Verschwendung – Unser gutes Recht?


„Kaufen Sie sich doch ein neues Gerät!

Die Reparatur würde fast genauso viel kosten“, sagte man mir neulich in einem Elektrogeschäft, welches ich damit beauftragen wollte, meinen Mixer zu reparieren. Aha, ein kleines Teil im Inneren des Gerätes ist kaputt und dennoch würde dessen Austausch in etwa genauso viel kosten wie ein komplett neuer Mixer? Sicher, besonders überrascht hat mich diese Erkenntnis nicht, aber ein wenig geärgert. Wir leben im wahrsten Sinne des Wortes in einer Wegwerfgesellschaft, in der Konsum alles und Nachhaltigkeit fast nichts zählt. Verschwendung ist Teil unseres Lebensstils – darauf zu verzichten wird als inakzeptable Einschränkung des Wohlstandes, oder – noch pathetischer ausgedrückt – der Freiheit angesehen. Wir haben die Freiheit unseren Planeten zu zerstören – und wir machen reichlich Gebrauch davon. Das gleiche trifft natürlich auch auf andere Industriestaaten zu, aber in erster Linie sollte man die Gruppe kritisieren, der man angehört, da man bei ihr am wahrscheinlichsten für Veränderungen sorgen kann.

Als Reparaturen noch salonfähig waren

Es ist wahrlich eine Erscheinung einer verwöhnten Wohlstandsgesellschaft, dass man sich nicht in erster Linie darum Gedanken macht, Ressourcen zu schonen. Vor ein paar Jahrzehnten konnten handwerklich geschickte Personen in den übersichtlichen Motorräumen ihrer Autos noch vieles selbst reparieren. Heute, im Zeitalter rollender Computer, können selbst Fachwerkstätten nicht mehr gezielt Einzelteile austauschen, sondern müssen stattdessen ganze Module kostspielig ersetzen. Die wenigsten Autos auf deutschen Straßen sind älter als zehn Jahre, da irgendwann die Reparaturkosten die Ausgaben für einen Neukauf übersteigen. Man könnte meinen, dahinter stecke System, denn was sollte die mächtige hiesige Autoindustrie auch machen, wenn der Bedarf an Neuwagen dramatisch zurückginge, da plötzlich alle Fahrzeuge durchschnittlich zwanzig Jahre problemlos zu benutzen wären?

Das gleich begegnet uns bei unseren alltäglichen Elektrogeräten. Toaster kaputt? Kaufen wir eben einen neuen. Die Mikrowelle geht nicht mehr? Weg damit! Was kostet die Welt? Wenn man aber tatsächlich ein Gerät reparieren lassen anstatt ein neues kaufen zu wollen, trifft man meist nur auf Unverständnis. „Aber ein neues Gerät ist doch kaum teurer!“, ist dann das beliebteste Argument, das verdeutlicht, wie tief sich der Gedanke der Wegwerfgesellschaft in unsere Köpfe eingebrannt hat. Doch das Geld an sich ist eben nicht das einzige, worauf es ankommt. Jedes Gerät besteht aus Rohstoffen, in erster Linie aus Metallen und Plastiken, die aufwendig gewonnen bzw. hergestellt werden müssen und die Umwelt belasten. Schon heute sind unsere Weltmeere von Plastikmüll durchseucht. Hinzu kommt das Problem der Entsorgung von Elektroschrott, der oft in Entwicklungsländer exportiert und dort unter unsäglichen Bedingungen von lokalen Arbeitern weiterverarbeitet wird. Doch auch unsere Gesundheit ist in Gefahr, denn Schwermetalle und andere Giftstoffe, die auf hiesigen Müllhalden lagern, können ins Grundwasser gelangen und uns so belasten. Der klassische Deutsche Meckerer beschwert sich immer gern darüber (nachdem er sich ein Gerät Made in China gekauft hat), dass im eigenen Land zu wenige Arbeitsplätze geschaffen und stattdessen zu viele Produkte aus dem Ausland importiert werden. Wäre ein Sinneswandel hin zu einer Renaissance des Reparierens, der Ressourcenschonung und der Nachhaltigkeit nicht auch eine große Chance für Tausende Elektronikgeschäfte, die sich wieder vermehrt mit der Reparatur von Geräten befassen könnten?

