Das Märchen vom grenzenlosen Wachstum


Alle Jahre wieder wird die Nachricht über eine tickende Zeitbombe ins Gedächtnis der deutschen Öffentlichkeit gerufen: Der demographische Wandel lässt Deutschland immer mehr altern, gefährdet die Renten und führt sogar zu einer Bevölkerungsabnahme, da in immer mehr Jahren mehr Menschen in der Bundesrepublik sterben als geboren werden (bzw. einwandern). Fast reflexartig drängen dann immer wieder die gleichen Lösungsvorschläge in den Vordergrund: Mehr Kinder müssen her! Genau wie in der Wirtschaft wird Wachstum mit einer positiven Entwicklung gleichgesetzt – ein vereinfachender Ansatz, der bestimmte Probleme verdrängt anstatt sie zu beheben und im Endeffekt zur größten Krise der Menschheitsgeschichte führen könnte.

Vom ein oder anderen ökonomischen Experten, der sich mit der fernen Zukunft beschäftigt, kann man hören, dass nur ein Idiot an grenzenloses Wachstum glaubt. Was ist damit gemeint? Wir befinden uns nun einmal auf einem Planeten, welcher ein mehr oder weniger geschlossenes System darstellt. Es sollte für jeden offensichtlich sein, dass ein solches Gebilde Grenzen hat. Der Mensch hat in nur einhundert Jahren die Hälfte aller tropischen Regenwälder abgeholzt. Seine Bevölkerung stieg stetig auf heute sieben Milliarden. Die Expansion von lebensfeindlichen Wüsten schreitet immer weiter voran. Die Weltmeere sind zum Großteil völlig überfischt. Fossile Energieträger spielen noch immer eine zentrale Rolle, werden in immer größeren Mengen verbrannt und werden zweifellos irgendwann aufgebraucht sein. Es ist unvermeidbar, dass bestimmte Grenzen auf unserem Planeten erreicht werden. Es spielt dabei keine Rolle, ob jemand vorrechnet, wie viele Jahre es noch unbedenklich immer so weiter gehen wird. Irgendwann geht es nicht mehr weiter; irgendwann gibt es keinen Regenwald mehr, der unsere Luft reinigt und unser Klima beeinflusst; irgendwann gibt es keine Fische mehr, auf die viele Menschen angewiesen sind; irgendwann ist die globale Durchschnittstemperatur so drastisch gestiegen, dass sich ganze Klimazonen verschieben werden; und irgendwann gibt es mehr Menschen auf der Erde, als versorgt werden können. Anhand von einer Milliarden Menschen, die bereits heute Hunger leiden, scheint dieser Zustand nicht mehr weit entfernt zu sein. Da hilft auch keine Augenwischerei, die das ganze Problem der ungerechten Verteilung zuschiebt. Die Menschheit wächst weiter und irgendwann wird es kein sauberes Wasser, keine reine Luft, nicht ausreichend Nahrung und daraus resultierend weniger Frieden geben.

Auch ohne Marx gelesen zu haben sollte man verstehen, dass das auf ewiges Wachstum ausgerichtete kapitalistische System nicht endlos funktionieren kann. Wenn weltweit die letzten Märkte erschlossen und versorgt wurden, wenn die Rohstoffe zur Neige gehen und wenn der Reichtum derart stark angestiegen ist, dass die Inflation durch die Decke geht, dann wird kein weiteres Wachstum möglich sein und das ganze System droht zu implodieren. Die aktuellen Krisen sind erst der Anfang und werden so lange nicht das Ende sein, so lange Wachstum der Grundpfeiler unseres Denkens ist. Bereits in der jüngeren Vergangenheit wurden imperialistische Kriege geführt, um ein Absatzproblem des aufgeblähten Produktionsapparates zu vermeiden – auch wenn in der Öffentlichkeit zum Einen immer andere Gründe vorgeschoben werden und zum Anderen nicht mehr vom Imperialismus gesprochen wird. Was der Unterschied sein soll zwischen der Unterdrückung der Armen im Ausland heute und vor einhundert Jahren erschließt sich mir dabei nicht.

 

Bevölkerung, Deutschland

Zurück also zum Bevölkerungswachstum. Was würde denn passieren, wenn wir den naiven Vorschlägen folgen und so viele Kinder in die Welt setzen würden, dass die Bevölkerungspyramide in jeder Generation an der Basis am breitesten ist? Fällt denn wirklich niemandem auf, dass das unendliches Wachstum bedeuten würde? Deutschland ist ohnehin bereits ein sehr dicht besiedeltes Land. Wo sollen denn die ganzen Menschen hin? Ganz Deutschland ein einziges Ruhrgebiet? Nicht gerade eine idyllische Vorstellung. Natürlich würde man darauf hinweisen, dass wir mehr Kinder brauchen, damit später mehr Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, die die Renten sichern würden. Genau dieses Denkmuster ist ja das Problem. Wenn wir jetzt deutlich mehr Kinder hätten, dann hätten wir in 60 Jahren deutlich mehr Rentner. Deutschland bräuchte also noch mehr Kinder, um die gestiegenen Rentnerzahlen auszugleichen und immer fort. Man soll also ein Streichholz brennen lassen und es immer an eine benachbarte Person weiterreichen, bis sich schließlich jemand verbrennt, da das Streichholz zu Ende ist. Dann allerdings bräuchte eine expandierende Bevölkerung irgendwann auch neuen Lebensraum. Vielleicht im Osten – auf die Idee ist bestimmt noch niemand gekommen. Die Deutschen waren ohnehin schon immer besonders fleißig, wenn es darum ging, ihre Zahl nach Kriegen wieder nach oben zu treiben. Egal ob Deutsch-Französischer Krieg, Erster oder Zweiter Weltkrieg – immer wieder wurden die Verluste in nur wenigen Jahrzehnten ausgeglichen, bis die Bevölkerungszahlen jene vor den Kriegen sogar übertrafen. Ohne Kriege wird ein solches Wachstum aber gehemmt. Vielleicht muss ein Land, dass noch nie in seiner Geschichte so dauerhaft friedvoll existiert hat, erst noch lernen mit der neuen Situation umzugehen.

Was man bei der Diskussion zum Thema abnehmende Arbeitskräfte gerne vergisst ist die Tatsache, dass man immer weniger Arbeitskräfte braucht, um einen bestimmten Wert zu erwirtschaften. Auch wenn Maschinen den Menschen nie ganz ersetzen werden, so sind die Beschäftigungszahlen im produzierenden Gewerbe in Relation zum hergestellten Wert seit der Einführung der Manufakturen (Arbeitsteilung) dramatisch gesunken. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt steigt in der Regel in jedem Jahr, obwohl die Zahl der Arbeiter nicht immer weiter zunimmt. Arbeit wird eben immer effektiver. Daher können es sich in der Zukunft vielleicht auch drei Arbeiter leisten, einen Rentner zu finanzieren, wozu heutzutage vielleicht noch fünf notwendig sind. Nichtsdestotrotz scheint es auch unvermeidbar zu sein, dass das Rentensystem reformiert werden muss. Die Menschen leben heutzutage länger und beginnen später mit der Arbeit als noch vor 50 Jahren (da die Ausbildung länger dauert). Wird ein Deutscher also 80 Jahre alt und arbeitete zwischen seinem 20sten und seinem 60sten Lebensjahr, dann hat er nur die Hälfte seines Lebens gearbeitet und wurde in der anderen Hälfte zum großen Teil staatlich finanziert (Kindergeld bzw. Rente). Außerdem hat sich die Mobilität älterer Menschen deutlich verbessert. Schließlich sind künstliche Gelenke bereits heutzutage keine Besonderheiten mehr und weitere Körperteile werden in der Zukunft folgen. Es wird unvermeidlich sein, dass Renteneintrittsalter weiter anzuheben, auch wenn es natürlich Unterschiede in der Belastung gibt. Ein 70jähriger kann einfach keine extremen körperlichen Anstrengungen mehr ausführen.

Desweiteren bleiben die Menschen länger gesund – oder sollten es zumindest. Da sollte man tatsächlich eher eingreifen, um die Arbeitsfähigkeit der Bevölkerung zu optimieren (klingt sachlich kühl anstatt herzlich menschlich, aber darum geht es nun einmal). Die Fettleibigkeit und die damit verbunden Krankheiten wie Diabetes, Herzkreislaufprobleme, Gelenkschäden und viele mehr hat sich als ein Volksleiden etabliert. An den Folgen von Zigaretten- oder Alkoholkonsum sterben allein in Deutschland pro Jahr über 200.000 Menschen. Unzählige mehr müssen sich medizinisch behandeln lassen und verursachen der Volkswirtschaft Unmengen an Ausgaben. Viele Menschen ernähren sich ungesund, treiben zu wenig Sport und leiden unter zu viel Stress. Es gibt viele Hebel, an denen man ansetzen könnte. Gesündere Bürger können auch länger arbeiten und verursachen weniger Kosten. Ganz davon abgesehen sollte ein Staat so oder so ein Interesse daran haben, dass die Menschen gesund sind. Oder gibt es jemanden, der es abwegig hält, dass man sich um die Gesundheit der Bürger sorgen sollte?

Ein weiterer Faktor, der in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird, ist die private Altersvorsorge. Im Endeffekt macht das auch mehr Sinn. Im Moment zahlen die Arbeiter in eine Kasse ein, aus der sie in der Zukunft vermutlich weniger zurück bekommen werden. Essentiell ist dabei, dass eine gewisse staatliche Grundsicherung weiterhin erhalten bleibt für alle die, die es sich einfach nicht leisten konnten, während ihres Arbeitslebens zu sparen. Außerdem sollte es der Staat dann ermöglichen, dass ein „Teilzeitrentner“ mit einem Nebenjob unbürokratisch die Grundabsicherung aufbessern könnte.

