Die männliche Beschneidung – harmloser religiöser Eingriff oder Verstoß gegen das Recht der persönlichen Unversehrtheit?


Ich bin nicht gerade das,

was man einen aufrechten Patrioten nennt. Viel zu viele Dinge stören mich im Land meiner Geburt als das ich aufrichtig behaupten könnte, stolz darauf zu sein, die deutsche Staatsbürgerschaft mein eigen zu nennen. Warum singen wir immer noch die gleiche Nationalhymne, die in unserer schwärzesten Stunde Identitätssymbol von Hitler und seinen Schergen war? Warum trifft man in diesem Land, das zu den reichsten der Welt gehört, immer wieder auf Menschen, die sich ihr Leben schlecht reden und aus dem Jammern und Meckern nicht mehr heraus kommen? Warum macht dieser, unser Staat so viele fragwürdige Geschäfte mit Partnern, die sich einen Dreck um Menschenrechte scheren? Nein, liebes Deutschland, so richtig lieben kann ich dich nicht immer – aber es gibt Hoffnung! Große Hoffnung sogar; denn ein Gerichtsurteil, das in der letzten Woche in Köln gefällt wurde und das endlich, endlich den Menschen als das selbstbestimmende und unabhängige Individuum sieht, das er sein sollte, hatte mich in einem euphorischen Moment ob der seltenen, aber umso gerechteren Rechtssprechung fast zu dem spontanen Ausruf bewegt: „Ja Deutschland, so geht’s. So kann auch ich einmal stolz auf dich sein!“

Das Grundgesetz

Was war passiert? Um die ganze Tragweite und Bedeutung dieses Urteils, auf das ich später eingehen werde, zu erfassen, muss ich ein wenig ausholen. In vielen Gebieten dieser Welt spielt die Religion – egal welche – eine entscheidende Rolle im Alltagsverhalten der betreffenden Menschen. Auch in Deutschland sichert der vierte Artikel des Grundgesetzes allen Bürgern aus gutem Grund die Freiheit ihres Glaubens und ihrer Religion zu. Natürlich greift dieses Recht aber nur dann, wenn elementare Rechte eines anderen Bürgers nicht grundlegend verletzt werden. Der erste Absatz des zweiten Artikels des Grundgesetzes besagt: „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.“ Und weiter in Absatz 2: „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.“ Auch wenn die meisten Bürger im Einzelnen vielleicht nicht genau wissen, wo im Grundgesetz diese Rechte festgeschrieben sind, so ist ihnen dennoch bewusst, dass es diese Rechte gibt. Was aber, wenn sich zwei Grundgesetze gegenüberstehen, wenn man z.B. zwischen der Religionsfreiheit und dem Recht auf Unversehrtheit abwägen muss?

Beispiele für religiöse oder kulturelle Traditionen und Verhaltensweisen, bei denen Menschen zu Schaden kommen

Es ist gar nicht einmal so lange her – gut 36 Jahre nämlich – als Anneliese Michel im bayerischen Klingenberg an den Folgen einer akuten Unterernährung starb. Besondere Bedeutung erlangte der Fall der jungen Studentin, da er wahrscheinlichen den letzten dokumentierten Fall von Exorzismus in Deutschland darstellt, der zum Tode geführt hat (auch wenn es heute noch Exorzisten gibt). Bei dieser Jahrhunderte alten religiösen Tradition versuchen Priester, Dämonen auszutreiben – mit teilweise gravierenden Methoden. Das merkwürdige Verhalten der „Besessenen“ wird heute mit psychischen Störungen und Gehirnschäden erklärt. Die medizinische Behandlung Michels wurde nach dem Auftreten ihrer Anomalien aber nicht durch normale Ärzte fortgesetzt, sondern durch die Methoden katholischer Priester abgelöst. Auch wenn die Berichte zu ihrem Fall nicht eindeutig sind, scheint sie an den Folgen der fehlenden medizinischen Betreuung verstorben zu sein. Sicherlich wird es nicht das Ziel der Priester gewesen sein, Michel in den Tod zu treiben – auf Grund fahrlässiger Tötung durch Unterlassung wurden sie dennoch rechtskräftig verurteilt. Auch wenn ihnen religiöses Recht den Rücken stärkte, verstießen sie gegen gültiges säkulares Recht. Gibt es heutzutage noch ernsthaft Diskussionen darüber, ob die Schäden, die eine Person durch Exorzismen erfährt, rechtswidrig sind oder nicht?

