanan.com/domestic-violence-awareness-month-facts/

Recently I taught a class of intelligently gifted students for a day in the lab. Out of 18 only three were girls. I asked their teacher why this was the case and he assumed that it had to do with society since usually just as many girls as boys would qualify. He even mentioned a case where a family had both of their children tested to be in the class. While the daughter qualified for the class, the son did not. The father couldn’t accept the results and decided that the daughter couldn’t become part of the class since the son couldn’t. There is still a strong stigma regarding male and female roles in our societies. If a male professor marries a secretary, no one cares. If it is the other way around, it is a big deal. The same is true regarding age differences. Hugh Heffner is just a stud for having all of these young girls around, but who would accept an eighty year old woman with a bunch of thirty year olds? Men are still expected to make more money and to be superior to their wives regarding social status. Women, on the other hand, are expected to stay at home with the children or for other reasons. As stated earlier, with half of the population being female, it is partly their choice that this mindset still prevails. Women have every right and every chance today to pursue their own dreams and aspirations instead of being second to a man. It saddens me to see that so many choose not to make use of this liberty. Of course, some women might say that they prefer it this way, staying at home and raising the children while their husbands see the world and bring home the money. However, I feel that this very argument just shows how well men are still in control. After all, to me at least, it seems to be similar to the argument that, as Muslims, women actually want to cover themselves in order to not seduce helpless men. You are put in a cage, but you are indoctrinated so well that you say it is your own choice.

Source: http://www.quotestree.com/gender-equality-quotes.html

So, not being a woman myself, I am not going to suggest what they should or should not do. I can only talk about how I treat women I know including my girlfriend and how I would like my daughter to behave (if I had one): confident and independent of what outdated stereotypes expect from her. No woman should be second to a man; neither would I argue for the opposite. What I would argue for is that we stop focusing on irrelevant labels and fight gender inequality at its roots to serve as examples for the rest of the world.

Source: http://feministactivism.com/tag/gender-equality/

Der kleine Neger vom FC Hinterwald


Als Reporter im Bereich Lokalsport macht man eine ganze Menge Erfahrungen. Manche sind witzig, einige nervend, viele lehrreich – und einige wenige auch ganz einfach ärgerlich. Ärgerlich z.B. dann, wenn man unverblümt veranschaulicht bekommt, dass Deutschland – und Bayern im Speziellen – noch immer voll von xenophobischen Rassisten ist. Da gibt es Fälle, in denen Schiedsrichter auf Grund ihrer Hautfarbe beleidigt werden oder bei denen ein Zuschauer im Bezug auf einen dunkelhäutigen Torwart ruft: „Hau dem Neger endlich eins rein!“ Überhaupt ist bis zu den hiesigen Stammtischen noch nicht durchgesickert, dass Stigmatisierungen, wie sie das Wort „Neger“ darstellen, zum Glück durch große Teile der Gesellschaft als rassistisch eingestuft und aus dem Alltag entfernt wurden. Doch die Gruppe der ewig Gestrigen ist nach wie vor groß – und gefährlich, weil sie das Fundament für gewisse Straftaten und Ungerechtigkeiten darstellt. Im Fall des erwähnten Torhüters wurde argumentiert, dass es sich um einen älteren Zuschauer handelte, für den das Wort „Neger“ früher eben kein Schimpfwort war. Er wüsste es einfach nicht besser. Davon abgesehen wollte man sich auch nicht in die eigene Sprache reinreden lassen und jede einst normale Formulierung kriminalisiert sehen.

Quelle: http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/notizbuch/protest-rassismus-100~_v-image512_-6a0b0d9618fb94fd9ee05a84a1099a13ec9d3321.jpg?version=686e7

Nein, ich bin in vielen Fällen auch nicht dafür, z.B. alte Kinderbücher umzuschreiben, um sie „politisch korrekter“ zu machen. Sie dienen als Blick in die Geschichte, der zum differenzierten Reflektieren einlädt. Das Argument, dass bestimmte Bezeichnungen noch heute im Alltag verwendet werden sollten, weil sie früher respektierte Wahrheit waren, ist jedoch nicht mehr wert als das imaginäre Papier, auf dem es geschrieben steht. Es gibt auch heute noch Menschen, die damit aufgewachsen sind, dass es völlig in Ordnung war, gegen Juden zu hetzen, Homosexuelle offen anzufeinden und Frauen im Interesse des Mannes zu versklaven. Gesellschaften ändern sich – in vielen (wenn auch nicht allen) Fällen zum Guten, was den Gleichberechtigungsgedanken angeht. Ein „Neger“ oder „Zwerg“ war früher ein beliebtes Ausstellungsstück im Zirkus. Sollte das als Berechtigung dienen, auch heute noch so mit dunkelhäutigen oder kleinwüchsigen Menschen umzugehen?