Noch ein Punkt, der beim demographischen Wandel so gut wie nie berücksichtigt wird, betrifft die natürliche Begradigung der Bevölkerungspyramide. Unvermeidbar ist es, dass in Zukunft mehr Personal im Pflege- und Gesundheitsbereich benötigt wird. Andererseits wird es – wie erwähnt – einen geringeren Bedarf im produzierenden Gewerbe geben. Man darf dabei nicht vergessen, dass die Bevölkerungspyramide nie dauerhaft in der oberen Hälfte am breitesten sein wird. Der „Bauch“, der jetzt bei den Jahrgängen zwischen 1950 und 1975 sichtbar ist, wird irgendwann von selbst verschwinden. In fünfzig Jahren wird die schmale Basis der Pyramide nämlich nach oben wandern, während die meisten Mitglieder des „Bauchs“ gestorben sein werden. Das Ergebnis ist eine schmalere, ausgeglichenere Pyramide, die eine geschrumpfte Bevölkerung wiederspiegelt. In Zahlen ausgedrückt (fiktives Beispiel): Wenn in einer Bevölkerung 15 Millionen Menschen leben, die zwischen 0 und 20 Jahre alt sind, aber 25 Millionen Menschen, die zwischen 40 und 60 Jahre alt sind, dann wird die zweite Kategorie einen „Bauch“ darstellen. 40 Jahre später sind dann um die 15 Millionen Menschen zwischen 40 und 60 Jahre alt. Der ehemalige „Bauch“ bezieht sich nun auf die 80-100jährigen, von denen viele bereits gestorben sind. Der „Bauch“ hat sich also auf natürliche Weise aufgelöst.

Gut, es wird immer noch Menschen geben, die die Vorstellung unakzeptabel finden, dass die Bevölkerung schrumpft und die Deutschen auszusterben drohen. Aber warum? Sind Deutsche an sich bessere Menschen? Tragen sie überlegene Gene in sich? Sind sie schöner oder intelligenter als andere? Oder macht man sich vielleicht Gedanken darüber, dass das Volk der Dichter und Denker ausstirbt? Ja, Deutschland war das Land Goethes und Schillers, Mozarts und Beethovens, Hegels und Kants, Luthers und Einsteins – aber eben auch das Land, dass unter Hitler, Kaiser Wilhelm II, Bismarck und vielen weiteren vor ihnen immer wieder in die furchtbarsten Kriege gezogen ist. Nun ja, man lässt bei einer Betrachtung halt immer das Negative weg, das einem gerade nicht in den Kram passt.

Abschließend sollen noch ein paar Worte dazu erwähnt werden, warum ein exzessives Bevölkerungswachstum zu einer Schwächung der Demokratie führt. Im deutschen Bundestag sitzen im Moment 620 demokratisch gewählte Volksvertreter. Bei ca. 62.000.000 Wahlberechtigten kommt also ein Abgeordneter auf 100.000 Wählerstimmen. Stiege die deutsche Bevölkerung in den nächsten Jahrzehnten um z.B. 50%, dann kämen auf einen Abgeordneten bereits 150.000 Wähler. Bei einem Rückgang an Stimmberechtigten um 50% würden statistisch gesehen 50.000 Bürger einen Abgeordneten wählen. Die eigene Stimme und damit das demokratische Mitbestimmungsrecht würden also deutlich an Gewicht gewinnen. Umgekehrt zählt das Individuum umso weniger, je mehr Menschen es gibt, mit denen der Lebensraum geteilt werden muss.

 

Quelle: http://lostmoya.posterous.com/global-human-population-growth-graph-showing

Am besten bringt Isaac Asimov das Dilemma von Wachstum und der Würde des Einzelnen metaphorisch auf den Punkt: Man stelle sich eine Wohnung mit zwei Bewohnern und zwei Toiletten vor. Jeder könnte sich frei entscheiden, wann, wie oft und wie lange er die Toilette benutzen würde. Die Freiheit der Toilettenbenutzung wird deshalb als selbstverständlich angesehen und akzeptiert. Wenn jedoch zwanzig Personen in der gleichen Wohnung leben spielt es keine Rolle ob alle an die Freiheit der Toilettenbenutzung glauben. Sie kann ganz einfach nicht existieren. Man muss sich absprechen, wer die Toilette als nächstes benutzen darf, man kann sie nicht mehr so lange benutzen wie man möchte, andere könnten an die Tür klopfen und verlangen, die Toilette selbst zu benutzen, usw. Kurzum, man wird in seiner Freiheit und in seiner Würde eingeschränkt und jede weitere Person würde diese Einschränkungen weiter verstärken. Diese Metapher brachte Asimov zu folgenden Schlussfolgerungen: Demokratie kann eine Überbevölkerung nicht überstehen. Die menschliche Würde kann eine Überbevölkerung nicht überstehen. Annehmlichkeiten und Anständigkeit kann Überbevölkerung nicht überstehen. Das Gleiche lässt sich auf größere Maßstäbe übertragen. Umso mehr Menschen es gibt, umso weniger zählen die Wünsche und Bedürfnisse des Einzelnen, da es ganz einfach Limitierungen gibt, die eine uneingeschränkte Freiheit unmöglich machen. Es gibt so viele Menschen auf der Welt, dass uns 30.000 verhungerte Kinder pro Tag nicht berühren. Der Wert eines Menschen nimmt mit steigenden Zahlen stetig ab. In einem Dorf sind die Beziehungen zwischen den Menschen in der Regel persönlicher als in einer Großstadt. Sollten wir also weiterwachsen und mehr Großstädte hervorbringen? Auch wenn viele es vielleicht als eine Ausnahme abtun, so liefert ein schockierendes Video aus China (das ich aus Pietätsgründen nicht verlinken werde) einen anschaulichen Beweis für das eben Gesagte. An einer belebten Straße wird ein kleines Mädchen von zwei Autos angefahren und bleibt blutend auf dem Asphalt liegen. Zwanzig Menschen überqueren desinteressiert die Fahrbahn, ohne dass auch nur eine einzige Person dem schwerverletzten Kind zur Hilfe kommt. Traurig, aber mit Sicherheit keine Ausnahme. Allzu häufig begegnet man vor allem in Städten grauen Gestalten, die sich isoliert durch die Straßen schleppen ohne ein Auge oder Ohr für die Mitbürger zu haben. Der Wert des Menschen verkommt, weil er auf so viele Köpfe verteilt werden muss.

Bleibt nur noch zu sagen, dass es wünschenswert wäre, einen Politiker oder einen Ökonomen zu hören, der zugibt, dass ein auf Wachstum basierendes System nicht endlos ohne Krisen funktionieren kann. Leider handelt es sich dabei um ein Hauptproblem öffentlicher Politik: Man gaukelt dem Volk vor, dass es immer weiter aufwärts geht. Ich bin mir sicher, dass kluge und einflussreiche Köpfe von den Problemen wissen und darüber nachdenken, was getan werden kann oder muss, wenn bestimmte Grenzen erreicht werden. Die Menschheit darf gespannt sein, ob dabei eine brauchbare Lösung herausspringt. Mit einer Immer-so-weiter-Mentalität werden wir auf jeden Fall nicht weit kommen. Vielleicht trifft der große Crash dann nicht uns – aber unsere Nachfahren ganz bestimmt. Die Chancen stehen gut, dass uns spätere Generationen für unsere Kurzsichtigkeit und für unseren Egoismus verteufeln werden.

P.S.: If you have the time, you should watch the following lecture (in English). A lecture? Sounds boring! It really is not.  It is very persuasive and can really open up one’s mind. It explains the fallacy of unlimited growth and should be part of any academic curriculum.

Die Moorsoldaten


Die jüngsten Ereignisse haben mich dazu veranlasst, ein Gedicht von mir hochzuladen, das ich vor ein paar Jahren geschrieben habe. Es ist ein Plädoyer für die Zensur! Dafür? Das klingt ungewöhnlich. Nun, es geht um die Kräfte, die unsere Demokratie, Freiheit und Sicherheit gefährden. Terroristische Organisationen abzustrafen ist eine Zensur und rechtsradikale Parteien zu verbieten ist nicht ohne weiteres möglich, da das deutsche Grundgesetz allen die gleiche Meinungsfreiheit gewährt. Sollte die Meinungsfreiheit also eingeschränkt werden? Ich meine ja, da kein ideologischer Hetzer, der anderen Schaden zufügen möchte, eine Bühne und damit Aufmerksamkeit bekommen sollte. Erst brennen Bücher, dann Menschen – dass sollte man in Deutschland gelernt haben. Es ist auch in sich selbst paradox, dass jemand die Freiheiten der Demokratie nutzt, um gegen eben diese Staatsform zu propagieren. Was mich persönlich bei der plötzlichen Besorgnis um rechte Gewalt stört ist die Tatsache, dass sie schon immer existiert hat und des Öfteren totgeschwiegen wurde. Vielleicht liegt es ja daran, dass Mitarbeiter des Verfassungsschutzes auch Mitglieder der NPD sind oder waren. Schließlich war daran das letzte Parteiverbotsverfahren gescheitert. Dem braunen Gedankengut wurde in Deutschland nie komplett der Boden entzogen und selbst heute, in Zeiten des Fachkräftemangels, muss man sich von Deutschen, die in ihrem Leben nichts geleistet haben, anhören, dass die Ausländer uns die Arbeit wegnehmen und Deutschland schaden würden. Das Ironische daran ist, dass niemand Deutschland so dauerhaft geschadet hat wie der faschistische Wirrkopf, der jetzt von den gewaltbereiten Schergen angehimmelt wird: Adolf Hitler. Es braucht heutzutage nicht den Mut der Mitglieder der Weißen Rose, um zu verhindern, dass verachtungswürdige Ideologien wieder an Macht gewinnen. Einzig aufstehen muss man – und seinen Mund aufmachen.

 

 

Die Moorsoldaten

Wohin auch das Auge blicket

Moor und Heide nur ringsum.

Vogelsang uns nicht erquicket.

Eichen stehen kahl und krumm.

Stille Zeugen einer schlimmen Zeit,

welche entgingen dem grausamen Morden,

wurden vor vielen Jahren vom Joch befreit,

und sind doch von uns vergessen worden.

Wer nie die Angst vorm Krieg erlebt, weiß den Frieden nicht recht zu schätzen.