Bei den Mormonen, einer von den Vereinigten Staaten ausgehenden christlichen Splittergruppe, ist die Verheiratung eines Mannes mit mehreren Frauen heiliges Recht. Nicht ungewöhnlich ist es dabei, dass auch Minderjährige mit sehr viel älteren Männern vermählt und anschließend zum Geschlechtsverkehr genötigt werden, was einer Vergewaltigung und Pädophilie gleichkommt. Sollte der Schutz des Kindes im Vordergrund stehen? Oder das religiöse Recht des Mannes, Geschlechtsverkehr mit Minderjährigen zu haben?

In Deutschland gelangen sogenannte „Ehrenmorde“ ab und zu in den öffentlichen Fokus. Bei dieser oft durch männliche Muslime durchgeführten Praxis geht es darum, dass ein Familienmitglied oder eine Bekannte (meist weiblich), das/die nach subjektivem Empfinden der Ehre der Familie geschadet hat, ermordet wird, wodurch die Ehre der Familie wiederhergestellt wird. Viele Täter beziehen sich dabei auf das heilige Recht der Scharia – auch wenn die Verbindung zwischen der Scharia und Ehrenmorden umstritten ist. Für die Gesetzgebung spielt das ohnehin keine Rolle. Ein solches Verbrechen wird als Mord geahndet und dementsprechend bestraft. Müssen sich Muslime dadurch in ihrer Religions- und Handlungsfreiheit beschnitten fühlen?

Wenn in manchen Gesellschaften dieser Welt kleinen Mädchen die Klitoris und die Schamlippen in einer haarsträubenden Operation abgeschnitten werden, regt sich bei den meisten Menschen hierzulande massiver Wiederstand. Tatsächlich werden laut UNICEF jährlich drei Millionen Mädchen an ihren Genitalien beschnitten – das macht etwa 8.000 pro Tag! Dabei tritt dieses Ritual nicht nur in den afrikanischen Ländern auf, sondern auch in den Industrienationen bei entsprechenden Migranten. Die Folgen: ein oft lebenslanges Leiden für betroffene Frauen und der Verlust sexueller Empfindungen. Die Frau wird auf das reduziert, was sie laut urtümlichen Doktrinen sein soll: eine gehörige Sklavin für den Mann, dem sie Kinder gebärt und aufzieht. Die Verstümmelung weiblicher Geschlechtsorgane ist in Deutschland verboten, obwohl sie zumindest in manchen Fällen religiös motiviert ist. Wird dadurch die Religionsfreiheit unangemessen eingeschränkt?

Quelle: http://www.middle-east-info.org/gateway/genocide/index.htm

Welches Recht wiegt schwerer?

Bei den genannten Beispielen würden außer religiösen Fundamentalisten wohl die Meisten darin übereinstimmen, dass das Recht zur Ausübung auf mittelalterlichen Dogmen basierender Rituale nicht vor den Persönlichkeitsrechten der eventuell geschädigten Person steht. Geradezu pervers ist es, ein kleines, hilfloses Kind in irgendeiner Form körperlich zu beeinträchtigen – egal ob im Namen der Religion oder nicht. Ob ein Mensch sich aus religiösen Motiven heraus einem medizinischen Eingriff unterziehen möchte oder nicht sollte ihm allein überlassen sein. Alles andere würde gegen das Recht auf körperliche Unversehrtheit verstoßen.

Genauso sah es also auch das Landgericht in Köln. Ein vierjähriger Sohn muslimischer Eltern wurde in einem hiesigen Krankenhaus beschnitten. Zwei Tage nach der Operation kam es zu starken Nachblutungen, wodurch das Kind in die Notaufnahme eingeliefert werden musste. Daraufhin wurden Ermittlungen gegen den behandelnden Arzt aufgenommen. Ein Verschulden an den Komplikationen konnte ihm aber nicht nachgewiesen werden. Außerdem wurde er nicht bestraft, da bis dahin Beschneidungen auf Grund einer Gesetzeslücke nicht verboten waren. Das Kölner Landgericht urteilte nun, dass das Recht auf Unversehrtheit des Individuums vor dem Recht auf Ausübung der Religion der Eltern steht. Eine entsprechende Gesetzesänderung wäre nun der logische nächste Schritt. Bei medizinischen Gründen bleibt eine Beschneidung natürlich weiterhin straffrei.

