Neid – des Deutschen liebstes Kind


Vor ein paar Jahren kam mir eine Anekdote zu Ohren, die den Mentalitätsunterschied zwischen Deutschen und Amerikaner überspitzt verdeutlicht: Sieht ein US-Bürger das tolle Haus und das teure Auto seines Nachbarn, sagt er sich: „Das könnte ich in ein paar Jahren auch haben.“ Sieht ein Deutscher besagten Wohlstand bei seinem Nachbarn, sagt er sich: „Wie ist der nur dazu gekommen? Da ging es bestimmt nicht mit rechten Mitteln zu.“ Wo andere Menschen versuchen, die Vergleichsperson im Wettkampf zu überbieten, trifft man hierzulande eher auf eine Attitüde, bei der man dem Nächsten seinen Erfolg oder seinen Besitz nicht gönnt, ohne fair zu betrachten, wie die Person dazu gekommen ist. In gewisser Hinsicht wird der Neid eines Bundesbürgers jedoch zum Kompliment. In zweifelhafter Absicht verteiltes Mitleid bekommt man schließlich umsonst. Neid muss man sich jedoch erarbeiten.

Auch auf die Gefahr hin, als Nestbeschmutzer bezeichnet zu werden, fallen mir bei typisch deutschen Tugenden eher negative Attribute ein, wie Ungeduld, Verkrampftheit, Paragraphenreiterei, ständiges Meckern und Nörgeln – und eben Neid. Würde man es nicht besser wissen, müsste man auf Grund der Leidensbekundungen glauben, die Mehrheit des deutschen Volkes nage am Hungertuch und hätte nicht immer ein Dach über dem Kopf. Es ist das Phänomen der Wohlstandsabgestumpftheit, das der nörgelnde Mob nicht einmal zu schätzen weiß, was er tagtäglich für Privilegien genießt. Das so oft gescholtene Hartz IV-System sichert jedem hilfsbedürftigen Deutschen eine Wohnung, gewisse materielle Grundmittel, die nötigen Versicherungen und ausreichend Geld für Ernährung zu. Ein Arbeitsloser genießt also einen Lebensstandard, für den viele Menschen auf dieser Welt in den Krieg ziehen würden. Schlägt man aber vor, dass diese Personengruppe als Staatsbedienstete betrachtet werden, da sie ja schließlich vom Staat bezahlt werden, und im Rahmen ihrer Möglichkeiten ein wenig ihrer Arbeitskraft gemeinnützigen Aufgaben opfern, steht man plötzlich als menschenverachtend dar. Für eine solche Bezahlung zu arbeiten wäre entwürdigend. Es ist aber nicht entwürdigend, bei eigenem Nichtstun durch die harte Arbeit anderer Menschen finanziert zu werden? Aber nein, das Einkommen reicht ihm nicht, dem Michel. Ihn interessiert nicht, das weltweit eine Milliarde Menschen Hunger leiden (Quelle: UN); das jeden Tag 4500 Kinder sterben, weil sie keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben (Quelle: UNICEF); das 16 Millionen Flüchtlinge von Angst getrieben ihre Heimat verlassen mussten (Quelle: UN); das jedes Jahr Millionen von Menschen kriegerischen Auseinandersetzungen und Gewalt zum Opfer fallen (Quelle: UNICEF). Nein, das und noch viele weitere Grausamkeiten interessieren nicht, wenn doch der Nachbar gerade ein technisches Gerät erworben hat, das man auch gerne hätte und das man selbst viel mehr verdiente.

Human Development Index: 1990 – heute

Quelle: http://hdrstats.undp.org/en/countries/profiles/DEU.html

Natürlich sollte man nicht einer schwarz-weiß Mentalität verfallen. Auch in Deutschland gibt es Menschen mit existenzbedrohenden Problemen, deren Leben nach vielen Jahren ehrlicher Arbeit auf Grund widriger Umstände plötzlich in Scherben liegt; die häuslicher oder sonstiger Gewalt ausgesetzt sind; oder die auf Grund von Benachteiligung und Diskriminierung nie eine echte Chance hatten – doch um die soll es im Moment nicht gehen, sondern um den sogenannten Otto Normalverbraucher, der so lange mit dem eigenen Besitz nicht zufrieden ist, so lange er weiß, dass jemand anderes mehr hat.