Wer nie Unschuldige sterben sah, hat weniger Scham, die Messer erneut zu wetzen.

Wer nie Gedanken sich gemacht, dass er allein verantwortlich ist für sein Versagen.

Wem nie bewusst wurde, dass er Teil von den Bösen ist, die andere plagen.

Kurzum, wer nicht in der Lage ist, aus der Vergangenheit zu lernen,

der wird an Menschlichkeit scheitern; und zum Abschaum unserer Gesellschaft werden.

Hier in dieser öden Heide

Ist das Lager aufgebaut.

Wo wir fern von jeder Freude

Hinter Stacheldraht verstaut.

Nicht viele genießen die Freiheit ihrer Existenz.

Dankbarkeit und Güte wird zu selten gelebt.

Die Lehren und das Leid anderer bestimmen nicht unsere Präferenz,

weil es nicht auf den Titelseiten unserer Zeitungen steht.

Auf die Straßen, in die Herzen,

muss die Nachricht, muss der Sinn;

dass ein Weg voll Leid und Schmerzen,

zum Untergang uns führt nur hin.

Frieden ist nicht Gottes Gabe.

Freiheit ist kein heilig Kind.

Liebe schenken und nicht Plage

ist, wonach es mir am meisten sinnt.

Morgens ziehen die Kolonnen

durch das Moor zur Arbeit hin.

Graben bei dem Brand der Sonne.

Doch zur Heimat steht der Sinn.

Gebrandmarkt hatten wir eine ganze Generation,

beschuldigt, verurteilt und ermahnt.

Umso stärker schmerzen die Einsicht und der Hohn,

dass sich der gleiche Wahnsinn neue Wege bahnt.

Zu wenige sind irritiert,

wenn Volksverhetzung aufmarschiert.

Durch jede Straße, jede Stadt.

Und dabei das Grundgesetz im Rücken hat.

Wollen den Sturm und neue Lager.

Wollen wieder Machtgefühle für erbärmliche Versager.

Wollen Zucht und Ordnung in alten Reichen.

Wollen das Demokratie und Freiheit der Knechtschaft weichen.

Getarnt ist ein bereits besiegt geglaubtes Ungeheuer,

Welches Gedeih und Verderben sinnt – mit blutrotem Feuer.

Auf und nieder geh’n die Posten.

Keiner, keiner kann hindurch.

Flucht wird nur das Leben kosten.

Vierfach ist umzäunt die Burg.

Auf und nieder, immer wieder.

Mit den Stiefeln links und rechts.

Blinde Wut dringt in die Glieder.

Böses nach neuen Opfern lechzt.

Auf geht’s Bürger, hisst uns‘re Fahnen!

Courage zeigen heißt die Pflicht.

Lasst nicht Gewalt erst zur Besinnung mahnen.

Vermeidet Krieg und wahrt euer Gesicht.

Dieser Boden, uns’re Heimat, unser eigen Fleisch und Blut,

gebt nicht verloren an die Schergen, die uns drohen mit Höllenglut.

Doch für uns gibt es kein Klagen.

Ewig kann nicht Winter sein.

Einmal werden froh wir sagen:

Heimat, du bist wieder mein!

Wenn das Moorsoldaten Schicksal niemand teilen will,

wenn Demokratie uns doch zu dem machte, was wir heute sind.

Warum nur sind dann so viele Menschen so schrecklich still,

und erlauben, dass das Recht zum Schutz vor Bösem uns durch die Finger rinnt?

Die Meinungsfreiheit ist uns zu Recht ein teures Gut,

wobei so mancher stutzt mit Unbehagen und Verdruss,

wenn man erwähnt, dass in manchen Meinungen eine große Gefahr ruht,

und das man eine Demokratie und seine Freiheit manchmal auch schützen muss…

*2009*

Neo-Nazi, 1.Mai, Polizei, Prozess, Gericht, Demonstration, Berlin

Quelle: http://www.bz-berlin.de/tatorte/gericht/neonazi-verweigert-aussage-vor-gericht-article950398.html

 

 

 

 

 

Neid – des Deutschen liebstes Kind


Vor ein paar Jahren kam mir eine Anekdote zu Ohren, die den Mentalitätsunterschied zwischen Deutschen und Amerikaner überspitzt verdeutlicht: Sieht ein US-Bürger das tolle Haus und das teure Auto seines Nachbarn, sagt er sich: „Das könnte ich in ein paar Jahren auch haben.“ Sieht ein Deutscher besagten Wohlstand bei seinem Nachbarn, sagt er sich: „Wie ist der nur dazu gekommen? Da ging es bestimmt nicht mit rechten Mitteln zu.“ Wo andere Menschen versuchen, die Vergleichsperson im Wettkampf zu überbieten, trifft man hierzulande eher auf eine Attitüde, bei der man dem Nächsten seinen Erfolg oder seinen Besitz nicht gönnt, ohne fair zu betrachten, wie die Person dazu gekommen ist. In gewisser Hinsicht wird der Neid eines Bundesbürgers jedoch zum Kompliment. In zweifelhafter Absicht verteiltes Mitleid bekommt man schließlich umsonst. Neid muss man sich jedoch erarbeiten.

Auch auf die Gefahr hin, als Nestbeschmutzer bezeichnet zu werden, fallen mir bei typisch deutschen Tugenden eher negative Attribute ein, wie Ungeduld, Verkrampftheit, Paragraphenreiterei, ständiges Meckern und Nörgeln – und eben Neid. Würde man es nicht besser wissen, müsste man auf Grund der Leidensbekundungen glauben, die Mehrheit des deutschen Volkes nage am Hungertuch und hätte nicht immer ein Dach über dem Kopf. Es ist das Phänomen der Wohlstandsabgestumpftheit, das der nörgelnde Mob nicht einmal zu schätzen weiß, was er tagtäglich für Privilegien genießt. Das so oft gescholtene Hartz IV-System sichert jedem hilfsbedürftigen Deutschen eine Wohnung, gewisse materielle Grundmittel, die nötigen Versicherungen und ausreichend Geld für Ernährung zu. Ein Arbeitsloser genießt also einen Lebensstandard, für den viele Menschen auf dieser Welt in den Krieg ziehen würden. Schlägt man aber vor, dass diese Personengruppe als Staatsbedienstete betrachtet werden, da sie ja schließlich vom Staat bezahlt werden, und im Rahmen ihrer Möglichkeiten ein wenig ihrer Arbeitskraft gemeinnützigen Aufgaben opfern, steht man plötzlich als menschenverachtend dar. Für eine solche Bezahlung zu arbeiten wäre entwürdigend. Es ist aber nicht entwürdigend, bei eigenem Nichtstun durch die harte Arbeit anderer Menschen finanziert zu werden? Aber nein, das Einkommen reicht ihm nicht, dem Michel. Ihn interessiert nicht, das weltweit eine Milliarde Menschen Hunger leiden (Quelle: UN); das jeden Tag 4500 Kinder sterben, weil sie keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben (Quelle: UNICEF); das 16 Millionen Flüchtlinge von Angst getrieben ihre Heimat verlassen mussten (Quelle: UN); das jedes Jahr Millionen von Menschen kriegerischen Auseinandersetzungen und Gewalt zum Opfer fallen (Quelle: UNICEF). Nein, das und noch viele weitere Grausamkeiten interessieren nicht, wenn doch der Nachbar gerade ein technisches Gerät erworben hat, das man auch gerne hätte und das man selbst viel mehr verdiente.

Human Development Index: 1990 – heute

Quelle: http://hdrstats.undp.org/en/countries/profiles/DEU.html

Natürlich sollte man nicht einer schwarz-weiß Mentalität verfallen. Auch in Deutschland gibt es Menschen mit existenzbedrohenden Problemen, deren Leben nach vielen Jahren ehrlicher Arbeit auf Grund widriger Umstände plötzlich in Scherben liegt; die häuslicher oder sonstiger Gewalt ausgesetzt sind; oder die auf Grund von Benachteiligung und Diskriminierung nie eine echte Chance hatten – doch um die soll es im Moment nicht gehen, sondern um den sogenannten Otto Normalverbraucher, der so lange mit dem eigenen Besitz nicht zufrieden ist, so lange er weiß, dass jemand anderes mehr hat.

Ohne Frage ist es eine seelische Belastung, wenn man nicht weiß, wie man seine Rechnungen bezahlen soll. Verständlicherweise raubt einem die Angst, die Bank könnte einem den gesamten Besitz wegnehmen, den Schlaf. Zweifellos ist es kein gutes Gefühl, bei jemandem in der Schuld zu stehen. Wenn manche der Betroffenen dann aber darüber meckern, dass es ihnen so schlecht ginge und das es einfach unfair wäre, in einer finanziellen Bredouille zu stecken, weil man doch so hart arbeitet, dann wird in den seltensten Fällen danach gefragt, welche Schuld einen selbst trifft. Wer wird denn dazu gezwungen, Kredite aufzunehmen, um ein Haus zu bauen, ein teures Auto zu kaufen oder den neuesten Laptop zu erwerben? Diese Entscheidungen trifft in der Regel jeder selbst. Die Belastung und der Stress, der aus der finanziellen Bürde besteht, resultiert direkt aus dem Verlangen nach diesen und anderen materiellen Gütern, weil der Einzelne der Meinung ist, er müsste sie unbedingt besitzen. Auch hier darf man natürlich keiner schwarz-weiß Malerei verfallen, da es in manchen Fällen nun einmal unumgänglich ist, Kredite aufzunehmen. Nichtsdestotrotz ginge in vielen Situationen das minimierte Bedürfnis des Einzelnen nach materiellen Gütern mit einem Gewinn an Lebenskomfort in Form von geringeren Stressleveln einher. Wenn man weniger Rechnungen zu bezahlen hat, muss man sich auch weniger Sorgen darum machen, wie man an das Geld kommt. Überspitzt verdeutlichen uns das Naturvölker, die das Konzept des privaten Eigentums nicht kennen und in manchen Fällen täglich nur vier Stunden arbeiten müssen, um über die Runden zu kommen. Viele Aspekte der urtümlichen Lebensgewohnheiten sind auf die heutige Gesellschaft nicht anwendbar. Ein gutes Beispiel, wie es sein könnte, stellen sie aber allemal dar.