Fast schon hatte ich den Glauben an die säkularen Grundfesten unseres Staates verloren, wenn selbst die regierende Partei „Christlich“ in ihrem Namen trägt und so die Maxime der Trennung von Staat und Kirche – gelinde gesagt – in Frage stellt. Immer wieder äußern sich sogenannte Ethiker, die moralische Unabhängigkeit propagieren, aber doch durch ihre Konfession voreingenommen sind, zu brisanten Themen. Wenig überraschend war es daher auch, dass das Kölner Urteil einen Sturm der Entrüstung unter Juden, Muslimen und Christen gleichermaßen (eigentlich schön, dass sich alle doch mal einig sein können) auslöste. Haben die Religionsvertreter gute Gründe für ihre Entrüstung?

Das Verbot der Beschneidungen bei Kindern schränkt die Religionsfreiheit ein

Falsch. Das Kölner Urteil verbietet die Beschneidung nicht. Jeder Erwachsene kann frei entscheiden, ob er sich beschneiden lassen möchte oder nicht. Es geht darum, dass einem hilflosen Kind keine Körperverletzung zugefügt werden darf, denn genau das ist es – eine unnötige Körperverletzung. Wer dem widerspricht, der sollte sich mit den gesundheitlichen Folgen einiger Fälle, die bis zum Tod führen können, befassen.

Beschneidungen kann man so nicht verhindern

Ein klassisches Totschlagargument. Man sollte eine Menschenrechtsverletzung, die man nicht komplett verhindern kann, also gar nicht erst verbieten? Warum steht dann Mord, Vergewaltigung und Diebstahl überhaupt unter Strafe? Es passiert ja trotzdem. Sollte man die Strafen dafür also aufheben? Ob man ein Unrecht komplett beseitigen kann oder nicht kann für das Ächten dieses Fehlverhaltens keine Rolle spielen.

Es handelt sich um Jahrtausende alte Rituale, die untrennbar mit bestimmten Religionen verbunden sind

Ah, was lange währt MUSS gut sein! Ist es nicht auch so, dass Frauen Jahrtausende lang unterdrückt wurden? Sollten wir ihnen das Wahlrecht und das Recht auf freie Entfaltung und Gleichberechtigung also wieder entziehen? Der Mensch verändert sich und entwickelt sich und seine Kultur weiter. Wir haben keine Angst mehr vor Hexen und schicken Menschen nicht mehr Inquisitoren auf den Leib, wenn sie anders denken als wir. Ich glaube, dass es sehr kontraproduktiv ist, zu sehr in der Vergangenheit zu leben.

Hinzu kommt die Frage, in wie fern eine Bescheidung überhaupt Gottes Wille sein kann. Wenn er tatsächlich möchte, dass den kleinen Jungen die Vorhaut entfernt wird, warum hat er sie ihnen dann überhaupt gegeben? Um durch die Leiden des Kindes dessen Glauben zu testen? Ein solcher Kult von Strafe und Opfern scheint mir höchst fragwürdig…

Die Beschneidung ist ein unwesentlicher Eingriff mit geringen Risiken

Fangen wir erst einmal mit der Frage an, wo die Grenze gezogen werden soll: eine solche „kleine“ Verstümmelung ist also ok – was kann dann außerdem noch im Namen der Religion gut geheißen werden? Weibliche Verstümmelungen? Ehrenmorde? Exorzismen? „Dass kann man überhaupt nicht miteinander vergleichen!“ ist daraufhin eine beliebte Ausrede. Aber warum nicht? Der Unterschied ist kein grundsätzlicher, sondern ein gradueller, oder nicht? Übrigens (auch wenn es mit Religion nichts zu tun hat): ich bin auch dagegen, einem Kind ein Ohrloch zu stechen – aber das Abscheiden eines gut durchbluteten und hochsensiblen Körperteils wie der männlichen Vorhaut ist ein ganz anderes Kaliber (für alle, die Beschneidungen vereinfachend mit Ohrlöchern gleichsetzen).

Grundsätzlich gilt: jeder medizinische Eingriff birgt gewisse Risiken. Auch bei männlichen Beschneidungen kann es zu Todesfällen kommen. Wie viele es genau sind, kann man schlecht sagen, da in den Statistiken nicht die Ursache der Komplikation, sondern nur die Folge erwähnt wird. Man spricht also nicht vom „Tod durch Beschneidung“, sondern von Todesfällen durch die Folgen der Beschneidungen, zu denen Verblutungen, Infektionen, chirurgische Unfälle u.a. gehören. Außerdem können nach der Operation Harnverhaltungen, Verwachsungen und Hautbrücken, meatale Komplikationen, Harntraktinfektionen, Phimosen, Keloidbildungen, Durchblutungsstörungen u.a. medizinische Probleme auftreten.