Quelle: http://brainm0sh.de/wp-content/uploads/ichbinkeinrassistaber.jpg

So traute ich also vor wenigen Wochen meinen Ohren nicht, als ich als Vertreter der hiesigen Tageszeitung Informationen zu einem unterklassigen Fußballspiel telefonisch einholte. Um mir mögliche Anfeindungen zu ersparen (denn die Lobby der nicht-bekennenden Rassisten ist in Bayern nach wie vor groß), werde ich auf tatsächliche Namen verzichten. Sagen wir also, der FC Hinterwald war zu Gast beim SV Vorgestern, mit dessen Trainer ich sprach. Als er mir ein paar Informationen durchgab, kam er schließlich auf einen Konter zu sprechen, der das Spiel entschied. Da er den Namen des Spielers des FC, der das Tor erzielte, nicht wusste, beschrieb er ihn wie folgt: „Das war der kleine Neger von Hinterwald.“ Hätte mich diese Aussage nicht so überrascht, hätte ich dem Trainer des SVV vielleicht noch am Telefon gesagt, was ich von solchen Bezeichnungen halte, doch ich dachte in dem Moment eigentlich nur, dass ich mich verhört haben musste. Aber nein, verhört hatte ich mich nicht, denn – wie bereits ausgeführt – das Wort „Neger“ gehört eben nach wie vor noch zum üblichen Sprachgebrauch. Auch das Bewusstsein, mit einem Pressevertreter zu sprechen, der das Gesagte abdrucken lassen könnte, ließ den Mann am anderen Ende der Telefonleitung nicht weiter über seine Formulierung nachdenken. Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die Begründungen, wenn sich tatsächlich jemand nach dem Gebrauch solcher Wörter selbst korrigiert: „Ach nein, das darf man ja gar nicht mehr sagen. Sagen wir also Dunkelhäutiger.“ Die Meinung geht also dahin, das Wort nicht etwa nicht mehr zu benutzen, weil es falsch oder unangemessen ist, sondern weil es verboten oder geächtet ist. Ist stehlen also nur falsch, weil man dafür rechtlich belangt werden kann? Diese Art der Rechtfertigung erinnert schon stark an die religiöse Argumentation, dass die Menschen ohne den allwissenden Aufpasser – Gott – mehr Schlechtes tun würden, weil sie weniger Bestrafungen zu befürchten hätten. Man vergewaltigt als religiöser Mensch also keine Frau, weil Gott einen dafür bestrafen könnte – und nicht, weil es auch ohne ultimative Bestrafung ganz einfach falsch wäre?

Quelle: http://31.media.tumblr.com/tumblr_lxsakyZMNo1ql0sbuo1_500.jpg

Wohlgemerkt möchte ich an dieser Stelle keine unangebrachten Verbindungen zwischen Lokalsport und Religion herstellen, aber unsere Gesellschaft ist eben auch ein Spiegelbild unserer Geschichte. Die Xenophobie, also die Angst vor oder die Ablehnung gegenüber allem, was anders oder fremd ist, ist ein gewachsenes Phänomen, das sich eben auch aus einer Religion speist, die behauptet, die einzige Wahrheit zu repräsentieren. Hernach muss alles, was anders ist, schlecht sein. Als Sportler drückt man jedoch ein Auge zu, solange der „Neger“ in der eigenen Mannschaft spielt. Läuft er jedoch für den Gegner auf – ist also nicht direkt Teil der eigenen Gruppe –, dann ist er das, was er in unserer Gesellschaft oft ist: geduldet, ohne dabei ein Recht auf Gleichbehandlung zu genießen. In den Reihen des FC Hinterwald spielt übrigens noch ein anderer, etwas größerer „Neger“, der noch viel mehr Tore schießt. Ob er es schafft, in der Gunst der Zuschauer irgendwann zum „Schwarzen“ aufzusteigen?