Ohne Frage ist es eine seelische Belastung, wenn man nicht weiß, wie man seine Rechnungen bezahlen soll. Verständlicherweise raubt einem die Angst, die Bank könnte einem den gesamten Besitz wegnehmen, den Schlaf. Zweifellos ist es kein gutes Gefühl, bei jemandem in der Schuld zu stehen. Wenn manche der Betroffenen dann aber darüber meckern, dass es ihnen so schlecht ginge und das es einfach unfair wäre, in einer finanziellen Bredouille zu stecken, weil man doch so hart arbeitet, dann wird in den seltensten Fällen danach gefragt, welche Schuld einen selbst trifft. Wer wird denn dazu gezwungen, Kredite aufzunehmen, um ein Haus zu bauen, ein teures Auto zu kaufen oder den neuesten Laptop zu erwerben? Diese Entscheidungen trifft in der Regel jeder selbst. Die Belastung und der Stress, der aus der finanziellen Bürde besteht, resultiert direkt aus dem Verlangen nach diesen und anderen materiellen Gütern, weil der Einzelne der Meinung ist, er müsste sie unbedingt besitzen. Auch hier darf man natürlich keiner schwarz-weiß Malerei verfallen, da es in manchen Fällen nun einmal unumgänglich ist, Kredite aufzunehmen. Nichtsdestotrotz ginge in vielen Situationen das minimierte Bedürfnis des Einzelnen nach materiellen Gütern mit einem Gewinn an Lebenskomfort in Form von geringeren Stressleveln einher. Wenn man weniger Rechnungen zu bezahlen hat, muss man sich auch weniger Sorgen darum machen, wie man an das Geld kommt. Überspitzt verdeutlichen uns das Naturvölker, die das Konzept des privaten Eigentums nicht kennen und in manchen Fällen täglich nur vier Stunden arbeiten müssen, um über die Runden zu kommen. Viele Aspekte der urtümlichen Lebensgewohnheiten sind auf die heutige Gesellschaft nicht anwendbar. Ein gutes Beispiel, wie es sein könnte, stellen sie aber allemal dar.