Die blöde Kuh an der Kasse

Viele Menschen sind mit ihrem Beruf leider nicht vollauf zufrieden und finden in ihrer Beschäftigung nicht die gewünschte Erfüllung. Äußern tut sich das dann meistens in einem unfreundlichen oder genervten Ton gegenüber jenen, die auf der anderen Seite der Geschäftsbeziehung stehen, obwohl diese für die Unzufriedenheit gar nichts können. Das Traurige dabei ist, dass viel zu wenige daran denken, dass man seinen Nächsten so behandeln sollte, wie man selbst behandelt zu werden wünscht. Mir fällt es viel leichter, freundlich zu sein, wenn man mir freundlich entgegenkommt. Leider vergeht einem das Lächeln beim pampigen deutschen Service oft schnell. Den Bediensteten wird es zugegeben aber auch nicht leicht gemacht. Im Supermarkt z.B. kann eine schöne deutsche Tugend – die Ungeduld – am besten beobachtet werden, wenn manche Kunden – genervt vom eigenen Leben – keine Minute an der Kasse warten können, ohne sich zu beschweren. Muss die Oma in der Reihe vor mir so lange nach ihrem Kleingeld kramen? Kann die Kassiererin nicht schneller arbeiten? Warum muss ausgerechnet jetzt das Kind hinter mir weinen? – Warum fehlt den Menschen der Weitblick, dass auch sie eines Tages alt sein und für bestimmte Dinge mehr Zeit brauchen werden? Warum fällt es ihnen so schwer, die Position der Kassiererin mit dem eigenen Job zu vergleichen, in dem sie auch nicht gehetzt werden wollen und dem sie nörgelnde Kunden zum Wahnsinn treiben würden? Warum darf ein Baby, das sich verbal nur durch das Schreien kundtun kann, nicht einmal weinen, ohne das die Eltern gleich schräg angesehen werden? Oder – um ein Beispiel zu benutzen, dass meine Eltern betrifft – warum wissen die Menschen es nicht zu schätzen, im internationalen Vergleich betrachtet für wenig Geld eine gute Gesundheitsfürsorge zu erhalten? Warum meckern sie oder sind pampig beim Zahnarzt, wenn dieser nur gewissenhaft seinen Job ausüben und den Menschen helfen möchte? Wir stecken zu oft nur in der eigenen Haut und versuchen nicht zu verstehen, was in Anderen vorgeht oder was ihren Tag angenehmer machen könnte. Zuerst ich – und danach lange nichts. Ich bekomme schließlich auch nichts geschenkt! Richtig so! Dann immer schön raus mit den Ellenbogen. Schade nur, dass dadurch so mancher Mitbürger nicht erfahren wird, wie erfüllend eine winzig kleine Geste sein kann, die seinem Gegenüber und dadurch auch sich selbst den Tag versüßt.

Auf die Spitze treiben die Verkehrsteilnehmer dieses einseitige Denken, wenn sie auf dem Fahrrad auf die Autofahrer und im Auto auf die Fahrradfahrer meckern. Beiden wäre geholfen, wenn sie sich in die Situation des Anderen versetzen würden und mit Rück- und Vorsicht den Straßenverkehr sicherer und angenehmer machen würden. Oft ist das leider nicht möglich, wenn der Autofahrer bereits genervt in sein Lenkrad beißt und der Fahrradfahrer der Meinung ist, er dürfte überall durch. Nein, diese ich-zuerst-Mentalität hilft uns nicht weiter und erschwert uns den Alltag. Seid freundlich zu einander und ihr werdet erleben, dass man – zwar nicht immer, aber doch oft – eine angenehmere Interaktion erfahren wird. 

Die geheuchelte Abscheu

Den eigentlichen Anstoß für diesen Artikel liefern die jüngsten Aufschreie aufrechter deutscher Bürger gegen politische Entscheidungen oder andere unliebsame Umstände. Mit Abscheu äußern sich viele Mitmenschen über die „Heuschrecken“ der Finanzbranche, die nur den Eigennutz im Kopf haben und den kleinen Mann ausbeuten. Was schlüssig klingt, ist oft pure Heuchelei. Diejenigen, die den Mund am meisten aufreißen, würden sich die Bonus-Zahlungen der Topmanager auch in die eigenen Taschen stecken, wenn sie in der gleichen Position wären. Auch sie würden sich Häuser, Yachten und schnelle Autos kaufen und einfach nur ihren Beruf ausüben. Schließlich hätten sie es auch verdient, da sie doch härter arbeiteten als Andere. Doch nein, sie sind eben nicht in der Position eines millionenschweren Topmanagers und so kommt eben der Neid ins Spiel, in dem man hinter moralischen Aspekten oder Gerechtigkeitsprinzipien zu verstecken sucht, dass man jemandem nicht gönnt, was er hat. Würden sie es ernst meinen – die Ankläger – mit ihrem Protest, dann würden sie nicht in die Stadien rennen, um das überbezahlte Fußballgewerbe zu finanzieren. Viel offensichtlicher ist der Widerspruch aber im Finanzsektor. Kleinaktionäre wollen mit ihren Anlagen Geld verdienen. Wenn andere dies in großem Maßstab tun, verabscheuen sie es plötzlich? Jeder sucht sich eine Bank aus, bei der er sein Geld bestmöglich vermehren kann – den Vorstand dieser Bank verachten sie aber? Kann man eine Waffe kaufen, auf der Straße dann aber gegen das Waffengeschäft protestieren? Was würde denn ein Ackermann machen, wenn die Deutsche Bank keine Kunden mehr hätte? Wie würde sich ein hochbezahlter Vorstand eines Autokonzerns finanzieren, wenn der Absatz zusammenbräche? Das Individuum hat die Macht, mit seinem Handeln eine Wahl zu treffen. Bequemer ist es jedoch, von der eigenen Hilflosigkeit zu sprechen und großspurig gegen alles zu wettern, dass man nicht mag – obwohl man selbst nicht sonderlich viel dagegen tut.

Natürlich bin auch ich gegen die ungezügelte Gier im Finanzsektor. Noch saurer als das amoralische Verhalten der Topmanager stößt mir aber dieser geheuchelte Widerstand auf von Menschen, die genau das Gleiche machen würden, wenn man ihnen das Geld anbieten würde. Was soll denn mit dem Geld passieren, dass man den Banken wegnimmt? Soll man damit etwa den Hunger der Welt bekämpfen? Nein, das Geld gehört schön ins eigene Portmonee in Form von Steuersenkungen oder sonstigen Beihilfen. Schließlich geht es dem deutschen Michel ja noch nicht gut genug – und der neue Flatscreen muss auch irgendwie abbezahlt werden. Vergessen darf man dabei nicht die Minderheit an aufrechten Protestlern, denen es tatsächlich um eine gerechtere Verteilung des Wohlstandes im Land, aber auch weltweit geht. Im Endeffekt sind wir reich weil andere arm sind. Keine Ausgebeuteten ohne Ausbeuter. Die Spekulanten an der Börse tragen zur Erhöhung der Lebensmittelpreise bei und treiben so noch mehr Weltbürger dem Hunger entgegen. Das ist das eigentlich Verwerfliche. Genauso unbegreiflich ist es, warum Topmanager Millionen in den Sand setzen können und am Ende sogar noch mit einer dicken Abfindung in den Vorruhestand geschickt werden. Die gerechtere Verteilung des Wohlstands über die eigenen Grenzen hinaus sollte das Ziel der Demonstrationen sein. Leider denken viele aufgebrachte Bürger in erster Linie nur an sich selbst.

Schmeißt sie raus, die Griechen!

„Warum soll ich denn für die Griechen bezahlen?“, schallt es derzeit mancherorts durch die Gassen. Ein wenig Wut kann man dabei schon verstehen, wenn die Deutschen eine Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre akzeptieren müssen, die Griechen aber bereits auf die Straße gehen, weil sie nicht mehr mit 59 in den Ruhestand gehen sollen – um nur ein Beispiel zu nennen. Es gibt durchaus gute Gründe, warum man als Steuerzahler Unmut empfindet ob der Milliarden, die der eigene Staat in andere Länder schickt, um dort die Misswirtschaft auszugleichen. Viele Bürger sind daher auch der Meinung, dass man Griechenland eben Bankrott gehen lassen oder es gar aus der Euro-Gemeinschaft ausschließen sollte. So verständlich viele Argumente auch sind, sie spiegeln einmal mehr eine sehr einseitige Betrachtungsweise wieder. Zum Einen besteht bei der heutigen Vernetzung internationaler Institutionen und Staaten die große Gefahr, dass das Scheitern eines Landes eine Kettenreaktion auslösen könnte. Zum Anderen verfällt man erneut der Angewohnheit, das Gute als selbstverständlich hinzunehmen und das Schlechte zu kritisieren. Als die EHEC-Fälle den europäischen Landwirten Absatzeinbuße bescherten, hielten sie es für selbstverständlich, staatliche Hilfen einzufordern, welche sie auch bekamen. Wäre es nach dieser Logik nicht aufrichtig, in guten Jahren etwas von den Überschüssen an den Staat zu zahlen? Genau das tun sie eben nicht, die Bauern. Der Bürger erwartet in schlechten Zeiten Hilfe, will in guten aber nicht teilen. Er macht somit genau das, was er den Topmanagern vorwirft.