Quelle: http://25.media.tumblr.com/tumblr_mbhpciC2091reec5so1_400.png

Verschwendung – Unser gutes Recht?


„Kaufen Sie sich doch ein neues Gerät!

Die Reparatur würde fast genauso viel kosten“, sagte man mir neulich in einem Elektrogeschäft, welches ich damit beauftragen wollte, meinen Mixer zu reparieren. Aha, ein kleines Teil im Inneren des Gerätes ist kaputt und dennoch würde dessen Austausch in etwa genauso viel kosten wie ein komplett neuer Mixer? Sicher, besonders überrascht hat mich diese Erkenntnis nicht, aber ein wenig geärgert. Wir leben im wahrsten Sinne des Wortes in einer Wegwerfgesellschaft, in der Konsum alles und Nachhaltigkeit fast nichts zählt. Verschwendung ist Teil unseres Lebensstils – darauf zu verzichten wird als inakzeptable Einschränkung des Wohlstandes, oder – noch pathetischer ausgedrückt – der Freiheit angesehen. Wir haben die Freiheit unseren Planeten zu zerstören – und wir machen reichlich Gebrauch davon. Das gleiche trifft natürlich auch auf andere Industriestaaten zu, aber in erster Linie sollte man die Gruppe kritisieren, der man angehört, da man bei ihr am wahrscheinlichsten für Veränderungen sorgen kann.

Als Reparaturen noch salonfähig waren

Es ist wahrlich eine Erscheinung einer verwöhnten Wohlstandsgesellschaft, dass man sich nicht in erster Linie darum Gedanken macht, Ressourcen zu schonen. Vor ein paar Jahrzehnten konnten handwerklich geschickte Personen in den übersichtlichen Motorräumen ihrer Autos noch vieles selbst reparieren. Heute, im Zeitalter rollender Computer, können selbst Fachwerkstätten nicht mehr gezielt Einzelteile austauschen, sondern müssen stattdessen ganze Module kostspielig ersetzen. Die wenigsten Autos auf deutschen Straßen sind älter als zehn Jahre, da irgendwann die Reparaturkosten die Ausgaben für einen Neukauf übersteigen. Man könnte meinen, dahinter stecke System, denn was sollte die mächtige hiesige Autoindustrie auch machen, wenn der Bedarf an Neuwagen dramatisch zurückginge, da plötzlich alle Fahrzeuge durchschnittlich zwanzig Jahre problemlos zu benutzen wären?

Das gleich begegnet uns bei unseren alltäglichen Elektrogeräten. Toaster kaputt? Kaufen wir eben einen neuen. Die Mikrowelle geht nicht mehr? Weg damit! Was kostet die Welt? Wenn man aber tatsächlich ein Gerät reparieren lassen anstatt ein neues kaufen zu wollen, trifft man meist nur auf Unverständnis. „Aber ein neues Gerät ist doch kaum teurer!“, ist dann das beliebteste Argument, das verdeutlicht, wie tief sich der Gedanke der Wegwerfgesellschaft in unsere Köpfe eingebrannt hat. Doch das Geld an sich ist eben nicht das einzige, worauf es ankommt. Jedes Gerät besteht aus Rohstoffen, in erster Linie aus Metallen und Plastiken, die aufwendig gewonnen bzw. hergestellt werden müssen und die Umwelt belasten. Schon heute sind unsere Weltmeere von Plastikmüll durchseucht. Hinzu kommt das Problem der Entsorgung von Elektroschrott, der oft in Entwicklungsländer exportiert und dort unter unsäglichen Bedingungen von lokalen Arbeitern weiterverarbeitet wird. Doch auch unsere Gesundheit ist in Gefahr, denn Schwermetalle und andere Giftstoffe, die auf hiesigen Müllhalden lagern, können ins Grundwasser gelangen und uns so belasten. Der klassische Deutsche Meckerer beschwert sich immer gern darüber (nachdem er sich ein Gerät Made in China gekauft hat), dass im eigenen Land zu wenige Arbeitsplätze geschaffen und stattdessen zu viele Produkte aus dem Ausland importiert werden. Wäre ein Sinneswandel hin zu einer Renaissance des Reparierens, der Ressourcenschonung und der Nachhaltigkeit nicht auch eine große Chance für Tausende Elektronikgeschäfte, die sich wieder vermehrt mit der Reparatur von Geräten befassen könnten?