Quelle: http://polpix.sueddeutsche.com/bild/1.1240038.1355474500/860×860/elektroschrott.jpg

Der Mode ist die Umwelt herzlich egal

Warum kaufen wir uns ein neues Handy? Oder neue Kleidung? Weil die alte Ware kaputt und nicht mehr zu gebrauchen war? Oder weil wir was Neues, Schickes haben wollen? Sicher, einige Bürger gehen ähnlich pragmatisch wie ich an die Sache und lassen sich nicht von Trends und dem, was eben gerade angesagt ist, steuern. Doch zu oft entscheidet nicht der praktische Nutzen über eine neue Anschaffung, sondern das Geltungsbewusstsein. So muss man sich heutzutage fast schon rechtfertigen, wenn man kein Smartphone besitzt. Sagt man dann auch noch, dass man seine Kleidung aus Gebrauchtwarenläden bezieht, wird man komplett schief angesehen, denn Armut wird in unserer Gesellschaft als etwas Beleidigendes, Unredliches begriffen, so als ob die Person, die arm ist, faul oder dumm sei. Doch es geht nicht nur ums Geld, sondern auch um den zerstörerischen Einfluss unseres Konsumverhaltens. Kleidungsstücke werden in der Regel nicht in der Europäischen Union, sondern in Asien hergestellt. Auch sie stehen für einen hohen Verbrauch an Wasser, Energie und Rohstoffen. So werden für die Herstellung einer Hose Tausende Liter Wasser benötigt, die Rohstoffe werden Tausende von Kilometern um den Erdball transportiert, bis das fertige Produkt schließlich bei uns ankommt. Wenn wir dann eine Jeans für zehn Euro kaufen, dann steht fest, dass weder die Arbeiterinnen einen fairen Lohn dafür bekamen noch das die Umwelt bei der Produktion geschont wurde. Dennoch gehen wir so sorglos mit unserer Kleidung um und tauschen sie beliebig aus, weil sie uns nicht mehr gefällt. Jemand, der hingegen gebrauche Kleidung kauft, also solche, die ohne entsprechende Läden im Müll gelandet wäre, verursacht keine weitere Umweltbelastung.

 

Ähnlich verheerend ist die Bilanz bei den elektronischen Geräten, die in nur wenigen Jahren eine ganz neue Form der Sucht und Abhängigkeit hervorgebracht haben. Wir kaufen uns kein neues Handy, weil das alte kaputt war, sondern meistens, weil wir ein aktuelleres haben möchten. Wie sehr die Menschen bzw. die Umwelt bei der Produktion leiden mussten, ist uns herzlich egal, was ich ausführlich bereits in Thank you, Steve Jobs thematisiert hatte.

Wir sind Weltmeister – im Papierverbrauch

Pro Kopf verbrauchen die Deutschen im Jahr um die 250 Kilogramm Papier (insgesamt 19 Millionen Tonnen) – und liegen damit im internationalen Vergleich ganz weit vorne. Während Bücher und Zeitungen noch zu den vernünftigeren Arten des Papierverbrauchs gehören, spiegeln andere Anwendungen unseren respektlosen Umgang mit unserer Natur wieder: Wir fällen Bäume, um uns damit den Hintern abzuwischen. Wir zerstören Wälder, um haufenweise Werbe-Spam im Printformat herzustellen, die zum größten Teil vom Briefkasten direkt in den Papierkorb wandern. Wir mögen es – egal ob im Beruf oder in der Ausbildung –, alles auszudrucken, um es „zur Hand“ zu haben, auch wenn wir wahrscheinlich nie mehr darauf zurückgreifen werden. Doch die Herstellung von Papier ist eben keine Kleinigkeit, sondern mit einem immensen Holz-, Wasser und Energieverbrauch verbunden. Die Herstellung von 100 Kilogramm Papier aus Holz setzt 110 Kilogramm CO2 frei und benötigt 300 Kilogramm Holz, 5.000 Liter Wasser und 1.000 Kilowattstunden Energie. Unsere öden deutschen Wälder, die oft nur aus einer bis wenigen Baumarten bestehen wie etwa Kiefer, Fichte oder Buche, sind das Ergebnis unseres Holzwahns. Auch in Deutschland gab es irgendwann einmal Urwälder mit einer vielfältigen Flora und Fauna – bis sie im Laufe des Mittelalters komplett abgeholzt wurden. Alle deutschen Wälder sind Nachzuchten und alles andere als natürlich. Es handelt sich zum größten Teil um reine Nutzwälder. Da unsere Gier unsere eigene Produktion aber übersteigt, helfen wir durch unsere Importe dabei mit, in anderen Ländern – auch in Regenwaldgebieten – ein ähnliches Ergebnis zu erzielen. Es ist wie in vielen anderen Bereich auch: Wir lassen die Ressourcen anderer Länder, von deren Sorgen wir unmittelbar nichts mitbekommen, für unseren eigenen Konsum ausbluten. Büßten wir wirklich an Lebensqualität ein, wenn wir zum einen in noch mehr Bereichen konsequenter auf recyceltest Papier setzten und außerdem im Allgemeinen den Verbrauch verringern würden?