Quelle: http://immobilienblasen.blogspot.com/2010/02/three-quarters-of-all-german-exports.html

Ein ähnliches Prinzip trifft jetzt auf Griechenland zu. Deutschland verdankt seinen starken Export hauptsächlich seinen europäischen Handelspartnern. Unser Gemüse und Obst kommt aus Spanien, Italien und den Niederlanden, unsere Möbel aus Schweden, unsere Autoteile aus Polen und der Tschechei, unser Käse aus Frankreich, unsere Schokolade aus der Schweiz, etc. Da es innerhalb der europäischen Freihandelszone keine Zölle gibt und da reichliche Subventionen fließen, sind Lebensmittel und andere Produkte – egal aus welchem europäischen Land sie kommen – so billig wie in kaum einer anderen Region der Welt. Fast alle genießen die Vorteile der europäischen Einigung – oder möchte noch jemand an jeder Grenze stundenlang warten müssen und in jedem Urlaub sein Geld wechseln? Im Moment sucht Deutschland händeringend nach ausländischen Fachkräften – ein Trend, der sich in der Zukunft verstärken wird. Deutschland ist Europa und profitiert jeden Tag von den engen Beziehungen. Viele Bürger nehmen das anscheinend als selbstverständlich hin und sehen nun nur die schlechte Seite der Euro-Zone. Sicher, Griechenland hat versagt und muss grundlegend reformiert werden. Wenn Deutschland dabei hilft, ist dies nicht nur gerecht, sondern nicht einmal ein selbstloser Akt, da man in vielen Punkten im eigenen Interesse handelt. Man darf nicht vergessen, dass Deutschland neben Frankreich in der EU die Politik bestimmt und so oft seine Interessen durchsetzen kann. Auch in der Krise wird es Deutsche geben, die die Griechenland-Problematik zum eigenen Vorteil zu nutzen wissen und mit Knebelverträgen die missliche Lage ausnutzen werden. Weltweit gesehen ist Deutschland genauso wie die anderen Länder in führenden Positionen groß und stark, weil es andere „Partner“ klein und schwach hält oder dessen Schwäche zumindest billigend in Kauf nimmt. Seine Augen davor zu verschließen, wäre Nationalismus. Selbst wenn Deutschland in der Griechenland-Frage der Gebeutelte ist, steht es weltweit oft auch auf der anderen Seite der Gleichung. Auch wenn sich die deutsche Politik in manchen Fällen für Gleichheit und Gerechtigkeit auf internationaler Ebene einsetzt, tut die deutsche Wirtschaft das noch lange nicht. Wer erkundigt sich etwa, ob bei der Herstellung des erworbenen Produkts im Ausland die Menschenrechte beachtet wurden? Wenn interessiert es, dass Deutschland bei den Rüstungsexporten weltweit auf Platz 3 steht? Will man uns ernsthaft weismachen, dass diese Waffen nur für gute Zwecke eingesetzt werden? Bekommen die ärmsten Länder der Welt einen fairen Preis für die Rohstoffe, die wir ihnen nehmen? Interessiert uns, wo diese Rohstoffe herkommen und wie viele Menschen bei dessen Gewinnung sterben oder erkranken? Nein, dass alles interessiert den Geschäftsmann und im Endeffekt auch den Kunden nicht. Die Wahrheit ist, dass deutsche Unternehmen weltweit für viel Ungerechtigkeit und Ungleichheit sorgen – die Politik ist davon nicht immer ausgenommen; oder ist es etwa gerechtfertigt, den afrikanischen Markt mit subventionierten europäischen Lebensmitteln zu überschwemmen, die lokalen Kleinbetriebe in den Ruin zu treiben und die Grundlagen eines selbstbestimmten Volkes so zu zerstören?

Quelle: http://www.fr-online.de/politik/kriegsgeraet-deutsche-verdienen-gut-am-waffenexport,1472596,2845560.html

Es könnte so schön sein

Viel zu oft ertappe ich meine Mitbürger dabei, wie sie über dies und jenes nörgeln und meckern, weil sie anscheinend nicht zu schätzen wissen, wie gut es ihnen eigentlich geht. Aus irgendwelchen mir unergründlichen Motiven gehört dazu auch oft eine missgönnerische Einstellung gegenüber den Errungenschaften und Besitztümern anderer. Das Leben könnte so viel entspannter sein, wenn der Mensch sich nicht über seinen Besitz definieren würde. Wie sagte doch August Bebel: „Im Mittelalter galt der Stammbaum des Menschen. Heute entscheidet sein Besitz. Aber wann wird der Mensch als Mensch gelten?“ Auch ich würde mich nicht komplett von meinem privaten Besitz trennen wollen, aber reizvoll ist der Gedanke schon. Viele Übel blieben der Menschheit dadurch erspart, wie etwa Diebstahl, Unterschlagung, Missgunst und Neid. Die Menschen würden zusammenarbeiten, weil es keinen Sinn machen würde, mit jemandem zu konkurrieren. Man wäre der absoluten Gleichheit aller Bürger sehr viel näher als heutzutage. Die Nachteile einer solchen Ordnung braucht man aber gar nicht erst erwähnen, weil solche Zustände nie eintreten werden. Doch wäre das Leben nicht viel schöner, wenn man sich über den Erfolg anderer mehr freuen könnte als über den eigenen? Die Hoffnung bleibt, dass der Mensch letztendlich die Nächstenliebe mehr schätzen wird als den Wettkampf und das man sich im positiven Sinne in erster Linie für sein eigenes Leben interessiert – unabhängig von den Erfolgen bzw. Misserfolgen der Mitmenschen. Bis dahin mache ich mir Mut mit den Dingen, die ich an Deutschland tatsächlich mag, wie unserer Verfassung, unserer Zuverlässigkeit, unserer Kriegsverdrossenheit, unserer Umweltpolitik und unserer Freiheit.

Poor but happy – if you find the right things to live for!

How would your pet treat you?


At some point in our history, an unlikely relationship was established between human beings and wolves. For the longest time those two species had been enemies in the field, mostly with humans as the prey. It is impossible to determine when the first wolf was tamed, but this event, like many others in human history, set a milestone in our ancient past. Ever since, human beings did not consider other species exclusively as enemies or prey anymore. Instead, they were also regarded as potential companions and useful helpers. Man learned to make the living beings around them adapt to their needs. The results are obvious today: Dogs, as our oldest companions, have been so well bred in accordance to human needs, that they will willingly obey any order given by their owner, going as far as sacrificing their lives in a fight for the sake of the human being. Cows produce up to 50 liters of milk every day and hens produce up to 300 eggs a year – an amount unreached in nature. Pigs have grown to enormous dimensions, serving as living meat factories. Horses, as proud as they might be in the wild, willingly jump over obstacles or prance around with braided tails if their owners want them to.

Could we live without domesticated animals?

Human beings have grown very fond of their domesticated animals – and very dependent. With vegetarians beings a very small minority in Western societies, most members of our species take killing animals for food as granted. Leather and fur, or in other words the skin of another animal, is commonly used for shoes, clothes, wallets, purses, hats, etc. The story is similar for wool of course, even though the sheep at least don’t have to die when their hair is taken. Milk and eggs are part of the diet of most human beings. Even though heavy machinery is plowing our fields, in many parts of the world horses and cattle are still inevitable for agriculture. Dogs often provide necessary protection against animals or other human beings. The bottom line is that if George Orwell’s “Animal Farm” actually became reality and mankind had to deal with its problems without the help of its domesticated animals, human beings would be in big trouble. What would we eat? What would we wear? Who would protect us?

In addition, human beings have reached a state where animals mean much more to them than sheer survival. Homo sapiens have surrounded themselves with other species for so long that today it goes not only without saying that we use animals for essential needs but also for our entertainment. We don’t need pets to survive and still they have become so valuable to us. We love our dogs, cats, hamsters, horses, rabbits, pigeons, etc. After all, our species is a social one and individuals don’t want to be alone. We do not only try to find comfort in relations with our own kind, but also in relations with other living beings. Animals are important for us on a physical and emotional level – no doubt about it. The question is: Regarding that very importance and the dignity of our fury friends, do we treat them in a way they deserve?

You put your pets in prisons, so at least treat them right!

Uncountable numbers of various pets have to suffer and die in animal shelters all around the world every day. They were not born for animal shelters of course but they ended up there because of their reckless former owners. Pets are bought easily without thinking it through. If you purchase an animal, you are going to put it behind bars or glass or on a leash. The least you can do is try to make its life as comfortable as possible. People laugh when they see little Darla shaking a fish in a bag, yelling “Wake up fishy!” in the Pixar movie “Finding Nemo”. It is not hard to find videos online of little hamsters laughed at as they are struggling for their lives in a bowl of water. Families enjoy their time at a circus where captive animals perform moves and tricks so unnatural and dreadful to them that the only force making them obey is their fear of getting punished. Staged fights between dogs, roosters, or other animals are the climax of human perversion when it comes to using animals as entertainment.

Except the last example, people probably don’t even mean to be consciously involved in an act that makes an animal suffer. They behave the way they do just because they are reckless, ignorant, and selfish. We might laugh at little Darla, but the truth is that fish in most aquariums around the world suffer. Being silent as they are, they cannot shout out for help in discomfort – but one thing is for sure: They do suffer and they do feel pain. Fish have needs – just as we do – and fish have desires as well. If you decide to get your own tank, make the effort and learn something about the species you want to add. What do they eat? How much space do they need? Do they need companions? What are the appropriate parameters for the water? You don’t want to be locked up in a tiny cage at 5°C either, with low oxygen levels and surrounded by cows, dogs, and wild beasts.

 

A small part of my aquarium

Of course one could say“What is all the fuss about? They are only fish!” Yes, it is only fish, or only cows, or only mice. The problem with this mindset is a bigger one. Human beings destroy their environment with an ever increasing pace just because they have no respect for nature and other living beings. People can justify it if they want, but such an attitude is as selfish as it is inhumane. Indigenous people could teach us what it means to live in peace with nature – but we disregard them as being not civilized. It is this lack of respect for other living beings that can easily be exploited within the human species. People could try to learn about fish and understand how horrible it is to be pulled out of the water on a hook that is pierced through your upper jaw – but they choose not to. A turtle might look funny for some when it is put on its back, but the poor thing is probably scared to death. Circus animals are beaten up brutally and held under horrible conditions – and people call this family entertainment. Comparably, many crimes of the past could not have been committed if the perpetrator viewed their victims as living things that felt and thought just like they did. The most horrible crimes are committed when other groups are “dehumanized” and when they are not considered as equals. People draw a line and everyone beyond that line doesn’t have the same rights and doesn’t deserve the same treatment. The Jews during World War II, the Indians and natives in America, the slaves in Egypt, or the inmates at Guantanamo – they all share that they were degraded in a way that people who committed crimes against them didn’t even have to feel bad or guilty. In both cases, within our species and beyond, it is possible to learn how the other side might feel and how we are causing suffering and injustice. Choosing to ignore such insights is cowardly – and a confession of failure of empathy, the one trait that is supposed to differentiate us from the other animals.