Quelle: http://polpix.sueddeutsche.com/bild/1.1240038.1355474500/860×860/elektroschrott.jpg

Der Mode ist die Umwelt herzlich egal

Warum kaufen wir uns ein neues Handy? Oder neue Kleidung? Weil die alte Ware kaputt und nicht mehr zu gebrauchen war? Oder weil wir was Neues, Schickes haben wollen? Sicher, einige Bürger gehen ähnlich pragmatisch wie ich an die Sache und lassen sich nicht von Trends und dem, was eben gerade angesagt ist, steuern. Doch zu oft entscheidet nicht der praktische Nutzen über eine neue Anschaffung, sondern das Geltungsbewusstsein. So muss man sich heutzutage fast schon rechtfertigen, wenn man kein Smartphone besitzt. Sagt man dann auch noch, dass man seine Kleidung aus Gebrauchtwarenläden bezieht, wird man komplett schief angesehen, denn Armut wird in unserer Gesellschaft als etwas Beleidigendes, Unredliches begriffen, so als ob die Person, die arm ist, faul oder dumm sei. Doch es geht nicht nur ums Geld, sondern auch um den zerstörerischen Einfluss unseres Konsumverhaltens. Kleidungsstücke werden in der Regel nicht in der Europäischen Union, sondern in Asien hergestellt. Auch sie stehen für einen hohen Verbrauch an Wasser, Energie und Rohstoffen. So werden für die Herstellung einer Hose Tausende Liter Wasser benötigt, die Rohstoffe werden Tausende von Kilometern um den Erdball transportiert, bis das fertige Produkt schließlich bei uns ankommt. Wenn wir dann eine Jeans für zehn Euro kaufen, dann steht fest, dass weder die Arbeiterinnen einen fairen Lohn dafür bekamen noch das die Umwelt bei der Produktion geschont wurde. Dennoch gehen wir so sorglos mit unserer Kleidung um und tauschen sie beliebig aus, weil sie uns nicht mehr gefällt. Jemand, der hingegen gebrauche Kleidung kauft, also solche, die ohne entsprechende Läden im Müll gelandet wäre, verursacht keine weitere Umweltbelastung.

 

Ähnlich verheerend ist die Bilanz bei den elektronischen Geräten, die in nur wenigen Jahren eine ganz neue Form der Sucht und Abhängigkeit hervorgebracht haben. Wir kaufen uns kein neues Handy, weil das alte kaputt war, sondern meistens, weil wir ein aktuelleres haben möchten. Wie sehr die Menschen bzw. die Umwelt bei der Produktion leiden mussten, ist uns herzlich egal, was ich ausführlich bereits in Thank you, Steve Jobs thematisiert hatte.

Wir sind Weltmeister – im Papierverbrauch

Pro Kopf verbrauchen die Deutschen im Jahr um die 250 Kilogramm Papier (insgesamt 19 Millionen Tonnen) – und liegen damit im internationalen Vergleich ganz weit vorne. Während Bücher und Zeitungen noch zu den vernünftigeren Arten des Papierverbrauchs gehören, spiegeln andere Anwendungen unseren respektlosen Umgang mit unserer Natur wieder: Wir fällen Bäume, um uns damit den Hintern abzuwischen. Wir zerstören Wälder, um haufenweise Werbe-Spam im Printformat herzustellen, die zum größten Teil vom Briefkasten direkt in den Papierkorb wandern. Wir mögen es – egal ob im Beruf oder in der Ausbildung –, alles auszudrucken, um es „zur Hand“ zu haben, auch wenn wir wahrscheinlich nie mehr darauf zurückgreifen werden. Doch die Herstellung von Papier ist eben keine Kleinigkeit, sondern mit einem immensen Holz-, Wasser und Energieverbrauch verbunden. Die Herstellung von 100 Kilogramm Papier aus Holz setzt 110 Kilogramm CO2 frei und benötigt 300 Kilogramm Holz, 5.000 Liter Wasser und 1.000 Kilowattstunden Energie. Unsere öden deutschen Wälder, die oft nur aus einer bis wenigen Baumarten bestehen wie etwa Kiefer, Fichte oder Buche, sind das Ergebnis unseres Holzwahns. Auch in Deutschland gab es irgendwann einmal Urwälder mit einer vielfältigen Flora und Fauna – bis sie im Laufe des Mittelalters komplett abgeholzt wurden. Alle deutschen Wälder sind Nachzuchten und alles andere als natürlich. Es handelt sich zum größten Teil um reine Nutzwälder. Da unsere Gier unsere eigene Produktion aber übersteigt, helfen wir durch unsere Importe dabei mit, in anderen Ländern – auch in Regenwaldgebieten – ein ähnliches Ergebnis zu erzielen. Es ist wie in vielen anderen Bereich auch: Wir lassen die Ressourcen anderer Länder, von deren Sorgen wir unmittelbar nichts mitbekommen, für unseren eigenen Konsum ausbluten. Büßten wir wirklich an Lebensqualität ein, wenn wir zum einen in noch mehr Bereichen konsequenter auf recyceltest Papier setzten und außerdem im Allgemeinen den Verbrauch verringern würden?