Quelle: http://www.pro-regenwald.de/pics/in47_prokopfverbrauch_k.jpg

Unsere Mülltonnen könnten Millionen Menschen ernähren

Je nach Quelle schwanken die Zahlen zwischen 11 und 20 Tonnen pro Jahr, doch klar ist, dass beide Werte katastrophal sind, geht es doch darum, wie viele Lebensmittel in Deutschland im Müll landen. Wir haben uns daran gewöhnt, so gut wie alles in ausreichenden Mengen unabhängig von der Jahreszeit im Supermarkt finden zu können und würden es sogar als schlechten Service empfinden, wenn wir eines der Regale mal leer vorfinden würden. Die Schattenseite dieses dekadenten Konsumverhaltens ist natürlich, dass viele an sich genießbare aber nicht abgesetzte Lebensmittel im Müll landen. Ähnlich geht es in Gaststätten zu. War es für ältere Generationen noch selbstverständlich, für jede Mahlzeit dankbar zu sein und allein deshalb aufzuessen, landen heuer kiloweise Speisereste im Müll, da klein Lukas sein Gemüse nicht mag und weil dem Papa das Steak zu zäh ist. Es wäre populistischer Unsinn zu sagen: „Na und? Diese Lebensmittel kann man auch nicht mehr nach Afrika schicken, also was soll die Aufregung?“ Nein, das würde tatsächlich kein Sinn machen, aber wenn wir stattdessen von der Selbstverständlichkeit der Überproduktion abrücken und die Lebensmittel den ärmeren Ländern zur Verfügung stellen würden, bevor sie auf unseren Tisch und in unsere Regale kämen, dann könnte man nachhaltig etwas verbessern. Natürlich gibt es weltweit genug Lebensmittel – und dennoch sind fast eine Milliarde Menschen chronisch unterernährt, da die Verteilung nicht dem Gebot der Fairness, sondern dem Recht des Stärkeren folgt. Das Absurdeste daran ist, dass Lebensmittel bei uns im Müll landen, die aus Ländern importiert wurden, in denen Menschen Hunger leiden. Nein, selbst wenn wir die Lebensmittel, die auf unserem Tisch stehen, nicht mehr nach Afrika schicken können, so sollte doch zumindest eine gewisse Demut davor, dass es uns im Gegensatz zu so vielen anderen Menschen so gut geht, dafür sorgen, rücksichtsvoller mit den Ressourcen umzugehen.

Überhaupt ist es schade, dass wir den Bezug zur natürlichen Ordnung größtenteils verloren haben. Wer weiß heutzutage schon noch, welches Gemüse bzw. Obst in welcher Saison auf unseren Feldern wächst? Der Bauernmarkt, wie es ihn in manchen Städten zum Glück noch gibt, steht für lokale, saisonale Produkte. Es geht nicht nur darum, die einheimischen Bauern zu stärken oder etwas gegen die Absurdität zu tun, Äpfel aus Neuseeland zu importieren, obwohl es auch genügend deutsche gibt; es geht auch darum, sich bewusster mit natürlichen Gegebenheiten auseinanderzusetzen – und um den Gedanken, dass ein Land im Rahmen seiner Möglichkeiten seine Bevölkerung auch selbst versorgen können sollte, anstatt andere Staaten auszubeuten.