If people take away the freedom from another animal and trap it in their homes, they should do the right thing and ask themselves “What is best for the animal?” rather than “What is best for me?”. Pets are living beings with feelings and emotions similar to ours. People cannot meet their needs without the effort to understand their natural background and their most natural needs. Just because the owners think that something is cute or adorable, it doesn’t mean the animal agrees. Helpless as it is under most circumstances, it has no choice. If people really love their pets, they are going to think it through twice if they can provide whatever it is the animal needs on the long run. Such non-human friends depend on us – we should accept the responsibility and treat them the best we can.

Would you have your hamster for lunch and your dog for dinner?

Many people actually do try to create a natural and comfortable environment for their pets. They do not only view the animal as an add-on, but rather as a part of the family. Such owners make an effort to take their pets to the vet whenever something seems to be wrong; they establish emotional ties with their furry friends; and they cry when their companion dies. Even if you just lose an animal as small as a hamster, as we just did, it is no shame to cry. It shows that you actually felt for your little friend and that he might have had the place in your heart that he deserved. It is wishful thinking that all animals will be treated in a way they deserve, but every single person can make the difference for their own pet.

Cricket in his hamster palace

One thing, however, that I find absolutely striking is how such people who take care of their pets so well can view the suffering of other animals in a completely different way. If they were consistent, they would be vegetarians. After all, they established emotional ties with their animals because they know that they can feel and think as well. How is it then that they stand by with total indifference when it comes to the suffering of cows, pigs, chickens, and others? The meat on their plates stems from a feeling and thinking animal as well. What is the difference? It would be repugnant for them to even think about their pets being eaten by somebody. Why is it ok then to eat the animals you didn’t own? The difference between eating a cow or a pig and eating a dog or a guinea pig is completely arbitrary. Different cultures around the world prove that point. Again, it comes down to establishing groups outside of which other rules apply. The way our meat producing animals are held and slaughtered today is one of the most disgusting procedures established by mankind. When people see their steak on their plate, they don’t think about how it got there. It is always easier to close the eyes and look away, but the fact that people eat meat inevitably makes them responsible for the horrible deaths of hundreds of animals throughout their lives. Pet owners might enable a good life for their animal, but if they eat meat they bring hell down to earth for so many others. If things turned around and suddenly human beings would be the oppressed species, how would we prefer to be treated?    

The Burden of Individualism


The concept of a free will is a powerful one. After all, what we do, think, and say is not controlled by anything or anybody – but us. We are the masters of ourselves and in accordance to many widely respected sources, such as the Bible, that has been the case since the dawn of man. What has changed is the level of individualism which people in wealthy and well educated societies experience today. We can choose our jobs, our partners, our houses, our cars, our styles, our hobbies, etc. In addition we are the designers of our own life – creating something that is unique and truly individual. However, if you are consistent and take the concept of a free will further you would also have to admit that it comes with certain duties, such as the personal responsibility of your own actions. The funny thing is, when it comes to the downsides of individualism and the freedom of will, people suddenly tend to turn a blind eye and look for excuses and justifications. Besides the usual arguments such as “he has had a hard childhood” or “she was influenced badly”, the idea of giving the responsibility for your own actions away has already been elevated to the highest possible level – you can screw up big time in your life but accept the lord as your savior and you will be forgiven. It was nobodies choice but yours and hence it was your free will that made you mess up – or wasn’t it?

Is there such a thing as a free will?

There are various ways to tackle this question. First, let us consider the theological argument. Free will was given to man by God. This was inevitable in order to keep the credibility of the creator up. Without this loophole, how could one justify why God created a world so full of injustice, death, and suffering? Why does the climax of creation, man, do such horrible things and why does it need to be punished so severely throughout history? The answer is: God is not responsible for this because human beings chose freely to disobey the holy rules and caused misery and pain. How convenient! Now, there are several fundamental fallacies which should strike anyone who is confronted with such an apologetic argument. If God is omnipotent, can he foresee the future? If he can, why didn’t he see what man would do with its free will? Was there no possibility to design human beings in a way that they would be incapable of committing atrocities? Of course, one could still say that our mortal life with all of its hidden persuasions and traps is one big test to prove if we are worthy to proceed to heaven. However, it doesn’t change the inevitable circumstance that God created something and knew all of the bad things it would do but still carried on. Is life and human behavior just a sick piece of entertainment for a bored celestial dictator who punishes or rewards living beings arbitrarily? The bottom line is this: Saying that God has nothing to do with the bad things that are done by human beings because of the free will of man does not suffice. We are either ill designed or just morbid entertainment.

Source: http://de.toonpool.com/cartoons/against%20free%20will%20god%20angel_73167

However, coming back to the question if such a thing as a free will exists, the theological argument does not lead to a positive answer. In order for something to be free, you need to have the chance to decide freely. Did man choose to get its free will from God? Or was it forced upon human beings? The Bible teaches us that man was neither asked nor did he have a choice if he wanted a free will or not. So how can something be free that was forced upon someone?

In connection with the theological argument, but partly independent from it, the next question is as follows: Can we choose not to have a free will or could man have chosen to give its free will back to God? It is hardly possible to claim that we can choose not to have a free will and if that is the case, the whole concept of a free will collapses. Comparably, we can’t know that we know nothing because if we do, we already know something. If we can’t choose to have a free will, it is not free.

Last, on a more practical level, the inevitable influence of our environment should not be ignored when talking about the concept of free will. If there actually was such a thing as a free will, our environment would not influence our decisions at all – but it does! The clothes that you wear, the food that you eat, the music that you listen to, the status symbols you acquire, the way you think about other people – it is all influenced by our environment. Still, people might say that they decided freely to get their iPod – but where do they get the idea from that an iPod is desirable? Our decisions are constantly influenced unconsciously by our instincts as well as by our environment. Even though many people might not like such a statement, the throne from which we look down from on all other living things is not as high as we would want it to be. Why is a German more likely to become a beer drinker than a Frenchman? Why is an American more likely to kill animals in the woods with guns than an Austrian? Why is an Aborigine more likely to live in peace with nature than a white Australian? If the concept of a free will was real, yes or no would be an equally probable answer to any question. It is certainly not, thanks to what nature and society has turned us into. None of our decisions are made freely since they always depend on our history and our instincts.

So despite mainstream opinion, the indefensibility of the concept of free will is an argument that should not be discarded prematurely. However, for the sake of the argument let’s follow the herd and assume that free will exists because it leads to a major point that is often conveniently ignored: If one claims that they have a free will, do they accept the responsibility for their actions? On first sight, the question might sound trivial. Nevertheless, regarding the many excuses and justifications which people make up for their personal acts by which they deny the independence of their decision making process, the question gets more complex.

Is individualism genuine?

The equation is simple: If something good happens to me, I have earned it and I deserve it because I have worked hard for it. After all, that is the upside of individualism. On the other hand, if something bad happens to me, I was out of luck and I expect somebody else to help me. When things go downhill, individualism suddenly gets a transforming touch. Things that go well are my achievement, but things that go wrong should not be handled by me alone. People are always quicker to say that they couldn’t do much about their failure than they are when they talk about their success. For the sake of visualization, let’s start with a very harsh example.

When the 1930s and 1940s witnessed the darkest chapters of German history, many people who tried to fight the Nazis from within were glorified after the war as individuals who stood up and tried to give the horrible events a turn for the better. In that case, one could surely say that it was their free will that, despite the danger of prosecution and death, made them stand up against the atrocities committed by their fellow man. Those men and women risked their lives and died for their convictions. There is not much debate about the question if those individualistic acts should be honored or not. The peculiarity of how differently we evaluate individualistic behavior arises when we look to the other side – the common people who followed the Nazis. As in many other cases as well, historians or sociologists would try to explain the behavior of the German people by the desperate circumstances of that time: The financial crisis, a high unemployment rate, a suffering dignity due to the Versailles Treaty, etc. Hence, the Germans (and other groups in different examples) are rather treated as an entity than a collection of individuals. All of these attempts that try to explain the behavior of the common people at that time ignore one simple fact: Human beings are individuals and we all decide as individuals. Where would our free will be if we didn’t? Every single German had to decide for themself if they wanted to participate in the annihilation of the Jews and a war that devastated the whole of Europe. Hitler didn’t turn decent people into monsters over night. Rather, a mob of monsters brought forth Hitler and his henchmen. If 99% of the Germans had decided not to follow such a maniac, what could he have done? It is an inconvenient truth; one that is not usually uttered. Looking for excuses for the behavior of the masses is not the right way to go. If you decide to be or support a murderer, you are responsible for people dying. Nothing can justify that. In that context, it is more than obvious that individualistic acts which lead to something good are evaluated differently than those which lead to something bad. Essentially, they are the same. People should not be able to be excused if their decisions lead to something malicious.

 

Source: http://tracyweespeaks.blogspot.com/2009/06/individualism-vs-collectivism.html

The coward excuse of weaknesses

We make many decisions every day. The concept of a free will and our individualistic lifestyle has given us the chance to take our lives into our own hands, so it seems. Every now and then, however, our free will seems to be limited. As stated before, human beings are individuals who make decisions for themselves and who therefore should be responsible for their actions. If people steal a car, they shouldn’t blame their upbringing. If people do drugs, they shouldn’t blame their addiction. If someone molests another, they shouldn’t blame their sexual urges. People make decisions every single time they are confronted with a problem. Using weakness or addictions as excuses is nothing but cowardly. Would they then admit that they actually do not have a free will? It is always easier and more convenient to blame others for your bad decisions. How can someone blame a fast food chain for his obesity instead of accepting the responsibility for his own diet? How can a single mother with five children who has never had a bright outlook expect the government to give her more money instead of using contraceptives, sending fewer children into a bleak future? How can someone justify beating up their child by referring to their own violent upbringing, knowing how much they had suffered themself? How can a religious fanatic plead not guilty in court because a higher power had advised them to blow up an abortion clinic?