Quelle: http://www.pro-regenwald.de/pics/in47_prokopfverbrauch_k.jpg

Unsere Mülltonnen könnten Millionen Menschen ernähren

Je nach Quelle schwanken die Zahlen zwischen 11 und 20 Tonnen pro Jahr, doch klar ist, dass beide Werte katastrophal sind, geht es doch darum, wie viele Lebensmittel in Deutschland im Müll landen. Wir haben uns daran gewöhnt, so gut wie alles in ausreichenden Mengen unabhängig von der Jahreszeit im Supermarkt finden zu können und würden es sogar als schlechten Service empfinden, wenn wir eines der Regale mal leer vorfinden würden. Die Schattenseite dieses dekadenten Konsumverhaltens ist natürlich, dass viele an sich genießbare aber nicht abgesetzte Lebensmittel im Müll landen. Ähnlich geht es in Gaststätten zu. War es für ältere Generationen noch selbstverständlich, für jede Mahlzeit dankbar zu sein und allein deshalb aufzuessen, landen heuer kiloweise Speisereste im Müll, da klein Lukas sein Gemüse nicht mag und weil dem Papa das Steak zu zäh ist. Es wäre populistischer Unsinn zu sagen: „Na und? Diese Lebensmittel kann man auch nicht mehr nach Afrika schicken, also was soll die Aufregung?“ Nein, das würde tatsächlich kein Sinn machen, aber wenn wir stattdessen von der Selbstverständlichkeit der Überproduktion abrücken und die Lebensmittel den ärmeren Ländern zur Verfügung stellen würden, bevor sie auf unseren Tisch und in unsere Regale kämen, dann könnte man nachhaltig etwas verbessern. Natürlich gibt es weltweit genug Lebensmittel – und dennoch sind fast eine Milliarde Menschen chronisch unterernährt, da die Verteilung nicht dem Gebot der Fairness, sondern dem Recht des Stärkeren folgt. Das Absurdeste daran ist, dass Lebensmittel bei uns im Müll landen, die aus Ländern importiert wurden, in denen Menschen Hunger leiden. Nein, selbst wenn wir die Lebensmittel, die auf unserem Tisch stehen, nicht mehr nach Afrika schicken können, so sollte doch zumindest eine gewisse Demut davor, dass es uns im Gegensatz zu so vielen anderen Menschen so gut geht, dafür sorgen, rücksichtsvoller mit den Ressourcen umzugehen.

Überhaupt ist es schade, dass wir den Bezug zur natürlichen Ordnung größtenteils verloren haben. Wer weiß heutzutage schon noch, welches Gemüse bzw. Obst in welcher Saison auf unseren Feldern wächst? Der Bauernmarkt, wie es ihn in manchen Städten zum Glück noch gibt, steht für lokale, saisonale Produkte. Es geht nicht nur darum, die einheimischen Bauern zu stärken oder etwas gegen die Absurdität zu tun, Äpfel aus Neuseeland zu importieren, obwohl es auch genügend deutsche gibt; es geht auch darum, sich bewusster mit natürlichen Gegebenheiten auseinanderzusetzen – und um den Gedanken, dass ein Land im Rahmen seiner Möglichkeiten seine Bevölkerung auch selbst versorgen können sollte, anstatt andere Staaten auszubeuten.

