Die Moorsoldaten


Die jüngsten Ereignisse haben mich dazu veranlasst, ein Gedicht von mir hochzuladen, das ich vor ein paar Jahren geschrieben habe. Es ist ein Plädoyer für die Zensur! Dafür? Das klingt ungewöhnlich. Nun, es geht um die Kräfte, die unsere Demokratie, Freiheit und Sicherheit gefährden. Terroristische Organisationen abzustrafen ist eine Zensur und rechtsradikale Parteien zu verbieten ist nicht ohne weiteres möglich, da das deutsche Grundgesetz allen die gleiche Meinungsfreiheit gewährt. Sollte die Meinungsfreiheit also eingeschränkt werden? Ich meine ja, da kein ideologischer Hetzer, der anderen Schaden zufügen möchte, eine Bühne und damit Aufmerksamkeit bekommen sollte. Erst brennen Bücher, dann Menschen – dass sollte man in Deutschland gelernt haben. Es ist auch in sich selbst paradox, dass jemand die Freiheiten der Demokratie nutzt, um gegen eben diese Staatsform zu propagieren. Was mich persönlich bei der plötzlichen Besorgnis um rechte Gewalt stört ist die Tatsache, dass sie schon immer existiert hat und des Öfteren totgeschwiegen wurde. Vielleicht liegt es ja daran, dass Mitarbeiter des Verfassungsschutzes auch Mitglieder der NPD sind oder waren. Schließlich war daran das letzte Parteiverbotsverfahren gescheitert. Dem braunen Gedankengut wurde in Deutschland nie komplett der Boden entzogen und selbst heute, in Zeiten des Fachkräftemangels, muss man sich von Deutschen, die in ihrem Leben nichts geleistet haben, anhören, dass die Ausländer uns die Arbeit wegnehmen und Deutschland schaden würden. Das Ironische daran ist, dass niemand Deutschland so dauerhaft geschadet hat wie der faschistische Wirrkopf, der jetzt von den gewaltbereiten Schergen angehimmelt wird: Adolf Hitler. Es braucht heutzutage nicht den Mut der Mitglieder der Weißen Rose, um zu verhindern, dass verachtungswürdige Ideologien wieder an Macht gewinnen. Einzig aufstehen muss man – und seinen Mund aufmachen.

 

 

Die Moorsoldaten

Wohin auch das Auge blicket

Moor und Heide nur ringsum.

Vogelsang uns nicht erquicket.

Eichen stehen kahl und krumm.

Stille Zeugen einer schlimmen Zeit,

welche entgingen dem grausamen Morden,

wurden vor vielen Jahren vom Joch befreit,

und sind doch von uns vergessen worden.

Wer nie die Angst vorm Krieg erlebt, weiß den Frieden nicht recht zu schätzen.

Wer nie Unschuldige sterben sah, hat weniger Scham, die Messer erneut zu wetzen.

Wer nie Gedanken sich gemacht, dass er allein verantwortlich ist für sein Versagen.

Wem nie bewusst wurde, dass er Teil von den Bösen ist, die andere plagen.

Kurzum, wer nicht in der Lage ist, aus der Vergangenheit zu lernen,

der wird an Menschlichkeit scheitern; und zum Abschaum unserer Gesellschaft werden.

Hier in dieser öden Heide

Ist das Lager aufgebaut.

Wo wir fern von jeder Freude

Hinter Stacheldraht verstaut.

Nicht viele genießen die Freiheit ihrer Existenz.

Dankbarkeit und Güte wird zu selten gelebt.

Die Lehren und das Leid anderer bestimmen nicht unsere Präferenz,

weil es nicht auf den Titelseiten unserer Zeitungen steht.

Auf die Straßen, in die Herzen,

muss die Nachricht, muss der Sinn;

dass ein Weg voll Leid und Schmerzen,

zum Untergang uns führt nur hin.

Frieden ist nicht Gottes Gabe.

Freiheit ist kein heilig Kind.

Liebe schenken und nicht Plage

ist, wonach es mir am meisten sinnt.

Morgens ziehen die Kolonnen

durch das Moor zur Arbeit hin.

Graben bei dem Brand der Sonne.

Doch zur Heimat steht der Sinn.

Gebrandmarkt hatten wir eine ganze Generation,

beschuldigt, verurteilt und ermahnt.

Umso stärker schmerzen die Einsicht und der Hohn,

dass sich der gleiche Wahnsinn neue Wege bahnt.

Zu wenige sind irritiert,

wenn Volksverhetzung aufmarschiert.

Durch jede Straße, jede Stadt.

Und dabei das Grundgesetz im Rücken hat.

Wollen den Sturm und neue Lager.

Wollen wieder Machtgefühle für erbärmliche Versager.

Wollen Zucht und Ordnung in alten Reichen.

Wollen das Demokratie und Freiheit der Knechtschaft weichen.

Getarnt ist ein bereits besiegt geglaubtes Ungeheuer,

Welches Gedeih und Verderben sinnt – mit blutrotem Feuer.

Auf und nieder geh’n die Posten.

Keiner, keiner kann hindurch.

Flucht wird nur das Leben kosten.

Vierfach ist umzäunt die Burg.

Auf und nieder, immer wieder.

Mit den Stiefeln links und rechts.

Blinde Wut dringt in die Glieder.

Böses nach neuen Opfern lechzt.

Auf geht’s Bürger, hisst uns‘re Fahnen!

Courage zeigen heißt die Pflicht.

Lasst nicht Gewalt erst zur Besinnung mahnen.

Vermeidet Krieg und wahrt euer Gesicht.

Dieser Boden, uns’re Heimat, unser eigen Fleisch und Blut,

gebt nicht verloren an die Schergen, die uns drohen mit Höllenglut.

Doch für uns gibt es kein Klagen.

Ewig kann nicht Winter sein.

Einmal werden froh wir sagen:

Heimat, du bist wieder mein!

Wenn das Moorsoldaten Schicksal niemand teilen will,

wenn Demokratie uns doch zu dem machte, was wir heute sind.

Warum nur sind dann so viele Menschen so schrecklich still,

und erlauben, dass das Recht zum Schutz vor Bösem uns durch die Finger rinnt?

Die Meinungsfreiheit ist uns zu Recht ein teures Gut,

wobei so mancher stutzt mit Unbehagen und Verdruss,

wenn man erwähnt, dass in manchen Meinungen eine große Gefahr ruht,

und das man eine Demokratie und seine Freiheit manchmal auch schützen muss…

*2009*

Neo-Nazi, 1.Mai, Polizei, Prozess, Gericht, Demonstration, Berlin

Quelle: http://www.bz-berlin.de/tatorte/gericht/neonazi-verweigert-aussage-vor-gericht-article950398.html

 

 

 

 

 

Advertisements

2 thoughts on “Die Moorsoldaten

  1. Pingback: Wehret den Anfängen | Sport ohne Grenzen

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s