Die blöde Kuh an der Kasse

Viele Menschen sind mit ihrem Beruf leider nicht vollauf zufrieden und finden in ihrer Beschäftigung nicht die gewünschte Erfüllung. Äußern tut sich das dann meistens in einem unfreundlichen oder genervten Ton gegenüber jenen, die auf der anderen Seite der Geschäftsbeziehung stehen, obwohl diese für die Unzufriedenheit gar nichts können. Das Traurige dabei ist, dass viel zu wenige daran denken, dass man seinen Nächsten so behandeln sollte, wie man selbst behandelt zu werden wünscht. Mir fällt es viel leichter, freundlich zu sein, wenn man mir freundlich entgegenkommt. Leider vergeht einem das Lächeln beim pampigen deutschen Service oft schnell. Den Bediensteten wird es zugegeben aber auch nicht leicht gemacht. Im Supermarkt z.B. kann eine schöne deutsche Tugend – die Ungeduld – am besten beobachtet werden, wenn manche Kunden – genervt vom eigenen Leben – keine Minute an der Kasse warten können, ohne sich zu beschweren. Muss die Oma in der Reihe vor mir so lange nach ihrem Kleingeld kramen? Kann die Kassiererin nicht schneller arbeiten? Warum muss ausgerechnet jetzt das Kind hinter mir weinen? – Warum fehlt den Menschen der Weitblick, dass auch sie eines Tages alt sein und für bestimmte Dinge mehr Zeit brauchen werden? Warum fällt es ihnen so schwer, die Position der Kassiererin mit dem eigenen Job zu vergleichen, in dem sie auch nicht gehetzt werden wollen und dem sie nörgelnde Kunden zum Wahnsinn treiben würden? Warum darf ein Baby, das sich verbal nur durch das Schreien kundtun kann, nicht einmal weinen, ohne das die Eltern gleich schräg angesehen werden? Oder – um ein Beispiel zu benutzen, dass meine Eltern betrifft – warum wissen die Menschen es nicht zu schätzen, im internationalen Vergleich betrachtet für wenig Geld eine gute Gesundheitsfürsorge zu erhalten? Warum meckern sie oder sind pampig beim Zahnarzt, wenn dieser nur gewissenhaft seinen Job ausüben und den Menschen helfen möchte? Wir stecken zu oft nur in der eigenen Haut und versuchen nicht zu verstehen, was in Anderen vorgeht oder was ihren Tag angenehmer machen könnte. Zuerst ich – und danach lange nichts. Ich bekomme schließlich auch nichts geschenkt! Richtig so! Dann immer schön raus mit den Ellenbogen. Schade nur, dass dadurch so mancher Mitbürger nicht erfahren wird, wie erfüllend eine winzig kleine Geste sein kann, die seinem Gegenüber und dadurch auch sich selbst den Tag versüßt.

Auf die Spitze treiben die Verkehrsteilnehmer dieses einseitige Denken, wenn sie auf dem Fahrrad auf die Autofahrer und im Auto auf die Fahrradfahrer meckern. Beiden wäre geholfen, wenn sie sich in die Situation des Anderen versetzen würden und mit Rück- und Vorsicht den Straßenverkehr sicherer und angenehmer machen würden. Oft ist das leider nicht möglich, wenn der Autofahrer bereits genervt in sein Lenkrad beißt und der Fahrradfahrer der Meinung ist, er dürfte überall durch. Nein, diese ich-zuerst-Mentalität hilft uns nicht weiter und erschwert uns den Alltag. Seid freundlich zu einander und ihr werdet erleben, dass man – zwar nicht immer, aber doch oft – eine angenehmere Interaktion erfahren wird. 

Die geheuchelte Abscheu

Den eigentlichen Anstoß für diesen Artikel liefern die jüngsten Aufschreie aufrechter deutscher Bürger gegen politische Entscheidungen oder andere unliebsame Umstände. Mit Abscheu äußern sich viele Mitmenschen über die „Heuschrecken“ der Finanzbranche, die nur den Eigennutz im Kopf haben und den kleinen Mann ausbeuten. Was schlüssig klingt, ist oft pure Heuchelei. Diejenigen, die den Mund am meisten aufreißen, würden sich die Bonus-Zahlungen der Topmanager auch in die eigenen Taschen stecken, wenn sie in der gleichen Position wären. Auch sie würden sich Häuser, Yachten und schnelle Autos kaufen und einfach nur ihren Beruf ausüben. Schließlich hätten sie es auch verdient, da sie doch härter arbeiteten als Andere. Doch nein, sie sind eben nicht in der Position eines millionenschweren Topmanagers und so kommt eben der Neid ins Spiel, in dem man hinter moralischen Aspekten oder Gerechtigkeitsprinzipien zu verstecken sucht, dass man jemandem nicht gönnt, was er hat. Würden sie es ernst meinen – die Ankläger – mit ihrem Protest, dann würden sie nicht in die Stadien rennen, um das überbezahlte Fußballgewerbe zu finanzieren. Viel offensichtlicher ist der Widerspruch aber im Finanzsektor. Kleinaktionäre wollen mit ihren Anlagen Geld verdienen. Wenn andere dies in großem Maßstab tun, verabscheuen sie es plötzlich? Jeder sucht sich eine Bank aus, bei der er sein Geld bestmöglich vermehren kann – den Vorstand dieser Bank verachten sie aber? Kann man eine Waffe kaufen, auf der Straße dann aber gegen das Waffengeschäft protestieren? Was würde denn ein Ackermann machen, wenn die Deutsche Bank keine Kunden mehr hätte? Wie würde sich ein hochbezahlter Vorstand eines Autokonzerns finanzieren, wenn der Absatz zusammenbräche? Das Individuum hat die Macht, mit seinem Handeln eine Wahl zu treffen. Bequemer ist es jedoch, von der eigenen Hilflosigkeit zu sprechen und großspurig gegen alles zu wettern, dass man nicht mag – obwohl man selbst nicht sonderlich viel dagegen tut.