Fleisch – Wie unsere Ernährung die Welt zerstört

Doch selbst die Lebensmittel, die nicht im Müll landen, haben während ihrer Herstellung oft katastrophale Folgen für die Natur gehabt. Ganz vorne dabei: Fleisch. Eigentlich ist es so trivial, und dennoch sträuben sich so viele indoktrinierte Bürger gegen den Gedanken, dass Fleisch nicht nur den Konsumenten, sondern vor allem auch der Umwelt schadet.

  1. Tiere machen Mist – und sehr viele Tiere machen sehr viel Mist. Dabei entsteht nicht nur eine ganze Menge des Treibhausgases Methan, sondern vor allem auch Gülle, die in Deutschland den Bedarf als Dünger weit übersteigt. Überhaupt haben wir vielerorts ein Problem mit zu hohen Nitratwerten in unserem Grundwasser. Die Ursache: Überdünkte Felder.
  2. Tiere brauchen Nahrung. Eines der Argumente, das Menschen gerne vorgehalten wird, die auf Fleisch verzichten, lautet: „Für euren Sojaanbau müssen aber große Flächen Regenwald abgeholzt werden.“ Entweder zeugt diese Aussage von bemitleidenswerter Unkenntnis oder von boshafter Lüge. Der größte Teil der Soja- und Maisproduktion, der für die Regenwaldzerstörung in Lateinamerika verantwortlich ist, landet in der Tiermast. Tatsächlich reichen aus dem in Punkt 3 genannten Gründen europäische Flächen für den eigenen Sojabedarf aus.
  3. Pflanzen sind Produzenten, Tiere sind Konsumenten – befinden sich also auf unterschiedlichen Trophieebenen. Auch ohne genau zu wissen, was eine Trophieebene ist, muss man lediglich verstehen, dass von einer Ebene zur nächsten, also z.B. vom Pflanzenfutter zum Rind, etwa 90% der verfügbaren Energie verloren gehen. Das gleiche trifft auf die nächste Ebene zu, wenn der Mensch also die Kuh isst. Im Vergleich zur ursprünglich in der Pflanze gespeicherten Energie bleibt so beim Menschen nur noch etwa 1% übrig. Die Tiere, die wir essen, sind nun einmal Warmblüter, sodass der größte Teil der Energie als Wärme verloren geht. Würde man also konsequent auf den Fleischkonsum verzichten und eine Trophieebene einsparen, würden viel kleinere landwirtschaftliche Flächen ausreichen, um den Nahrungsmittelbedarf zu decken.

Natürlich gibt es noch weitere gute Gründe, die gegen den Fleischkonsum sprechen, aber die genannten beziehen sich eben in erster Linie auf den Umweltschutzgedanken. Es gibt kaum einen Bereich in unserem Leben, in dem wir so stark den schädlichen Einfluss, den wir durch unsere Existenz auf die Natur haben, reduzieren können wie eben unsere Ernährung. Leider sieht die Politik das anders und sorgt mit ihren Subventionen dafür, dass der Fleischkonsum auch weiterhin hoch bleiben wird – weil er eben so billig ist.

Warum sollten wir Wasser sparen? Wir haben doch genug!

Eigentlich könnte man es als Fortschritt ansehen, dass der Wasserverbrauch in Deutschland in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückgegangen ist. Schließlich ist Wasser eine wertvolle Ressource, die wir schützen sollten. Doch schon kriechen die ewig gestrigen wieder aus ihren Löchern und bemängeln, dass uns das Wasser sparen ja gar nichts bringe, da Deutschland kein Trockengebiet sei und man den bedürftigen Ländern so auch nicht helfen könnte. Außerdem müsste nun sogar Wasser zusätzlich in die Kanalisation gepumpt werden, um deren Verkeimung zu verhindern. Stimmt, aber wenn die deutsche Bundeswehr weniger Einsätze hat, sagt man ja auch nicht, dass man neue Konflikte finden oder schaffen müsse, sondern macht sich stattdessen Gedanken darum, ob eine Verkleinerung des Heeres sinnvoll wäre. Bevor man also sagt, wir sollten langfristig wieder mehr Wasser in unsere Kanalisation pumpen, sollte man bei anstehenden Sanierungen vielleicht daran denken, diese dem veränderten Verbrauch anzupassen, insofern dies möglich ist.