Fleisch – Wie unsere Ernährung die Welt zerstört

Doch selbst die Lebensmittel, die nicht im Müll landen, haben während ihrer Herstellung oft katastrophale Folgen für die Natur gehabt. Ganz vorne dabei: Fleisch. Eigentlich ist es so trivial, und dennoch sträuben sich so viele indoktrinierte Bürger gegen den Gedanken, dass Fleisch nicht nur den Konsumenten, sondern vor allem auch der Umwelt schadet.

  1. Tiere machen Mist – und sehr viele Tiere machen sehr viel Mist. Dabei entsteht nicht nur eine ganze Menge des Treibhausgases Methan, sondern vor allem auch Gülle, die in Deutschland den Bedarf als Dünger weit übersteigt. Überhaupt haben wir vielerorts ein Problem mit zu hohen Nitratwerten in unserem Grundwasser. Die Ursache: Überdünkte Felder.
  2. Tiere brauchen Nahrung. Eines der Argumente, das Menschen gerne vorgehalten wird, die auf Fleisch verzichten, lautet: „Für euren Sojaanbau müssen aber große Flächen Regenwald abgeholzt werden.“ Entweder zeugt diese Aussage von bemitleidenswerter Unkenntnis oder von boshafter Lüge. Der größte Teil der Soja- und Maisproduktion, der für die Regenwaldzerstörung in Lateinamerika verantwortlich ist, landet in der Tiermast. Tatsächlich reichen aus dem in Punkt 3 genannten Gründen europäische Flächen für den eigenen Sojabedarf aus.
  3. Pflanzen sind Produzenten, Tiere sind Konsumenten – befinden sich also auf unterschiedlichen Trophieebenen. Auch ohne genau zu wissen, was eine Trophieebene ist, muss man lediglich verstehen, dass von einer Ebene zur nächsten, also z.B. vom Pflanzenfutter zum Rind, etwa 90% der verfügbaren Energie verloren gehen. Das gleiche trifft auf die nächste Ebene zu, wenn der Mensch also die Kuh isst. Im Vergleich zur ursprünglich in der Pflanze gespeicherten Energie bleibt so beim Menschen nur noch etwa 1% übrig. Die Tiere, die wir essen, sind nun einmal Warmblüter, sodass der größte Teil der Energie als Wärme verloren geht. Würde man also konsequent auf den Fleischkonsum verzichten und eine Trophieebene einsparen, würden viel kleinere landwirtschaftliche Flächen ausreichen, um den Nahrungsmittelbedarf zu decken.

Natürlich gibt es noch weitere gute Gründe, die gegen den Fleischkonsum sprechen, aber die genannten beziehen sich eben in erster Linie auf den Umweltschutzgedanken. Es gibt kaum einen Bereich in unserem Leben, in dem wir so stark den schädlichen Einfluss, den wir durch unsere Existenz auf die Natur haben, reduzieren können wie eben unsere Ernährung. Leider sieht die Politik das anders und sorgt mit ihren Subventionen dafür, dass der Fleischkonsum auch weiterhin hoch bleiben wird – weil er eben so billig ist.

Warum sollten wir Wasser sparen? Wir haben doch genug!

Eigentlich könnte man es als Fortschritt ansehen, dass der Wasserverbrauch in Deutschland in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückgegangen ist. Schließlich ist Wasser eine wertvolle Ressource, die wir schützen sollten. Doch schon kriechen die ewig gestrigen wieder aus ihren Löchern und bemängeln, dass uns das Wasser sparen ja gar nichts bringe, da Deutschland kein Trockengebiet sei und man den bedürftigen Ländern so auch nicht helfen könnte. Außerdem müsste nun sogar Wasser zusätzlich in die Kanalisation gepumpt werden, um deren Verkeimung zu verhindern. Stimmt, aber wenn die deutsche Bundeswehr weniger Einsätze hat, sagt man ja auch nicht, dass man neue Konflikte finden oder schaffen müsse, sondern macht sich stattdessen Gedanken darum, ob eine Verkleinerung des Heeres sinnvoll wäre. Bevor man also sagt, wir sollten langfristig wieder mehr Wasser in unsere Kanalisation pumpen, sollte man bei anstehenden Sanierungen vielleicht daran denken, diese dem veränderten Verbrauch anzupassen, insofern dies möglich ist.