Natürlich bin auch ich gegen die ungezügelte Gier im Finanzsektor. Noch saurer als das amoralische Verhalten der Topmanager stößt mir aber dieser geheuchelte Widerstand auf von Menschen, die genau das Gleiche machen würden, wenn man ihnen das Geld anbieten würde. Was soll denn mit dem Geld passieren, dass man den Banken wegnimmt? Soll man damit etwa den Hunger der Welt bekämpfen? Nein, das Geld gehört schön ins eigene Portmonee in Form von Steuersenkungen oder sonstigen Beihilfen. Schließlich geht es dem deutschen Michel ja noch nicht gut genug – und der neue Flatscreen muss auch irgendwie abbezahlt werden. Vergessen darf man dabei nicht die Minderheit an aufrechten Protestlern, denen es tatsächlich um eine gerechtere Verteilung des Wohlstandes im Land, aber auch weltweit geht. Im Endeffekt sind wir reich weil andere arm sind. Keine Ausgebeuteten ohne Ausbeuter. Die Spekulanten an der Börse tragen zur Erhöhung der Lebensmittelpreise bei und treiben so noch mehr Weltbürger dem Hunger entgegen. Das ist das eigentlich Verwerfliche. Genauso unbegreiflich ist es, warum Topmanager Millionen in den Sand setzen können und am Ende sogar noch mit einer dicken Abfindung in den Vorruhestand geschickt werden. Die gerechtere Verteilung des Wohlstands über die eigenen Grenzen hinaus sollte das Ziel der Demonstrationen sein. Leider denken viele aufgebrachte Bürger in erster Linie nur an sich selbst.

Schmeißt sie raus, die Griechen!

„Warum soll ich denn für die Griechen bezahlen?“, schallt es derzeit mancherorts durch die Gassen. Ein wenig Wut kann man dabei schon verstehen, wenn die Deutschen eine Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre akzeptieren müssen, die Griechen aber bereits auf die Straße gehen, weil sie nicht mehr mit 59 in den Ruhestand gehen sollen – um nur ein Beispiel zu nennen. Es gibt durchaus gute Gründe, warum man als Steuerzahler Unmut empfindet ob der Milliarden, die der eigene Staat in andere Länder schickt, um dort die Misswirtschaft auszugleichen. Viele Bürger sind daher auch der Meinung, dass man Griechenland eben Bankrott gehen lassen oder es gar aus der Euro-Gemeinschaft ausschließen sollte. So verständlich viele Argumente auch sind, sie spiegeln einmal mehr eine sehr einseitige Betrachtungsweise wieder. Zum Einen besteht bei der heutigen Vernetzung internationaler Institutionen und Staaten die große Gefahr, dass das Scheitern eines Landes eine Kettenreaktion auslösen könnte. Zum Anderen verfällt man erneut der Angewohnheit, das Gute als selbstverständlich hinzunehmen und das Schlechte zu kritisieren. Als die EHEC-Fälle den europäischen Landwirten Absatzeinbuße bescherten, hielten sie es für selbstverständlich, staatliche Hilfen einzufordern, welche sie auch bekamen. Wäre es nach dieser Logik nicht aufrichtig, in guten Jahren etwas von den Überschüssen an den Staat zu zahlen? Genau das tun sie eben nicht, die Bauern. Der Bürger erwartet in schlechten Zeiten Hilfe, will in guten aber nicht teilen. Er macht somit genau das, was er den Topmanagern vorwirft.