Quelle: http://www.umwelt.niedersachsen.de/live/institution/mediadb/mand_10/pspic/zoombild/25/Entwicklun4b8d339fe1caa.jpg

Dagegen ist es durchaus nicht absurd darauf zu verweisen, dass den trockenen Ländern nicht geholfen ist, wenn wir unsere Hinterlassenschaften mit weniger Wasser wegspülen. Dabei werden aber zwei wichtige Punkte vergessen:

  1. Wenn wir Wasser sparen, sparen wir auch Energie. So muss Wasser nicht nur aufbereitet und geklärt, sondern vor allem auf befördert werden. Ohne Pumpen käme bei unseren Wasserhähnen gar nichts an.
  2. Es ist richtig, darauf zu verweisen, dass Wasser Teil eines Kreislaufes ist und dass man daher z.B. bei der Produktion von Rindfleisch nicht von einem Wasserverbrauch von 5000 Litern sprechen sollte. Auch richtig ist aber, dass Wasser kontaminiert und somit unbrauchbar gemacht werden kann. Desweiteren gibt es neben den globalen auch regionale Kreisläufe, auf die wir mit unserem Konsumverhalten einen großen Einfluss haben. Fallen unserem Papierverbrauch Wälder – wichtige Wasserspeicher – im Ausland zum Opfer, wird sich das Mikroklima dort ändern. Ähnlich sieht es durch den Import von Obst und Gemüse aus. Schließlich enthalten Pflanze viel Wasser, das so tonnenweise einer Region entzogen und einer anderen zugeführt wird. Der Effekt wäre vergleichbar mit dem, gleich tonnenweise Wasser aus den Flüssen in den Anbaugebieten abzuschöpfen und in unsere Länder zu bringen. Es kommt sogar zu der absurden Konstellation, dass z.B. in Kenia die Dürren immer schlimmer werden, das knappe Wasser aber gleichzeitig für die Produktion von Rosen eingesetzt wird, die wir wiederum importieren.

Nach mir die Sintflut

Ist die menschengemachte Klimaerwärmung nun Fakt oder nur Paranoia? Selbst wenn man sich als sogenannter Klimaskeptiker dagegen wehrt, dass die Menschen einen Einfluss auf das weltweite Klima haben, gibt es einen zentralen Punkt, den ich nicht verstehe. Selbst wenn der Klimawandel nicht durch uns verursacht wird, welchen objektiven Nachteil – abgesehen von Lobbyisteninteressen – haben die angestoßenen Maßnahmen zur Reduktion der Treibhausemmissionen? Vor wenigen Jahrzehnten konnte man in vielen deutschen Flüssen nicht baden gehen, da sie durch die Industrie völlig verseucht und frei jeden Lebens waren. Ganze Wälder waren durch den sauren Regen krank und vom Absterben bedroht. Die Luft in Industriegebieten war so schmutzig, dass viele Menschen dadurch erkrankten. Was folgte waren aus ureigenstem Interesse Maßnahmen zum Umweltschutz: Gefilterte Abgase, kein Blei mehr in Kraftstoffen, Fabriken durften ihre Abwässer nicht mehr einfach so in Gewässer leiten, giftiger Müll wurde stärker reglementiert. Die Natur erholte sich – und mit ihr auch die Menschen, deren Luft reiner und deren Trinkwasser wieder sauberer wurde. Umweltschutz ist auch Menschenschutz – und ich verstehe nicht, wie man dagegen argumentieren kann. Auch in Deutschland verursacht Feinstaub noch viele Erkrankungen und Todesfälle, aber in Ballungsgebieten in Entwicklungsländern ist die Umweltbelastung oft so hoch, dass z.B. Smog zum Alltag gehört.