People make decisions – and they should be held responsible for them. Individualism does not only mean that you are responsible for your own success, but also for your own wrong doings. If you have to make a decision and you are tempted to choose the worse path suck it up and accept that nobody is responsible for your decisions but you. Even if the concept of a free will is obsolete, human beings certainly have the ability to reason. We should not accept when they choose not to make use of it. 

The Dilemma of Ethnocentrism


The question of the ultimate truth and the universality of good and evil is an unsolvable one, so it seems. After all, not even our alleged omnipotent creator was able to make his world view clear enough to us – or why else would the world religions fight against one another so fiercely? It is a simple fact that major differences exist between cultures, religions, nations, and individuals. The crucial question is therefore: How are we going to deal with them?

The White Man’s Burden

In the days of colonialism, it didn’t even cross the minds of the European emperors for a second that the invasion and suppression of formerly free people could possibly be unjust. It was the duty of the educated and civilized European nobleman to help the natives make their way out of their barbaric and uncivilized habits, so they genuinely thought. The Western, or European, way of life was the most desirable one and helping others out of their primitive state was regarded as a humanitarian act. As time went by, the locals grew sick and tired of the foreign suppression and intensified their struggles for independence. They realized that, despite noble claims, the colonialists primarily followed their own interests, exploiting the country. Nevertheless, for many countries under foreign rule it took major historic events such as world wars to regain their independence thanks to a weakened empire. The former colonial powers might still say however, that their influence benefited the people and countries that were under their rule in the past. More objective scholars, on the other hand, claim that imperialism has damaged and scarred the suppressed peoples considerably. Is an objective evaluation of this issue possible? Isn’t it true that the colonial powers increased medical aid, upgraded local infrastructure, and introduced modern politics to the natives? Isn’t it also true however, that they did not consider the suppressed people as human beings with full rights and privileges, and that they always followed their own interests first?

Source: http://inhumanities.wordpress.com/2009/12/

What does Ethnocentrism mean?

The colonial powers were convinced that their concept of good and bad, progressive and underdeveloped, modern and primitive was the only one and true concept. Hence, countries that did not share the same values could not have been civilized and needed help. The European powers applied their own world view to people far away that lived under completely different circumstances. That train of thought is Ethnocentrism: Evaluating other cultures and people by the standards that one grew up in. It is still tempting to look at the world from that simplistic point of view – and in fact many countries still do. Why shouldn’t we? Aren’t we a role model regarding human rights, diplomacy, living conditions, and education?

The world is not that simple, of course, and calling yourself the “city on the hill” as the Americans like to do, whose ambition it is to force their way onto all other people, is as ignorant as it is arrogant. This is not a solid foundation for a fruitful dialogue between nations. How could one objectively define perfect or better than anyone else? We can’t, and there is certainly plenty of room for criticism of our Western cultures. Outsiders might criticize our societies and they might have good reasons for doing so. Tolerance is the key, as much for us as for foreigners. Without it, coexistence becomes impossible as shall be exemplified by a simple case.

Millions of people, in some way or another, wear a certain symbol of religious dogma. For those of a different religion that very same symbol could stand for torture, death, suppression, lies, and hypocrisy. They are appalled when they are confronted with such symbols in public. Coming from a different cultural and social background, they would like to remove all of those symbols from the public. Since they are a minority in many countries regarding their views toward the religious symbols, they wouldn’t have a chance in achieving these goals. After all, the local population would be outraged by such demands, calling them – unconsciously – ethnocentristic. They have a point. Circumstances are different, and minorities or migrants have to accept that habits or beliefs will not be changed just because they, with their different backgrounds, think they are wrong. The main example behind this point is Christians (in Germany, e.g.) who won’t take down their crosses just because minor religions might feel offended or unequal.

So is Ethnocentrism a bad thing?

So far, the case has been made for the awareness of cultural and social differences. Who is right and who is wrong can often not be determined on an objective basis. However, the hesitation when it comes to the application of Ethnocentrism has its limits. If you think that Ethnocentrism is bad in general and should never be applied, you are either a coward who doesn’t want to take a stand, a hypocrite, or both. At some point in your life you have to make a decision: Do you advocate human rights? Do you think everyone should enjoy the same level of freedom and safety as you do? Are all human beings equal?

Especially when it comes to the protection of basic human rights, anti-ethnocentrists have to explain how they can just stand by and watch when people get hurt. In many parts of Africa young girls still get their labia cut off with rusty blades, only to be sowed up again so that the future husband has the privilege to penetrate the mutilated vaginal opening violently. In some Arab countries people still get stoned to death without trial – not to mention the death sentence in general. In India, dozens of cases of women who are set on fire by their husbands because their parents couldn’t pay a satisfactory dowry are reported daily. Within some religious sects, innocent minors are promised to and raped by much older men just because dogma commands it. Why should any country have intervened when the Nazis tried to annihilate the Jews? It was just something that happened in that society at that time and people didn’t have a problem with it. All of these examples are clearly human rights violations. Interfering with them would be ethnocentric as such habits are widely accepted in the respective societies. Yes, we can call it arrogant to judge events that happen outside our borders. Nevertheless, it seems rather to be more cowardly than tolerant to stay silent and do nothing. Can you really look an Afghan woman in the eyes, whose face has been mutilated with acid because she tried to go to school, and tell her that it is not your problem and that she and her society have to deal with it by themselves? If you were on vacation in a country that didn’t value human rights as much as we do and if you were imprisoned or punished for dubious reasons, would you silently accept the treatment since it might be the status quo in that society? Or would it be different because you are affected? And if so, which human rights apply to you that do not apply to the locals?

It is not about force, it is about choice

What most people don’t understand who are passionately against ethnocentrism is that it is not about forcing our ways onto others but about giving them a choice. Women have fought and died in Europe to achieve equal rights, such as the right to vote. If women who are familiar with the concept of equality then go to Africa to teach local women, they won’t say: “You have to vote!” but instead “You have the right to vote because men and women are equal.” If women in western countries decide to wear a headscarf due to their Islamic belief system, they are welcome to do so because they could actually decide freely without fearing ramifications. However, the picture is different in the Arab world. Obedience is the key and women are everything but equal. If they dared to go out without a headscarf or burka, they would be punished severely. Calling this wrong is ethnocentristic, but most of all it is humane. If you saw a Turkish man beating his sister unconscious because she dressed too revealing in his eyes, would you still say it is wrong to judge or intervene? If you do, you have to question your ability of feeling compassion for other human beings or, in other words, your empathy.

People should have the right to live freely without fearing punishment, to be regarded as full and equal members of the society, to make choices of their own, and to be protected by the Human Rights Charter. It should be our goal and our desire to enable them to live the life that we take for granted. Let them decide if they want to accept the changes or not – but give them a choice!

It is obvious that the problem remains of how to open the eyes of others. The way the United States, for example, spreads its ideas of democracy and freedom forcefully and without thinking of those upon which their ideas are being brought is clearly not the weapon of choice. The way of intolerance and war is not right under any circumstances. So what can, or should, we do? For starters, we should have the guts to name injustice when we see it and live and act as advocates of human rights, no matter where we are, because human rights should neither be limited by borders nor by social taboos.

I have the right to protectionSource: http://www.azdps.gov/Services/Crime_Victims/child/

Die Macht des Konsumenten oder die Feigheit des Nichtstuns


Wenn auf irgendeinem Sender Bilder von hungernden Kindern über die Mattscheibe flimmern, bekommt man dann und wann von besorgten Mitbürgern zu hören: „Um Himmels Willen! Da muss doch was getan werden!“ Wenn sich irgendwo auf der Welt kräftige Unwetter ereignen, welche Hunderte Menschen in den Tod reißen und wenn Wissenschaftler auf die Folgen des Klimawandels hinweisen, dann kommen regelmäßig etliche Moralapostel aus ihren Löchern, welche sehr genaue Vorstellungen darüber haben, was sowohl der Nachbar als auch die „Großen“ in der Politik anders machen müssten, um der Entwicklung entgegenzusteuern. Wenn es darum geht, eine nachhaltige Politik zu finanzieren, die unseren Kindern eine friedliche und gesunde Existenz ermöglicht, dann steht ja wohl fest, dass Andere, die es besser haben als man selbst, dafür gerade stehen sollen. Ja, viel muss sich ändern und noch viel mehr kann erreicht werden, wenn die Menschen sich auf das besinnen, auf das es im Leben ankommt. Irgendetwas muss also getan werden – aber was? Und von wem?

„Das Böse triumphiert alleine dadurch, dass gute Menschen nichts unternehmen.“ nach Edmund Burke

Wenn irgendwo auf dem Erdenball Unrecht geschieht oder wenn etwas zerstört wird, dann ist die beliebteste Ausrede des Einzelnen: „Ich alleine kann doch eh nichts ändern.“ Was auf den ersten Blick so plausibel erscheint, stellt sich bei genauerem Hinsehen als das Verleugnen der eigenen Verantwortung dar. Noch krasser ausgedrückt kann man es auch als Feigheit bezeichnen. Natürlich ist es viel bequemer sich zurückzulehnen und sich damit zufrieden zu geben dass das, was in der Welt nicht stimmt, nichts mit mir zu tun hat. Ich bin einer von sieben Milliarden Menschen weltweit – was macht es für einen Unterschied, ob ich etwas tue oder lasse?