Quelle: http://www.umwelt.niedersachsen.de/live/institution/mediadb/mand_10/pspic/zoombild/25/Entwicklun4b8d339fe1caa.jpg

Dagegen ist es durchaus nicht absurd darauf zu verweisen, dass den trockenen Ländern nicht geholfen ist, wenn wir unsere Hinterlassenschaften mit weniger Wasser wegspülen. Dabei werden aber zwei wichtige Punkte vergessen:

  1. Wenn wir Wasser sparen, sparen wir auch Energie. So muss Wasser nicht nur aufbereitet und geklärt, sondern vor allem auf befördert werden. Ohne Pumpen käme bei unseren Wasserhähnen gar nichts an.
  2. Es ist richtig, darauf zu verweisen, dass Wasser Teil eines Kreislaufes ist und dass man daher z.B. bei der Produktion von Rindfleisch nicht von einem Wasserverbrauch von 5000 Litern sprechen sollte. Auch richtig ist aber, dass Wasser kontaminiert und somit unbrauchbar gemacht werden kann. Desweiteren gibt es neben den globalen auch regionale Kreisläufe, auf die wir mit unserem Konsumverhalten einen großen Einfluss haben. Fallen unserem Papierverbrauch Wälder – wichtige Wasserspeicher – im Ausland zum Opfer, wird sich das Mikroklima dort ändern. Ähnlich sieht es durch den Import von Obst und Gemüse aus. Schließlich enthalten Pflanze viel Wasser, das so tonnenweise einer Region entzogen und einer anderen zugeführt wird. Der Effekt wäre vergleichbar mit dem, gleich tonnenweise Wasser aus den Flüssen in den Anbaugebieten abzuschöpfen und in unsere Länder zu bringen. Es kommt sogar zu der absurden Konstellation, dass z.B. in Kenia die Dürren immer schlimmer werden, das knappe Wasser aber gleichzeitig für die Produktion von Rosen eingesetzt wird, die wir wiederum importieren.

Nach mir die Sintflut

Ist die menschengemachte Klimaerwärmung nun Fakt oder nur Paranoia? Selbst wenn man sich als sogenannter Klimaskeptiker dagegen wehrt, dass die Menschen einen Einfluss auf das weltweite Klima haben, gibt es einen zentralen Punkt, den ich nicht verstehe. Selbst wenn der Klimawandel nicht durch uns verursacht wird, welchen objektiven Nachteil – abgesehen von Lobbyisteninteressen – haben die angestoßenen Maßnahmen zur Reduktion der Treibhausemmissionen? Vor wenigen Jahrzehnten konnte man in vielen deutschen Flüssen nicht baden gehen, da sie durch die Industrie völlig verseucht und frei jeden Lebens waren. Ganze Wälder waren durch den sauren Regen krank und vom Absterben bedroht. Die Luft in Industriegebieten war so schmutzig, dass viele Menschen dadurch erkrankten. Was folgte waren aus ureigenstem Interesse Maßnahmen zum Umweltschutz: Gefilterte Abgase, kein Blei mehr in Kraftstoffen, Fabriken durften ihre Abwässer nicht mehr einfach so in Gewässer leiten, giftiger Müll wurde stärker reglementiert. Die Natur erholte sich – und mit ihr auch die Menschen, deren Luft reiner und deren Trinkwasser wieder sauberer wurde. Umweltschutz ist auch Menschenschutz – und ich verstehe nicht, wie man dagegen argumentieren kann. Auch in Deutschland verursacht Feinstaub noch viele Erkrankungen und Todesfälle, aber in Ballungsgebieten in Entwicklungsländern ist die Umweltbelastung oft so hoch, dass z.B. Smog zum Alltag gehört.