Was so gut wie nie erwähnt wird ist, dass das sexuelle Empfinden eines Mannes durch eine Beschneidung beträchtlich eingeschränkt werden kann, da Teile der sensibelsten und empfindlichsten Areale entfernt werden. Ein beschnitter Mann kann natürlich trotzdem sagen: „Ich habe Spaß beim Sex!“ Wie sollte er aber auch wissen, ob seine Empfindung intensiver wäre, wenn er doch nie Sex mit einer Vorhaut gehabt hat?

Ebenfalls wird selten erwähnt, dass Beschneidungen auch psychologische Auswirkungen haben können, die hier nicht ausführlich behandelt werden sollen, am Ende dieses Beitrags aber in der angegeben Quelle nachgelesen werden können.

Nicht vergessen sollte man schließlich den immensen Schmerz und die Belastung, die man einem hilflosen Kind bei einer solchen Operation zumutet.

Die Beschneidung hat gesundheitliche Vorteile

Oft wird bei diesem Argument erwähnt, dass beschnittene Männer seltener Geschlechtskrankheiten übertragen. Nach dieser Logik sollte Abstinenz aber noch eher propagiert werden. Schließlich liegt die Übertragung von Geschlechtskrankheiten dabei bei Null. Würde es nicht viel mehr Sinn machen, einen verantwortungsbewussten Umgang beim Geschlechtsverkehr zu vermitteln? Die Argumentation, dass beschnittene Männer weniger Geschlechtskrankheiten übertragen, könnte sonst nämlich dazu führen, dass die Sorgfalt bei der Verhütung und bei der Wahl der Geschlechtspartner nachlässt. AIDS hat man heutzutage mit den entsprechenden Medikamenten ja auch schon ganz gut im Griff – aber sollte man wirklich Lotterie spielen oder nicht vielleicht doch bei der Verhütung darauf achten, dass es nie soweit kommt? Vergleichen lässt sich diese Logik mit den Teenager-Schwangerschaften in den Vereinigten Staaten. Die christlich-konservative Methode, Abstinenz vor der Ehe als einziges wirksames Mittel gegen Schwangerschaften und Geschlechtskrankheiten zu propagieren sowie die Stigmatisierung des Geschlechtsakts haben womöglich maßgeblichen Anteil daran, dass so viele schlecht informierte Teenager schwanger werden. Vergleichbar damit kann die Behauptung, eine Beschneidung schütze vor sexuell übertragbaren Krankheiten dazu führen, dass viele schlecht informierte Menschen die Verhütung vernachlässigen und gerade dadurch das Risiko einer Krankheit erhöhen.

Desweiteren wird oft der Vorzug einer gesteigerten Hygiene eines beschnittenen Penis erwähnt, da sich dabei keine Urin- und Spermareste unter der Vorhaut ansammeln können. Ist es wirklich so schwer einem unbeschnittenen Jungen beizubringen, seine Eichel beim Duschen ordentlich zu säubern? Oder scheitert es daran, dass man nicht offen über diese Dinge reden kann oder möchte? Soll der Sohn auf Grund der sexuellen Verkrampftheit der Eltern verstümmelt werden?

Die Entscheidung des Kindes wird nicht beeinflusst, da es später seine Religion selbst noch aussuchen kann

Klar, das Kind ist in seiner Meinung dann so frei wie ein israelisches Kind, dem von Geburt an ein Hass auf Palästinenser eingetrichtert wurde. An sich stellt diese Problematik die Indoktrinierung von Kindern im Allgemeinen in Frage – aber das würde hier zu weit führen. Fakt ist: wenn ein Junge später die Beschneidung gerne rückgängig machen würde, kann er dies nicht tun, weil es sich dabei eben um einen irreversiblen Eingriff handelt. Wo also bleibt die freie Entscheidung des Kindes?