Metaphorisch betrachtet braucht es nur eine einzige Schneeflocke, um den Unterschied auszumachen zwischen einem Ast, der seine kalte Last gerade noch ertragen kann und einem Ast, der unter der Last von Millionen von Schneeflocken abbricht. Im Englischen spricht man von  einem Strohhalm, der den Unterschied ausmacht, ob das Rückgrat des Kamels bricht oder nicht. Dass es außerdem einen Tropfen gibt, der ein ganzes Fass zum überlaufen bringt, ist wohl jedem bekannt. Viel zu viele Menschen sehen sich selbst nicht etwa als die entscheidende Schneeflocke, den erdrückenden Strohhalm oder den letzten Tropfen, sondern als ein Puzzelstück von vielen, das eben nicht den Unterschied ausmacht. Geht man von dieser Ansicht aus, dann ist das ganze demokratische System, in dem wir leben, eine Farce – da man selbst nichts ändern kann, braucht man auch nicht wählen zu gehen. Schließlich macht die eigene Stimme ja keinen Unterschied. Ja, es gibt Punkte, bei denen man über unsere Politiker verzweifeln kann und das ungute Gefühl hat, dass sie nicht immer als erstes dem Wohle des Volkes entsprechend handeln. Nichtsdestotrotz sollte keiner der Politikverdrossenen vergessen, was passieren würde, wenn man als durchschnittlicher Wähler einer Volkspartei nicht zur Wahl geht. Warum haben es denn faschistische und verfassungsfeindliche Parteien in diverse Landtäge geschafft? Weil die Extremisten ihre Wähler immer dazu motivieren können, wählen zu gehen. Umso geringer die Wahlbeteiligung dann ist, umso größer der Anteil an Stimmen für die fragwürdigsten Teile unserer Demokratie. Jede einzelne Stimme zählt und jeder der nicht wählen geht, hat im Nachhinein auch kein Recht darauf, sich über die Politik zu beschweren. Jeder, der nicht wählen geht ist außerdem dafür verantwortlich, dass extremistische Wirrköpfe Anteile gewinnen.

Es ist nun einmal eine typisch deutsche Eigenart, sich über alles zu beschweren und immer darüber zu reden, was besser sein könnte, anstatt dankbar zu sein für das, was man hat. Es ist verständlich, dass sich durch manche politische Entscheidungen ein gewisser Frust aufbaut, aber das heißt doch noch lange nicht, dass es uns mit unseren Politikern schlecht geht. Sind die Leute denn etwa zu blind um zu sehen, was in der Welt passiert? Wie viele Menschen sterben tagtäglich – derzeit vor allem im arabischen Raum – weil sie für die gleichen demokratischen Rechte kämpfen, denen wir anscheinend so überdrüssig sind? Wünschen wir uns in Deutschland wirklich wieder Zeiten, die wir vor unserer demokratischen Bundesrepublik hatten? Sind wir denn alle so verwöhnt, dass wir eine Demokratie überhaupt nicht mehr zu schätzen wissen? Fragt doch mal in Ägypten nach, oder in Algerien, oder in Syrien, oder in vielen anderen afrikanischen oder südostasiatischen Staaten – was würden diese Menschen geben, um unsere Rechte zu haben? Ist die DDR etwa untergegangen, weil eine treibende Kraft den Menschen gesagt hat, in welche Richtung sie sich zu bewegen hatten? Nein, es waren individuelle Entscheidungen, die dazu führten, dass man seine Unzufriedenheit mit dem System ausdrückte. Hätten die Proteste etwa Erfolg gehabt, wenn die meisten Menschen sich gesagt hätten: „Was kann ich schon ändern? Ich bleibe zu Hause.“ Nein, dann hätte die friedliche Revolution, die zur Wiedervereinigung geführt hat, so nicht stattfinden können. Ein Großteil des gesamten ostdeutschen Volkes hat sich Jahrzehnte lang freie Wahlen gewünscht – und jetzt, wo sie es haben, sind sie auch nicht glücklich darüber?

Die Verantwortlichkeit des Einzelnen geht natürlich noch viel weiter. Jede Stimme zählt; und es gibt viele Beispiele, die das eindrucksvoll verdeutlichen. Als den deutschen Autofahrern z.B. der neue E10-Sprit vorgesetzt wurde, hätte man auch sagen können: „Was kann ich als Verbraucher schon ändern? Ich kann doch die Politik oder Benzinkonzerne nicht in die Knie zwingen.“ Genau das ist aber passiert. Menschen haben für sich selbst beschlossen, E10 zu boykottieren. Weil so viele Einzelentscheidungen im gleichen Interesse zusammenkamen, war es durchaus möglich, die so mächtigen Ölkonzerne und die Politik zum Umdenken zu zwingen. Jeder, der E10 nicht getankt hat, hat das zu verantworten. Jede einzelne Verbrauchermeinung zählt!

Mit der gleichen Begründung hat jeder Einzelne die Macht, ein Atomkraftwerk abzuschalten. Es war u.a. der Wille des Volkes, also Demokratie im reinsten Sinne, der dazu geführt hat, dass die deutschen Atomkraftwerke in den nächsten Jahren abgeschaltet werden. Hätte sich die Politik ähnlich stark beeinflussen lassen, wenn weniger Menschen zu Protestmärschen gegangen wären, Petitionen unterschrieben hätten oder e-Mails bzw. Briefe geschrieben hätten? Jeder Einzelne, der sich am Protest beteiligt hat, hat zu diesem Ergebnis beigetragen.

Das Grundprinzip, das bei alledem dahinter steckt und welches sowohl die demokratische Politik als auch die kapitalistische Wirtschaft lenkt ist, dass der Verbraucher bestimmt, was getan wird und was nicht. Würde eine Partei versuchen, etwas gegen den Willen des Volkes durchzusetzen; oder würde sie sich eher Gedanken darüber machen, wie man die Wähler zufrieden stellen kann, um Stimmen zu bekommen? Viel offensichtlicher ist die Situation aber in der Wirtschaft. Gibt es irgendeine Firma, die etwas herstellen würde, dass die Konsumenten nicht kaufen würden? Das ist ein ganz einfaches kapitalistisches Prinzip. Die Unternehmer möchten Geld verdienen und ihre Güter verkaufen. Sie sind also darauf bedacht, das zur Verfügung zu stellen, was der Kunde wünscht. Die Nachfrage bestimmt das Angebot – und nicht umgekehrt! Wenn wir billiges Fleisch möchten, dann wird ein Unternehmer dafür sorgen, dass billiges Fleisch auf den Markt kommt, ganz egal, ob dafür Lebewesen leiden müssen oder ob es gesundheitliche Bedenken gibt. Jeder, der billiges Fleisch isst, ist also für die Grauen der Massentierhaltung mit allen ihren Nachteilen verantwortlich. Wenn wir Produkte kaufen, die Palmöl ober Bioethanol enthalten, dann sind wir dafür verantwortlich, dass die letzten Regenwälder der Erde abgeholzt und Eingeborene aus ihrem natürlichen Lebensraum vertrieben oder umgebracht werden. Jeder Einzelne Konsument hat die Macht, über Leben und Tod zu entscheiden, wenn er sich z.B. dazu entschließt, Fair Trade Produkte zu kaufen, welche den Erzeugern eine angemessene Bezahlung und damit ein menschenwürdiges Leben ermöglichen. Man kann sich nicht über die Ungerechtigkeit von Kinderarbeit beschweren, wenn man Kleidung trägt, die genau auf diesem Wege hergestellt wurde. Der Verbraucher hat die Macht, Kleidung, die unter unwürdigen Bedingungen hergestellt wurde, zu boykottieren. Das wäre der effektivste Weg, Kinderarbeit zu bekämpfen: Man muss ganz einfach die Nachfrage danach eliminieren. Das gleiche gilt für den Anbau illegaler Drogen rund um die Welt. Die Wenigsten würden wohl Verständnis für Drogenbarone und mafiöse Strukturen haben, aber auch diese Menschen können nur existieren, weil sie einen Markt bedienen. Würden die Menschen auf den Drogenkonsum verzichten, würde es keine Drogenkartelle bzw. –kriege mehr geben. Der Drogenkonsument ist der Verbrecher, der diesen Markt erst ermöglicht. Genauso ist es unsere Gier nach Edelmetallen oder Diamanten, die etliche Bürgerkriege in Zentralafrika finanzieren und so zu deren Ausweitung beitragen.

aus einer Spenderzeitung von terre des hommes

Bildquelle: http://www.dadalos.org/deutsch/menschenrechte/grundkurs_mr3/Kinderrechte/kinderre.htm

Im Endeffekt muss sich jeder Fragen, was er in seinem Leben eigentlich für Prioritäten setzt und wofür er eigentlich steht. Klar, die Religionen geben eine Antwort vor: Wenn du dein Leben lang der Speichellecker eines allmächtigen Tyrannen bist, dann darfst du vielleicht in den Himmel kommen. Bezeichnen wir aber den Menschen wirklich als das höchstentwickelte aller Lebewesen, weil er im Aberglauben seinen Lebenssinn findet? Wäre es nicht viel demütiger, wenn man versucht, seinen eigenen, unscheinbaren und doch vorhandenen Einfluss zu nutzen, um diese Welt ihm Rahmen seiner beschränkten Möglichkeiten ein wenig besser zu machen? Wir alle haben das Potential dazu. Selbst wenn man nur einmal in seinem Leben etwas Selbstloses getan hat, um anderen zu helfen, so hat man dazu beigetragen, die Welt etwas besser zu machen; und was hält uns davon ab, so etwas öfter zu tun? Wir alle werden eines Tages sterben. Dann, wenn wir auf unser Leben zurück blicken, muss man sich eventuell schon fragen, was man aus seinem Leben gemacht hat und ob man nicht mehr Gutes hätte tun können. Ja, wir können viel Gutes tun, auch wenn es auf den ersten Blick insignifikant erscheint. Das Wichtigste dabei ist, dass man akzeptiert, dass man für alles, was man tut oder lässt, verantwortlich ist und daher auch die Folgen bestimmt. 

“Wenn Sie etwas wirklich Billiges kaufen, dann können Sie davon ausgehen, dass es unter dem Schweiß einer armen Frau oder eines armen Kindes hergestellt wurde.”

http://www.tagesschau.de/wirtschaft/kinderarbeit104.html