Quelle: http://immobilienblasen.blogspot.com/2010/02/three-quarters-of-all-german-exports.html

Ein ähnliches Prinzip trifft jetzt auf Griechenland zu. Deutschland verdankt seinen starken Export hauptsächlich seinen europäischen Handelspartnern. Unser Gemüse und Obst kommt aus Spanien, Italien und den Niederlanden, unsere Möbel aus Schweden, unsere Autoteile aus Polen und der Tschechei, unser Käse aus Frankreich, unsere Schokolade aus der Schweiz, etc. Da es innerhalb der europäischen Freihandelszone keine Zölle gibt und da reichliche Subventionen fließen, sind Lebensmittel und andere Produkte – egal aus welchem europäischen Land sie kommen – so billig wie in kaum einer anderen Region der Welt. Fast alle genießen die Vorteile der europäischen Einigung – oder möchte noch jemand an jeder Grenze stundenlang warten müssen und in jedem Urlaub sein Geld wechseln? Im Moment sucht Deutschland händeringend nach ausländischen Fachkräften – ein Trend, der sich in der Zukunft verstärken wird. Deutschland ist Europa und profitiert jeden Tag von den engen Beziehungen. Viele Bürger nehmen das anscheinend als selbstverständlich hin und sehen nun nur die schlechte Seite der Euro-Zone. Sicher, Griechenland hat versagt und muss grundlegend reformiert werden. Wenn Deutschland dabei hilft, ist dies nicht nur gerecht, sondern nicht einmal ein selbstloser Akt, da man in vielen Punkten im eigenen Interesse handelt. Man darf nicht vergessen, dass Deutschland neben Frankreich in der EU die Politik bestimmt und so oft seine Interessen durchsetzen kann. Auch in der Krise wird es Deutsche geben, die die Griechenland-Problematik zum eigenen Vorteil zu nutzen wissen und mit Knebelverträgen die missliche Lage ausnutzen werden. Weltweit gesehen ist Deutschland genauso wie die anderen Länder in führenden Positionen groß und stark, weil es andere „Partner“ klein und schwach hält oder dessen Schwäche zumindest billigend in Kauf nimmt. Seine Augen davor zu verschließen, wäre Nationalismus. Selbst wenn Deutschland in der Griechenland-Frage der Gebeutelte ist, steht es weltweit oft auch auf der anderen Seite der Gleichung. Auch wenn sich die deutsche Politik in manchen Fällen für Gleichheit und Gerechtigkeit auf internationaler Ebene einsetzt, tut die deutsche Wirtschaft das noch lange nicht. Wer erkundigt sich etwa, ob bei der Herstellung des erworbenen Produkts im Ausland die Menschenrechte beachtet wurden? Wenn interessiert es, dass Deutschland bei den Rüstungsexporten weltweit auf Platz 3 steht? Will man uns ernsthaft weismachen, dass diese Waffen nur für gute Zwecke eingesetzt werden? Bekommen die ärmsten Länder der Welt einen fairen Preis für die Rohstoffe, die wir ihnen nehmen? Interessiert uns, wo diese Rohstoffe herkommen und wie viele Menschen bei dessen Gewinnung sterben oder erkranken? Nein, dass alles interessiert den Geschäftsmann und im Endeffekt auch den Kunden nicht. Die Wahrheit ist, dass deutsche Unternehmen weltweit für viel Ungerechtigkeit und Ungleichheit sorgen – die Politik ist davon nicht immer ausgenommen; oder ist es etwa gerechtfertigt, den afrikanischen Markt mit subventionierten europäischen Lebensmitteln zu überschwemmen, die lokalen Kleinbetriebe in den Ruin zu treiben und die Grundlagen eines selbstbestimmten Volkes so zu zerstören?

