Von Schwimmern und anderen Idioten


Eins vorweg:

Die Überschrift dieses Artikels mag ein wenig irreführend sein. Ich gehe gerne schwimmen und würde diese sanfte, aber doch ausdauernde Sportart jedem empfehlen. Da man im Becken aber in der Regel nicht allein ist sondern sich dieses mit anderen Wassersportlern teilen muss, unter denen sich eben auch Idioten finden können, ist dieses Hobby nicht immer so entspannend, wie es sein könnte. Genauso könnte man sich über rücksichtslose Autofahrer aufregen, ohne das Fahren an sich zu verurteilen.

Ich selbst gehöre zu den Neueinsteigern.

Das darf man wörtlich nehmen. Zwar kann ich mich schon seit vielen Jahren recht problemlos über Wasser halten, so richtig wohl habe ich mich jedoch nie im meist kalten Nass gefühlt. Außerdem – und diese Info ist immer wieder für ein wenig Spott gut – gehöre ich zu einer sehr kleinen Minderheit, die nicht von sich behaupten kann, das Seepferdchen bestanden zu haben. Damals, in der dritten Klasse, konnte der kleine dicke Stephan eben noch nicht schwimmen (oder zumindest nicht ohne Schwimmflügel). Tauchen konnte ich erst recht nicht (der Hintern wollte einfach nicht unter die Wasseroberfläche – ein wahrscheinlich recht erbärmlicher Anblick…) – und vom Einmeterbrett zu springen war erst recht nicht drin.

Doch da mich das Seepferdchen

auf der Badehose als Statussymbol genauso wenig interessiert wie der Doktor auf dem Personalausweis habe ich mich nie daran gestört. Genauso ist der Fahrradführerschein, den ich ebenfalls als einer von wenigen in der Grundschule nicht bekommen habe, eine völlig überbewerte Methode, kleine dicke Kinder mit schlechtem Gleichgewichtssinn zu stigmatisieren. Irgendwann mit Mitte zwanzig brauchte ich schließlich keine schriftliche Bestätigung von meinen Eltern mehr, alleine ins Wasser gehen zu dürfen. Letztendlich habe ich mich nun dazu entschieden, seit Dezember freiwillig regelmäßig schwimmen zu gehen, da ich meiner einstigen Liebe Fußball weniger Beachtung schenken aber trotzdem noch regelmäßig Sport treiben möchte.

Recht schnell wurde ich

mit fundamentalen Vor- und Nachteilen vertraut: Schwimmen ist langweilig, verdammt langweilig! In einem 25-Meter-Becken vierzig bis achtzig Mal hin und her zu schwimmen setzt genauso viel psychische wie physische Stärke voraus. An so viel Mist kann man gar nicht denken, um eine Stunde interessant hinter sich zu bringen. Zwangsläufig schaut man sich an, was die anderen Leute im Wasser so treiben – und kommt sich dabei eigentlich mächtig blöd vor. Dennoch, die Vorteile sind es wert. Das Schwimmen ist ein Sport, der tatsächlich den ganzen Körper trainiert – und das schonend. Weder Gelenke noch Bänder werden belastet, dafür aber jede Menge Muskeln trainiert und gestärkt. Meine Rückenschmerzen, die sich anschickten, chronisch zu werden, sind verschwunden, seit ich schwimme. Genauso habe ich mit weniger muskulären Problemen zu kämpfen, die auf den Fußball zurückgehen. Ganz nebenbei ist ein gewisser Effekt auch sichtbar: Wer viel schwimmt, verbrennt eine ganze Menge Kalorien – und baut Muskeln auf.

So weit, so gut,

aber was hat es nun mit diesen Idioten auf sich? Also, ich bin ein gemütlicher Brustschwimmer, den nicht die Schnelligkeit, sondern die Ausdauer interessiert. Ich versuche rücksichtsvoll und niemandem im Weg zu sein. Manchmal ist das aber gar nicht so einfach, wenn das Schwimmbecken deutlich überfüllt ist. Wären alle Schwimmer rücksichtsvoll, gäbe es keine Probleme, aber sie sind es nun einmal nicht.

Da gibt es die Gruppe von Schwimmern,

die hastig durchs Wasser krault und davon ausgeht, dass ihnen jeder aus dem Weg geht. Zwar haben sie genauso viel Eintritt bezahlt wie alle anderen Gäste auch, aber schließlich schwimmen sie schneller – und sie haben eine Schwimmbrille auf, mit der nicht nur jeder Träger automatisch unfreundlicher aussieht, sondern die unbewusst auch für Professionalität stehen soll. Ob sie andere, gemütliche Schwimmer bespritzen oder mit ihrem Arm- oder Beinschlag bedrängen, interessiert sie wenig. Schwimmen sie auf einen zu, weichen nicht sie aus, sondern setzen voraus, dass der andere es tut. Treffen zwei von ihnen aufeinander, kann es zu handfesten Streitereien kommen. Auch Frauen fallen in diese Gruppe, meistens handelt es sich aber um territoriale Männchen.

Eine andere Gruppe,

die ebenfalls rücksichtslos, wenn auch auf eine ganz andere Art, ist, sind Pärchenschwimmer. In der Regel handelt es sich hierbei um zwei Frauen, die unabhängig davon, wie schnell sie schwimmen und wie voll das Becken ist darauf bestehen, gemütlich mit großzügigem Abstand nebeneinanderherzuschwimmen und dabei zu plauschen. Schwimmt man auf sie zu, machen sie höchstens murrend Platz, möchte man sie von hinten überholen, muss man das in einem weiten Bogen tun. Bei dieser Variante fällt natürlich der Nachteil, dass man nicht weiß, an was man beim Schwimmen eine Stunde lang denken soll, weg.

Dann gibt es da noch die Beckenrandblockierer.

Eigentlich ist es ja selbstverständlich, dass man bis zum Beckenrand schwimmt, bevor man umdreht. Manche Gäste blockieren aber genau diesen und stehen dort ewig rum, nur um alle fünf Minuten mal zwei Bahnen zu schwimmen. Vielleicht sind sie auch einfach nur neugierige Beobachter der anderen Wassersportler.

Da gibt es auch noch die Verspielten.

Eigentlich ist es ja kein Problem, wenn Eltern mit ihren Kindern oder Kinder untereinander im Becken spielen, aber wenn es nun einmal – so wie in dem Schwimmbad, das ich bevorzuge – eine Trennung zwischen Spaßbad und Schwimmbecken gibt, dann ist es schon ein wenig störend, wenn die Verspielten ins Schwimmbecken kommen, nur weil dies vielleicht etwas billiger ist.

Im Endeffekt

haben natürlich alle das gleiche Recht, im Schwimmbecken genau das zu machen, was sie machen wollen. Wie so oft in unserer Gesellschaft wäre uns aber allen geholfen, wenn wir uns ein wenig mehr in Rücksicht üben würden. Ansonsten könnten Männer Ende zwanzig ohne Seepferdchen vergrault werden.

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