Die Verbrennung fossiler Rohstoffe verschmutzt ohne Frage unsere Umwelt. Wer außer profitorientiere Wirtschaftsvertreter kann sich also guten Gewissens dafür einsetzen, auch weiterhin auf diese Energiequelle zu setzen? Doch auch hier kommt es wieder auf unser eigenes Verhalten an. Der Deutsche hat ein ganz spezielles Verhältnis zu seinem eigenen Auto und gönnt sich als einziges Land den Luxus, ohne Geschwindigkeitsbegrenzung über die Autobahn rasen zu dürfen. Auch das ist Umweltverschmutzung. Viel wichtiger ist aber die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel, des Fahrrads oder der Gang zu Fuß. Wir erwarten in unseren Städten, überall Parkplätze zu finden, die natürlich am besten nichts kosten sollten. Durch den Individualverkehr steigt aber nicht nur die Feinstaubbelastung, sondern auch die Lebensqualität der Anwohner und Passanten, denn neben Schmutz macht auch Lärm krank. Überhaupt fehlt oft der Gemeinschaftsgedanke. Würde doch jeder mit öffentlichen Flächen so umgehen, wie er es mit seinem eigenen Garten macht…

Doch Nachhaltigkeit ist eben nicht unsere Stärke, denn sie erfordert Mühen und verlangt, Abstriche zu machen. So wird der nächsten Generation in vielen Bereichen ein schweres Erbe hinterlassen, da dringende Fragen immer wieder vor sich hergeschoben werden. Ein besonders bitteres Geschenk für die Zukunft ist z.B. der Atommüll, dessen Lagerung noch immer nicht geklärt ist. Jeder, der auch nur eine Ahnung von Halbwertszeiten hat, wird wissen, dass uns diese Hinterlassenschaften einer energiehungrigen Gesellschaft für Tausende von Jahren belasten werden.

Was kann ich allein schon tun?

Ja, ja, die übliche Ausrede. Wir leben in einer freien Marktwirtschaft, in der die Nachfrage das Angebot bestimmt, reden uns aber ein, dass wir selbst nichts verändern können. Mit der gleichen Begründung gehen manche Menschen nicht wählen, obwohl man bei der letzten Bundestagswahl deutlich sehen konnte, dass auch wenige Stimmen wichtige Entscheidungen beeinflussen, ob z.B. die FDP und die AfD in den Bundestag einziehen oder ob die CDU/CSU die absolute Mehrheit bekommt. Fakt ist: Ein Veganer hat nichts mit dem Greul der Massentierhaltung zu tun. Jemand, der auf tierische Produkte zurückgreift, hingegen schon. Jemand, der sich bewusst und kritisch mit seinem Papier-, Wasser- und Energieverbrauch auseinandersetzt hat einen geringeren Anteil an der Umweltverschmutzung als jemand, der es nicht tut. Jemand, der seine Kleidung und seine elektronischen Geräte benutzt, solange sie funktionieren, hat weniger mit der Ausbeutung von Umwelt und armen Arbeitern zu tun, als jemand, der dies nicht tut. Es wird höchste Zeit, dass wir die Verantwortung für unser eigenes Handeln und für den Effekt auf die Umwelt, den wir unweigerlich haben, übernehmen.

Das Problem ist ja nicht etwa, dass die Menschen die Welt zerstören, weil sie boshaft sind. Sie tun es, weil es bequem ist. Sich keine Gedanken über sein Konsumverhalten zu machen und sich immer wieder einzureden, dass man selbst eh keinen Einfluss hat ist deutlich einfacher als sich tatsächlich kritisch mit der Thematik auseinanderzusetzen und sich selbst zu engagieren. Nicht nur der konsumsüchtige Amerikaner oder der umweltverachtende Chinese zerstören den Planeten – unser aller Lebensgrundlage –, sondern jeder einzelne von uns auch. Das Ausmaß der Zerstörung, die wir zu verantworten haben, können wir beeinflussen. Wir können diese Verantwortung abstreiten oder ignorieren, doch die Validität einer Wahrheit hängt nicht von ihrer Akzeptanz ab. Ich möchte meinen schädlichen Einfluss reduzieren, um am Ende zumindest sagen zu können, ich habe es probiert. Ich bin deswegen nicht automatisch ein besserer Mensch, aber zumindest weiß ich, warum ich tue, was ich tue. Nur wer es selbst erlebt und ausprobiert hat wird verstehen, wie viel Sinn idealistisches Handeln dem eigenen Leben geben kann.

Edmund Burke evil triumphs if good men do nothing

Quelle: http://www.stillthinking.org/thinking-2/still-thinking-about-half-truth-emails/

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