Das Verbot macht religiöses Leben in Deutschland für manche Gruppen praktisch unmöglich

Stimmt teilweise. Wer z.B. die Scharia dem Grundgesetz überordnen möchte, der wird in Deutschland nicht so richtig glücklich werden. Ist das etwa schlecht? Es gibt viele Muslime und Anhänger anderer Religionen, welche dass deutsche Grundgesetz akzeptieren und trotzdem ihre Religion ausüben. Es gilt eben der Grundsatz: was man ausschließlich für oder mit sich selbst macht, geht niemanden etwas an. Sobald aber andere betroffen sind und zu Schaden kommen könnten, brauchen wir eine objektive Grundlage, die das Zusammenleben ermöglicht. Wenn nun also Menschenrechte, die die Unabhängigkeit EINES Menschen betreffen, per Gesetz geschützt werden, dann sollten wir das als Erfolg feiern – anstatt religiösen Kritikern nachzugeben.

Wie geht es nun weiter?

Es gibt so viele verschiedenen Religionen mit ihren eigenen Ritualen und Dogmen – welche sollte uns als objektive Grundlage für das Zusammenleben dienen? Nur eine säkulare Rechtssprechung kann die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz garantieren. Umso wichtiger ist daher das Kölner Urteil, da es schadhafte Rituale an hilf- und wehrlosen Kindern unter Strafe stellt. Der Mut der Richter bleibt ob des vorprogrammierten Proteststurms umso bewundernswerter. Deutschland ist ein säkulares Land, das sich nicht von religiösen Lobbyisten einschüchtern lassen sollte.

Gewonnen ist bisher jedoch noch gar nichts. Gut möglich, dass ein möglicher Gesetzesentwurf dem Kölner Urteil widerspricht und Körperverletzungen an Schutzbedürftigen weiterhin Tür und Tor öffnet. Ein wenig Hoffnung bleibt jedoch. Vielleicht sehen unsere obersten Gesetzeshüter ja ein, dass das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung wichtiger ist als die Ausübung angestaubter Rituale. Wenn nicht, dann dürfen sich unsere Gerichte auf eine Welle von Einsprüchen gegen Verurteilungen vorbereiten, die gegen religiös motivierte Straftaten verhängt wurden.

Eine sehr informative Seite zum Thema männliche Beschneidungen (von der auch dieses Bild stammt) findet sich unter dem folgenden Link:

http://www.beschneidung-von-jungen.de/home/maennliche-beschneidung.html

Als Auszug daraus schon einmal die Begründung, warum die weibliche und die männliche Beschneidung durchaus miteinander vergleichbar sind, obwohl dies von Befürwortern der männlichen Beschneidung oft abgelehnt wird:

  • Beschneidung geschieht aus kultureller, religiöser oder traditioneller Motivation heraus
  • Beschneidung geschieht fast immer ohne medizinische Notwendigkeit (Phimose ist noch lange kein Grund zum Entfernen der Vorhaut oder Teilen davon.)
  • Beschneidung geschieht fast immer ohne Einwilligung des Betroffenen
  • Beschneidung bedeutet, selbst im Falle einer mäßigen Beschneidung eines Jungen oder einer begrenzten Beschneidung eines Mädchens nach der Sunna, einen irreversiblen Eingriff
  • Auch die möglichen Komplikationen, die kurz nach dem Eingriff eintreten können, sowie die möglichen längerfristigen Folgen der Zirkumzision, stellen eine körperliche und psychische Beeinträchtigung dar und sind ebenfalls geschlechterübergreifend vergleichbar

 

Hier noch ein Link zu einem Artikel, der sich sehr ausführlich mit den Mythen rund um die Beschneidung befasst:

http://bloganddiscussion.com/argumentevonfemastasen/1370/maennliche-beschneidung-vs-weibliche-beschneidung/

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4 thoughts on “Die männliche Beschneidung – harmloser religiöser Eingriff oder Verstoß gegen das Recht der persönlichen Unversehrtheit?

    • Hallo Richard,

      danke für Ihren Kommentar. Könntet Sie bitte noch ausführen, was Sie mit schwunghaftem Handel meinen? So klingt es nämlich fast so, als würden die Vorhäute verkauft werden, aber Sie meinen bestimmt das Geschäft, das Ärzte (oder andere) machen, indem sie mit diesen Operationen Geld verdienen, oder?
      Die Initiative unterstütze ich gerne. Ich würde mir lediglich wünschen, dass der Einsatz des gespendeten Geldes genau dokumentiert und belegt wird. Leider gibt es zu viele Scharlatane und umso transparenter eine Aktion ist, umso sympatischer und glaubwürdiger ist sie auch.

      Mit freundlichen Grüßen

      Stephan

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