Die Verbrennung fossiler Rohstoffe verschmutzt ohne Frage unsere Umwelt. Wer außer profitorientiere Wirtschaftsvertreter kann sich also guten Gewissens dafür einsetzen, auch weiterhin auf diese Energiequelle zu setzen? Doch auch hier kommt es wieder auf unser eigenes Verhalten an. Der Deutsche hat ein ganz spezielles Verhältnis zu seinem eigenen Auto und gönnt sich als einziges Land den Luxus, ohne Geschwindigkeitsbegrenzung über die Autobahn rasen zu dürfen. Auch das ist Umweltverschmutzung. Viel wichtiger ist aber die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel, des Fahrrads oder der Gang zu Fuß. Wir erwarten in unseren Städten, überall Parkplätze zu finden, die natürlich am besten nichts kosten sollten. Durch den Individualverkehr steigt aber nicht nur die Feinstaubbelastung, sondern auch die Lebensqualität der Anwohner und Passanten, denn neben Schmutz macht auch Lärm krank. Überhaupt fehlt oft der Gemeinschaftsgedanke. Würde doch jeder mit öffentlichen Flächen so umgehen, wie er es mit seinem eigenen Garten macht…

Doch Nachhaltigkeit ist eben nicht unsere Stärke, denn sie erfordert Mühen und verlangt, Abstriche zu machen. So wird der nächsten Generation in vielen Bereichen ein schweres Erbe hinterlassen, da dringende Fragen immer wieder vor sich hergeschoben werden. Ein besonders bitteres Geschenk für die Zukunft ist z.B. der Atommüll, dessen Lagerung noch immer nicht geklärt ist. Jeder, der auch nur eine Ahnung von Halbwertszeiten hat, wird wissen, dass uns diese Hinterlassenschaften einer energiehungrigen Gesellschaft für Tausende von Jahren belasten werden.

Was kann ich allein schon tun?

Ja, ja, die übliche Ausrede. Wir leben in einer freien Marktwirtschaft, in der die Nachfrage das Angebot bestimmt, reden uns aber ein, dass wir selbst nichts verändern können. Mit der gleichen Begründung gehen manche Menschen nicht wählen, obwohl man bei der letzten Bundestagswahl deutlich sehen konnte, dass auch wenige Stimmen wichtige Entscheidungen beeinflussen, ob z.B. die FDP und die AfD in den Bundestag einziehen oder ob die CDU/CSU die absolute Mehrheit bekommt. Fakt ist: Ein Veganer hat nichts mit dem Greul der Massentierhaltung zu tun. Jemand, der auf tierische Produkte zurückgreift, hingegen schon. Jemand, der sich bewusst und kritisch mit seinem Papier-, Wasser- und Energieverbrauch auseinandersetzt hat einen geringeren Anteil an der Umweltverschmutzung als jemand, der es nicht tut. Jemand, der seine Kleidung und seine elektronischen Geräte benutzt, solange sie funktionieren, hat weniger mit der Ausbeutung von Umwelt und armen Arbeitern zu tun, als jemand, der dies nicht tut. Es wird höchste Zeit, dass wir die Verantwortung für unser eigenes Handeln und für den Effekt auf die Umwelt, den wir unweigerlich haben, übernehmen.

Das Problem ist ja nicht etwa, dass die Menschen die Welt zerstören, weil sie boshaft sind. Sie tun es, weil es bequem ist. Sich keine Gedanken über sein Konsumverhalten zu machen und sich immer wieder einzureden, dass man selbst eh keinen Einfluss hat ist deutlich einfacher als sich tatsächlich kritisch mit der Thematik auseinanderzusetzen und sich selbst zu engagieren. Nicht nur der konsumsüchtige Amerikaner oder der umweltverachtende Chinese zerstören den Planeten – unser aller Lebensgrundlage –, sondern jeder einzelne von uns auch. Das Ausmaß der Zerstörung, die wir zu verantworten haben, können wir beeinflussen. Wir können diese Verantwortung abstreiten oder ignorieren, doch die Validität einer Wahrheit hängt nicht von ihrer Akzeptanz ab. Ich möchte meinen schädlichen Einfluss reduzieren, um am Ende zumindest sagen zu können, ich habe es probiert. Ich bin deswegen nicht automatisch ein besserer Mensch, aber zumindest weiß ich, warum ich tue, was ich tue. Nur wer es selbst erlebt und ausprobiert hat wird verstehen, wie viel Sinn idealistisches Handeln dem eigenen Leben geben kann.

Edmund Burke evil triumphs if good men do nothing

Quelle: http://www.stillthinking.org/thinking-2/still-thinking-about-half-truth-emails/