Quelle: http://www.fr-online.de/politik/kriegsgeraet-deutsche-verdienen-gut-am-waffenexport,1472596,2845560.html

Es könnte so schön sein

Viel zu oft ertappe ich meine Mitbürger dabei, wie sie über dies und jenes nörgeln und meckern, weil sie anscheinend nicht zu schätzen wissen, wie gut es ihnen eigentlich geht. Aus irgendwelchen mir unergründlichen Motiven gehört dazu auch oft eine missgönnerische Einstellung gegenüber den Errungenschaften und Besitztümern anderer. Das Leben könnte so viel entspannter sein, wenn der Mensch sich nicht über seinen Besitz definieren würde. Wie sagte doch August Bebel: „Im Mittelalter galt der Stammbaum des Menschen. Heute entscheidet sein Besitz. Aber wann wird der Mensch als Mensch gelten?“ Auch ich würde mich nicht komplett von meinem privaten Besitz trennen wollen, aber reizvoll ist der Gedanke schon. Viele Übel blieben der Menschheit dadurch erspart, wie etwa Diebstahl, Unterschlagung, Missgunst und Neid. Die Menschen würden zusammenarbeiten, weil es keinen Sinn machen würde, mit jemandem zu konkurrieren. Man wäre der absoluten Gleichheit aller Bürger sehr viel näher als heutzutage. Die Nachteile einer solchen Ordnung braucht man aber gar nicht erst erwähnen, weil solche Zustände nie eintreten werden. Doch wäre das Leben nicht viel schöner, wenn man sich über den Erfolg anderer mehr freuen könnte als über den eigenen? Die Hoffnung bleibt, dass der Mensch letztendlich die Nächstenliebe mehr schätzen wird als den Wettkampf und das man sich im positiven Sinne in erster Linie für sein eigenes Leben interessiert – unabhängig von den Erfolgen bzw. Misserfolgen der Mitmenschen. Bis dahin mache ich mir Mut mit den Dingen, die ich an Deutschland tatsächlich mag, wie unserer Verfassung, unserer Zuverlässigkeit, unserer Kriegsverdrossenheit, unserer Umweltpolitik und unserer Freiheit.

Poor but happy – if you find the right things to live for!

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2 thoughts on “Neid – des Deutschen liebstes Kind

  1. Sehr schön geschrieben, kann man alles unterschreiben. Bis auf den Teil mit der Umweltpolitik. Denn die führt schließlich dazu, dass der Strom so viel teurer wird.

    • Hallo Patrick,

      danke für deinen Kommentar. Ab und zu lernt man ja hinzu und ändert daraufhin ein wenig seine Meinung. Umso mehr ich über die Umweltpolitik dieser Regierung erfahre, umso weniger mag ich sie. Das liegt in erster Linie daran, dass auch ich mich nicht des Eindrucks der Klientelpolitik erwähren kann. Darüber hinaus bin ich aber schon froh darüber, in einem Land zu leben, dass die Atomkraftwerke abschaltet und durch die Energiewende nicht nur die Umwelt schont und so unsere Luft, unser Wasser und unsere Böden sauberer macht, sondern auch die Aussichten auf einen unabhängigen, domestischen Energiemarkt verbessert. Wie die Energiewende angegangen wird, gefällt mir auch oft nicht. Die steigenden Preise allein sind für mich aber kein Argument dagegen. Schließlich steigen so die Chancen auf stabile Energiepreise, wenn die Kosten für die fossilen Brennstoffe irgendwann durch die Decke gehen werden (außerdem darf man nicht vergessen, dass man über Steuern ja eh schon mehr bezahlt, als am Ende auf der Rechnung steht – Stichwort Subventionen). Was mich stört ist natürlich die ungleiche Verteilung von Gewinnen auf der einen und Kosten bzw. Risiken auf der anderen Seite.

      Grüße aus Würzburg

      Stephan

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